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Akutes Lungenversagen (ARDS): Schocklunge als Folge einer Lungenentzündung

Akutes Lungenversagen, auch Schocklunge genannt, ist eine schwere, oft tödlich verlaufende Erkrankung der Lunge. Die Schocklunge tritt meist als Folge einer anderen Erkrankung auf – allen voran einer Lungenentzündung (Pneumonie).

Was ist akutes Lungenversagen?

Akutes Lungenversagen wird auch als Schocklunge oder akutes Atemnotsyndrom (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) bezeichnet. Akutes Lungenversagen ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Die Schocklunge ist das Endstadium einer akuten entzündlich bedingten Lungenschädigung. Der Patient braucht eine künstliche Beatmung.

Wann droht akutes Lungenversagen? Ursachen für die Schocklunge

Ein akutes Lungenversagen wird am häufigsten durch eine Lungenentzündung (Pneumonie), einer Blutvergiftung (Sepsis) oder einer akuten Verletzung der Lunge, etwa einer Lungenquetschung durch einen Unfall (Lungentraumata) ausgelöst. Auch das Eindringen flüssiger und fester Stoffe in die Atemwege sowie Beinahe-Ertrinken können das akute Atemnotsyndrom (ARDS) auslösen. Studien haben zudem gezeigt, dass Zigarettenrauchen sowie chronischer Alkoholmissbrauch das ARDS-Risiko erhöhen.

Schocklunge durch akutes Lungenversagen: Was passiert in der Lunge?

Beim akuten Lungenversagen spielen verschiedene lungenschädigende Faktoren zusammen:

  1. Aufgrund der Entzündung in der Lunge sind die Wände der Lungenbläschen (Alveolen) sowie die umgebenden Blutgefäße durchlässiger als normal. Flüssigkeit sickert aus den Blutgefäßen in die Lungenbläschen und das Lungengewebe. Ein Lungenödem entsteht.
  2. Die Entzündung schädigt das Bindegewebe der Lunge.
  3. Immunzellen versuchen, die Entzündung und die Gewebeschäden in der Lunge zu beheben. Die Bindegewebsbildung wird zusätzlich angeregt und Vernarbungen (Fibrose) entstehen.
  4. Flüssigkeit und vermehrtes Bindegewebe erschweren die Atmung. Die Lunge kann sich nicht mehr ausreichend ausdehnen. Die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid sind behindert. Der Körper ist immer schlechter mit Sauerstoff versorgt. Es droht eine akute Sauerstoffunterversorgung.
  5. Der schützende Oberflächenfilm der Lungenbläschen (Surfactant) nimmt Schaden und die Alveolen fallen in sich zusammen. Ist der Patient nicht mehr in der Lage zu atmen, muss er künstlich beatmet werden.

Schocklunge: Symptome bei akutem Lungenversagen (ARDS)

Die durch akutes Lungenversagen ausgelöste Schocklunge ist ein Notfall, der rasch erkannt und intensivmedizinisch behandelt werden muss. Hauptsymptom der Schocklunge ist schwere Atemnot, da die Lungenfunktion versagt und der Gasaustausch in der entzündeten Lunge nicht mehr ausreichend funktioniert.

Neben der rasch zunehmenden Atemnot zeigt sich der zunehmende Sauerstoffmangel durch:

  • beschleunigte Atmung
  • blauverfärbte Lippen und Finger (Zyanose)
  • Unruhe
  • Erstickungsangst
  • Verwirrtheit
Wichtig
Tritt schwerste Atemnot auf und verfärben sich Lippen und Finger blau, ist das immer ein Hinweis auf einen lebensbedrohlichen Notfall. Rufen Sie sofort den Notarzt unter 112 an. Dieser wird den Betroffenen in ein auf Lungen- und Herzkrankheiten spezialisiertes Krankenhaus bringen.

Schocklunge behandeln: Was können Ärzte bei akutem Lungenversagen tun?

Akutes Lungenversagen muss immer als erstes sofortige Beatmung zur Folge haben. Ist der Notarzt noch nicht beim Patienten, ist es wichtig, dass Ersthelfer bei Atemstillstand die Herz-Lungen-Wiederbelebung (Herzdruckmassage) durchführen. Weitere Maßnahmen der Schocklungen-Therapie sind die Gabe von Antibiotika bei Infektionen, die Verabreichung von kreislaufunterstützenden Medikamenten sowie die Flüssigkeitszufuhr bei Schock. Kortison hilft gegen die Entzündungen und hilft, einer Vernarbung der Lunge entgegenzuwirken.

Etwa 40 Prozent der Patienten versterben am akuten Lungenversagen. Überlebt der Patient, kann es sein, dass seine Lungenfunktion ein Leben lang eingeschränkt ist, unter anderem, weil sich häufig eine Lungenfibrose (Narbenlunge) entwickelt.

Akutes Lungenversagen und Spezielle Beatmung: Was ist ECMO?

In sehr schweren ARDS-Fällen kann es erforderlich sein, den Patienten in ein spezielles Zentrum mit ECMO zur sogenannten extrakorporalen Membranoxygenierung zu überführen. Die ECMO ist ein System zur Behandlung des Blutes außerhalb des Körpers. Mit diesem Verfahren kann noch effektiver überschüssiges Kohlendioxid entfernt und Sauerstoff zugeführt werden, um die Herz- und Lungenfunktion zu unterstützen. Der Patient bekommt in zentrale Gefäße in Hals und Leisten große Kanülen gelegt, über die bis zu fünf Liter Blut pro Minute aus dem Körper in das ECMO-Gerät gepumpt werden können. Die künstliche Membranlungen des EMCO-Gerätes übernehmen den Gasaustausch.

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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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