Plazenta essen: Ekliger Trend oder gesunde Nahrungsergänzung?

Immer wieder erzählen Promis, dass sie nach der Geburt ihre Plazenta essen möchten – roh, zu Kapseln verarbeitet oder fein zubereitet. Aber was ist dran an dem Trend?

Mediziner raten strikt ab

Ärzte sind sich einig: Der Verzehr der Plazenta ist keinesfalls empfehlenswert. Das beweist auch ein Fall aus den USA, der durch die Medien ging. Es war ein schwerer Fall von Blutvergiftung, der ein Baby in den Vereinigten Staaten im September 2016 beinahe das Leben gekostet hätte: Die junge Mutter hatte sich nach der Geburt Plazenta-Pillen anfertigen lassen, die sie auch regelmäßig einnahm. Die Folge: Über die Muttermilch hatte das Baby sich mit B-Streptokokken infiziert – und wäre fast daran gestorben.

Zum Glück sind solche Fälle selten. Dennoch raten Mediziner dringend davon ab, die Plazenta zu essen: Es handelt sich dabei um ein medizinisches Abfallprodukt. Es versorgt in der Schwangerschaft das Baby zwar mit Sauerstoff und Nährstoffen, aber gleichzeitig entfernt es auch Stoffwechselprodukte. Im Laufe der neun Monate sammeln sich außerdem Schwermetalle und andere Abfallstoffe in der Plazenta an. Zink, Eisen und Selen, wovon der Mutterkuchen so viel enthalten soll, sind hingegen nur in geringen Mengen vorhanden.

Keine positiven Wirkungen nachgewiesen

Es sei etwas ganz Natürliches, die Plazenta zu essen, argumentieren die Verfechter der Praxis. Tiere täten das schließlich auch. Das ist ganz richtig: Tiere fressen ihre Plazenta, weil diese sonst nach kurzer Zeit verwest und mit dem Geruch Raubtiere anlockt. Vor denen möchten die Muttertiere ihre Jungen aber natürlich schützen. Dieser Grund fällt für Menschen nicht mehr ins Gewicht – unsere Babys sind sicher vor Raubtieren.

Der Verzehr des Mutterkuchens unterstütze das Immunsystem, beuge Kindbettdepressionen vor, bringe den Milchfluss in Gang und unterstütze die Rückbildung, heißt es. Keiner dieser positiven Aspekte hat sich aber bislang durch Studien oder Untersuchungen belegen lassen. Im besten Falle passiert also gar nichts, im schlimmsten Fallen ziehen Sie sich eine Infektion zu und belasten Ihren Körper mit Schwermetallen.

Die Plazenta kann unter anderem zu Pillen verarbeitet werden – Ärzte raten von dieser Praxis allerdings ab.

Was genau ist die Plazenta?

Viele der Menschen, die ihre Plazenta essen, sind sich vielleicht nicht bewusst, worum genau es sich bei dem schwammigen Gewebe eigentlich handelt: Der Mutterkuchen besteht zu Teilen aus dem Gewebe der Mutter, zu Teilen aus dem des Babys. In diesem Zusammenhang weist der Gynäkologe Alex Farr (Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni in Wien) darauf hin, dass das Gewebe genetisch zum Baby gehört. Seiner Ansicht nach grenzt das Verspeisen der Plazenta daher an Kannibalismus. Sollte Ihr Instinkt Ihnen also gesagt haben, dass es irgendwie eklig ist, seine Plazenta zu essen, hören Sie auf ihn: Er hat vollkommen recht – gesunde Nahrungsergänzung nach der Geburt sieht anders aus.