Überhöhte Nebenkostenabrechnung? Widerspruch lohnt
© Andreas Steidlinger/iStock / Getty Images Plus
(1)

Überhöhte Nebenkostenabrechnung? Widerspruch lohnt

Jede zweite Nebenkostenabrechnung in Deutschland ist zu hoch. Das sagt der Deutsche Mieterbund und gibt damit noch eine relativ konservative Schätzung ab. Was aber können Sie tun, wenn der Vermieter mal wieder an Ihr Portemonnaie will?

Die Abrechnung der Nebenkosten ist alles andere als trivial. Ob eine überhöhte Abrechnung vorliegt, muss aufwändig und mit einem hohen Maß an Sachkenntnis geprüft werden. Vertrauen Sie zunächst jedoch auf Ihr Bauchgefühl: Erscheint Ihnen die Nachforderung als unangemessen, sollten Sie Ihre Nebenkosten mit dem örtlichen Betriebskostenspiegel abgleichen. Ergibt sich hier eine Diskrepanz, also liegen Sie deutlich über dem Durchschnitt, lohnt die genauere Recherche.

Welche Kosten dürfen umgelegt werden?

Die Liste der umlegbaren Kosten ist lang und reicht von der Grundsteuer über die Beleuchtung bis zur Reinigung der Dachrinnen. Andere Kosten sind dagegen ausgeschlossen, zum Beispiel alle Formen von Bankgebühren oder Zinsen. Beim Abgleich, ob falsche Positionen auf der Rechnung erscheinen, kann Ihnen der Mieterbund helfen. Grundsätzlich gilt: Einmal- und Instandhaltungskosten sind von der Umlage ausgeschlossen. Berücksichtigt wird nur, was der laufende Betrieb erfordert.

Häufig kommen überhöhte Abrechnungen zustande, weil grundsätzlich erlaubte Umlagen falsch berechnet wurden. So darf der Vermieter zum Beispiel Betriebskosten für leerstehende Wohnungen nicht einfach auf die anderen Mieter verteilen, sondern muss sie selber tragen. Gibt es einen Fahrstuhl, ist die Wartung umlagefähig, Reparaturen jedoch nicht. Diese Liste der Tricks und Kniffe ließe sich fortsetzen. 

Was können Sie tun bei zu hohen Nebenkosten – die Fristen

Wichtig ist zunächst der Faktor Zeit: Der Widerspruch muss innerhalb von einem Jahr nach Zustellung des Bescheids erfolgen, sonst ist er unwirksam. Für die geforderte Nachzahlung gilt der weit kürzere Zeitrahmen von vier Wochen. Sie können die Zahlung jedoch zunächst um den Betrag aus strittigen Positionen kürzen. Alternativ überweisen Sie den Gesamtbetrag mit dem Hinweis „unter Vorbehalt“.

Widerspruch einlegen und um Klärung bitten

Der Widerspruch sollte schriftlich, per Einschreiben und unter Angabe einer Frist erfolgen. Umso konkreter die Einwände sind, desto zielführender ist die Auseinandersetzung. Benennen Sie die strittige Position und bitten Sie um Erläuterung, warum der Betrag gestiegen ist oder über Vergleichsniveau liegt. Weisen Sie dabei noch einmal darauf hin, dass Sie die Zahlung für die strittige Position zunächst solange nicht leisten werden, bis eine Klärung erfolgt ist.

Richten Sie sich darauf ein, die entsprechenden Unterlagen und Belege beim Vermieter zu prüfen. Eine Pflicht zur Erstellung und zum Versand von Beleg-Kopien besteht für den Vermieter nicht.

Wie finden Sie diesen Artikel?