Ende der Tachomanipulation in Sicht

Die Manipulation des Tachostandes von Gebrauchtwagen gilt als lohnendes Geschäft. Nach Angaben des ADAC zahlen betrogene Käufer durchschnittlich satte 3.000 Euro zu viel. Insgesamt sollen laut Schätzungen der EU-Kommission zwölf Prozent aller Gebrauchtwagenkäufe von der Tachomanipulation betroffen sein. Die deutsche Polizei geht sogar von mehr als 30 Prozent aus.

Nun hat diese Misere offenbar ein Ende. Seit September 2017 müssen alle Neuwagen nach einer Entscheidung der EU mit einer technischen Lösung ausgestattet sein, die eine Manipulation des Kilometerstands verhindert. Anderenfalls ist gemäß EG-Typgenehmigung 2017/1151 keine Zulassung mehr möglich. Wenn diese Fahrzeuge in zwei, drei Jahren auf den Gebrauchtwagenmarkt kommen, sind erstmals reale Tachostände zu erwarten.

Der lange Weg zur Käufersicherheit

Die neue Typgenehmigung dürfte langfristig dazu führen, dass Gebrauchtwagen günstiger werden. Zwar ist das eine erfreuliche Entwicklung, den jahrelangen Stillstand erklärt sie jedoch nicht. So hatte der ADAC schon lange nachgewiesen, dass sich die Tachomanipulation schon mit rund einem Euro Aufwand pro Fahrzeug verhindern lässt. Dass die Autoindustrie dennoch nichts unternommen hat, führen Kritiker auf mangelndes Interesse zurück. Der Verdacht: Durch günstigere Gebrauchtwagen könnte der Verkauf von Neuwagen erschwert werden. Das jedoch widerspricht den Zielen der Hersteller.

Mit einem Gerät für rund 150 Euro war es bisher möglich (und ist es für alle Fahrzeuge vor September 2017 auch weiterhin), den Kilometerstand auf dem Tacho in wenigen Minuten auf den gewünschten Wert herunterzustellen. Diese Tachomanipulation lässt sich schwer nachweisen und boomte. Der Betrug wird sogar als günstige Dienstleistung angeboten, die sich für den Verkäufer lohnt: Mit weniger als 50 Euro Einsatz konnte und kann er einige hundert Euro mehr beim Gebrauchtwagenverkauf erzielen.

Auswirkungen der Tachomanipulation

Der Betrug hat nicht nur Folgen für die geprellten Käufer, die allein in Europa fast zehn Milliarden Euro zu viel bezahlt haben. Die Tachomanipulation wirkt sich auch auf die Verkehrssicherheit und die Umwelt aus. So erfolgten die vorgeschriebenen Durchsichten und der prophylaktische Austausch von Verschleißteilen in Unwissenheit der realen Laufleistungen oftmals oft zu spät, was Motorschäden zur Folgen haben konnte.

Außerdem dürfte die Tachomanipulation für (noch weiter) erhöhte Schadstoffwerte bei Dieselfahrzeugen verantwortlich sein. So wurde nicht nur der Käufer, sondern auch die Motorsteuerung über den realen AdBlue-Stand und den Zustand des Partikelfilters getäuscht. Diese Tatsache dürfte entscheidend mit dazu beigetragen haben, dass die EU nun eine „schnelle“ Entscheidung getroffen hat.