Vorsätzliches Rasen: Das sind die Konsequenzen
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Vorsätzliches Rasen: Das sind die Konsequenzen

Das kann nicht nur schnell lebensgefährlich, sondern auch richtig teuer werden: Wer vorsätzlich zu schnell fährt, kann mit dem doppelten Bußgeld belegt werden. Was Sie bei zu schnellem Fahren noch erwartet, verraten wir ihnen hier:

Vorsätzliches Rasen kann schnell ein doppeltes oder verdreifachtes Bußgeld nach sich ziehen. Doch wie lässt sich ein Vorsatz nachweisen? Das Oberlandesgericht Hamm hat dafür klare Regeln aufgestellt.

Rasen unter Vorsatz: Verdreifachtes Bußgeld

In einem Urteil gegen einen Autofahrer wurde diesem Vorsatz – also Absicht – unterstellt, weil er Innerorts mit 78 Kilometer ein anderes Auto überholt hatte. Der Autofahrer war zuvor bereits mehrfach durch Tempoverstöße aufgefallen und hatte einen nicht unerheblichen Punktestand in Flensburg angehäuft. Für dieses vorsätzliche Rasen – 28 Kilometer zu schnell – sieht der Bußgeldkatalog einen Regelsatz von 100 Euro vor, der Mann musste aber ein Bußgeld von 300 Euro berappen und das hat folgenden Grund: Die Bußgeldsumme des Regelsatzes deckt eben nur Verstöße im „Regelfall“ ab. Darunter fallen etwa versehentliche Fahrfehler. Geschieht ein Verstoß mit Vorsatz, sieht der Bußgeldkatalog für all jene Bußgelder eine Verdopplung vor, die über 55 Euro liegen.

Raserei nicht gemerkt: Diese Ausrede zählt nicht

Bei besonders beratungsresistenten Verkehrssündern darf die Bestrafung für vorsätzliches Rasen sogar noch einen Schritt weitergehen: Wenn die zulässige Geschwindigkeit um 50 Prozent überschritten wurde, muss der Vorsatz nicht explizit nachgewiesen werden. Weil ab einer Tempoüberschreitung von 40 Prozent die Fahrgeräusche und die schnell vorbeiziehende Umgebung offensichtlich wahrzunehmen sind, kann der Raser nicht versehentlich gehandelt haben.

Versicherungsschutz nicht mehr gewährleistet

Wenn Sie also bei einem Tempolimit von 50 km/h mit 75 km/h unterwegs sind, müssen Sie das doppelte Bußgeld löhnen, gleiches gilt selbstverständlich auch für höhere Überschreitungen. Erschwerend kommt noch hinzu: Die Rechtsschutzversicherung zahlt Prozess- und Anwaltskosten nicht, wenn eine vorsätzlich begangene Ordnungswidrichkeit festgestellt wurde, also mit Absicht rasen. Im Falle eines Unfalls verlieren Sie auch sämtlichen Versicherungsschutz. Damit bleiben Sie auf allen Kosten und möglichen Schadensersatzforderungen sitzen. Auch eine Haftpflichtversicherung hilft in diesem Fall nicht, diese ersetzt zwar den Schaden des Opfers, holt sich aber einen Teil des Geldes beim Verursacher wieder. Rasen lohnt sich also in vielerlei Hinsicht nicht.

 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 10.05.2016 – 4 RBs 91/16

Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV) § 3, Abs. 4a

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