Borderline: Wie Angehörige mit der Störung umgehen können
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Borderline: Wie Angehörige mit der Störung umgehen können

Angehörige eines Borderline-Patienten fühlen sich oft überfordert. Das liegt in der Natur dieser Persönlichkeitsstörung. Wie Sie als Angehöriger mit den extremen Gefühlsausbrüchen von Betroffenen umgehen, erfahren Sie hier.

Borderline-Persönlichkeitsstörung als Angehöriger erkennen

Menschen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, sind Grenzgänger zwischen emotionalen Extremen. Da die Erkrankung oftmals bereits im Kindes- oder Jugendalter ausbricht, ist es oft schwer, sie von den ganz normalen pubertätsbedingten Gefühlsschwankungen zu unterscheiden. Bei vielen Jugendlichen treten unausgeglichene Momente von größter Freude und Ausgelassenheit im Wechsel mit Momenten von Wut, Angst und Traurigkeit auf, ohne dass ein äußerer Anlass ohne Weiteres erkennbar ist.

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung können Angehörige jedoch daran erkennen, dass die Gefühlszustände sich sehr schnell abwechseln. Diese Jugendlichen fallen von einem Extrem ins andere. Übertrieben aufgeregt Freude kann plötzlich umschlagen in Wutzustände, in denen die Betroffenen um sich schlagen, oder in grenzenlose Traurigkeit. Bemerken Sie, dass sich Ihr Kind zu Autoaggression neigt, sich selbst verletzt oder Selbstmordgedanken äußert, sollten Sie sich umgehend professionelle Hilfe holen. Erste Anlaufstellen für Eltern sind der Hausarzt, eine therapeutische Beratungsstelle oder das Jugend- oder Sozialamt.

Wie verhalte ich mich als Borderline-Angehöriger?

Eine Psychotherapie ist meist der beste Weg, eine diagnostizierte Borderline-Störung zu behandeln. Drängen Sie ein betroffenes Familienmitglied aber nicht dazu, das könnte die Symptome nur verschlimmern. Die Entscheidung, eine Therapie zu beginnen, muss vom Patienten selbst kommen. Besser ist es daher, einen Borderline-Patienten in einer ruhigen Minute mit Argumenten zu überzeugen. Machen Sie der betroffenen Person – und auch sich selbst – bewusst, dass es sich um eine Krankheit handelt, für die sie nichts kann. Als Borderline-Angehöriger tragen Sie eine große Verantwortung. Eine Therapie ist oft sehr langwierig und kann von vielen Rückschlägen geprägt sein. Sie können den Behandlungsprozess aber unterstützen, sodass das betroffene Familienmitglied langfristig lernt, seine Gefühle besser unter Kontrolle zu bekommen.

Ganz wichtig ist, dass Sie die Wutausbrüche nicht persönlich nehmen. Gerade wenn es sich bei dem Betroffenen um Ihr eigenes Kind handelt. Ihr Kind ist nicht bösartig, sondern krank. Reagieren Sie selbst mit Ablehnung und Wut, hat dies keinerlei erzieherischen Effekt, sondern destabilisiert eher noch mehr das Vertrauen und verstärkt das beherrschende Gefühl von Borderlinern, nicht geliebt zu werden. Auf der anderen Seite dürfen Sie als Borderline-Angehöriger einem betroffenen Familienmitglied auch nicht alles durchgehen lassen, oder sich sogar in eine Co-Abhängigkeit begeben, indem Sie Ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Vielmehr sollten Sie ein Anker der Stabilität und Geborgenheit sein. Das ist natürlich nicht immer einfach. Sprechen Sie sich daher auf jeden Fall immer mit dem Therapeuten ab, inwiefern Sie den Patienten unterstützen können.

Verhaltensregeln im Umgang mit Borderline-Erkrankten

Um Borderline-Erkrankten Stabilität zu geben, sollten Angehörige sich an gewisse Verhaltensregeln halten und diese auch den Betroffenen vermitteln. Machen Sie deutlich, dass Sie Ihr Kind oder Ihren Partner auch dann noch lieben, wenn sie etwas für Sie völlig Unverständliches getan haben. Es ist wichtig, dass Erkrankte das Gefühl bekommen, dass sie jemanden haben, auf den sie sich verlassen können. Sprechen Sie über die gemeinsamen Gefühle, aber ohne Druck aufzubauen oder den Betroffenen durch Vorwürfe zu isolieren. Ziehen Sie sich aber auch zurück, wenn es Ihnen zu viel wird. Bleiben Sie ehrlich und aufrichtig. Oft helfen den Betroffenen feste Rituale, wie gemeinsame Essenszeiten, regelmäßige Spaziergänge oder andere Unternehmungen. Und ganz wichtig: Holen Sie sich selbst Hilfe und sprechen Sie mit Ihrem mit Ihrem Partner, einem Freund oder dem Therapeuten, wenn Sie fühlen, dass die Belastung zu groß wird.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SM
Autor/-in
Sascha Müller
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