Augen: So funktioniert unser Sehsinn •

Ist Lesen bei schlechtem Licht schädlich für die Augen?

"Schalte das Licht an, du machst dir noch die Augen kaputt!", werden kleine Bücherwürmer von ihren Eltern ermahnt, wenn sie mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen. Aber stimmt das überhaupt? Ist schlechtes Licht wirklich schädlich für die Augen? Hier erfahren Sie mehr dazu.

Schlechtes Licht hat keinen bleibenden Einfluss auf die Sehkraft

Dass Lesen bei schlechtem Licht zu Kurzsichtigkeit führt, stimmt so nicht. Bei einer Myopie – so der Fachbegriff für Kurzsichtigkeit – ist entweder der Augapfel länger als bei Normalsichtigen und/oder die Hornhaut ist verkrümmt (Astigmatismus). Dadurch bündelt die Linse die Lichtstrahlen nicht auf der Netzhaut, sondern davor. Das führt dazu, dass Betroffene weiter entfernte Objekte unscharf wahrnehmen.

Bei schlechtem Licht können Sie natürlich nicht so gut sehen und das Lesen bereitet Mühe. Dadurch kann eine bereits vorhandene Fehlsichtigkeit stärker erscheinen und eher auffallen. Dieser Effekt ist allerdings bei Erwachsenen vorübergehend. Weder verstärkt sich eine Hornhautverkrümmung noch verlängert sich der Augapfel, wenn Sie bei schummrigem Licht in einem Buch schmökern. Wenn Sie das Licht heller einstellen, dürften Ihre Augen die Buchstaben wie gewohnt erkennen können.

Aber: Lesen bei Dämmerlicht strengt die Augen an

Es ist trotzdem nicht zu empfehlen, zu oft bei schlechtem Licht zu lesen. Die Sehkraft beeinträchtigt dies zwar langfristig nicht, aber dennoch strengen Sie Ihre Augen damit unnötig stark an. Das kann zu Kopfschmerzen und brennenden Augen führen. Auch neigen Menschen dazu, näher an den Text heranzugehen, wenn sie die Buchstaben aufgrund schlechter Lichtverhältnisse nicht gut erkennen können. Die damit einhergehende Körperhaltung führt schnell zu Verspannungen im Nackenbereich.

Vorsicht: Bei Kindern befinden sich die Augäpfel noch im Wachstum

Wissenschaftler sind sich uneinig, was genau die Ursachen für Kurzsichtigkeit sind. Zum Teil ist Myopie genetisch bedingt, aber was genau dafür sorgt, dass eine vorhandene Veranlagung hervorbricht oder verstärkt wird, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Es wird beispielsweise diskutiert, ob das Lesen bei schlechtem Licht und häufiges Nahsehen den Kinderaugen schaden.

Zwei Brüder lesen ein Buch unter der Bettdecke mit einer Taschenlampe

Kinder sollten vorsichtshalber nicht zu lange und zu oft bei schlechtem Licht lesen.

Die Augäpfel befinden sich mindestens bis zum 16. Lebensjahr noch im Wachstum und können sogar bis zum 30. Lebensjahr noch weiterwachsen – dann jedoch nicht mehr so stark. Einige Forscher befürchten, dass durch Lesen bei Dämmerlicht oder Nahsehen die Augäpfel einen Wachstumsimpuls erhalten und sich verlängern. Das würde eine bestehende Kurzsichtigkeit verschlimmern.

Andere Experten wenden dagegen ein, dass Kinder nur so lange mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen, bis sie müde werden und über ihrem Buch einschlafen. Bevor es also zu einem Wachstumsimpuls für den Augapfel kommt, ist Ihr Nachwuchs bereits im Land der Träume angelangt.

Sascha Müller
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