Smart Parking: Digitale Parksysteme finden jede Lücke
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Smart Parking: Digitale Parksysteme finden jede Lücke

Der anstrengendste Teil einer Autofahrt beginnt oft erst an ihrem Ende: die Parkplatzsuche. Wäre doch praktisch, wenn uns das Handy oder Navi jederzeit zum nächsten freien Stellplatz lotsen würde. Genau das wird bald möglich sein – dank jeder Menge Sensoren und der Cloud.

Der Verkehr in Innenstädten nimmt stetig zu. Staus, Lärm und katastrophale Abgas- und Feinstaubwerte sind die Folge. Händeringend wird nach Lösungen gesucht. Der Pendlerverkehr soll über Carsharing-Modelle eingedämmt, der Durchzugsverkehr durch großräumige Umfahrungen umgeleitet werden. Über allem steht der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Bleibt noch der Kampf gegen den Parksuchverkehr, der mancherorts bis zu einem Drittel des Gesamtverkehrs ausmacht.

Laut Bosch sucht jeder Autofahrer jährlich etwa 100 Stunden nach einer Lücke und findet sie jeweils erst nach durchschnittlich 4,5 Kilometern. Der Technologiekonzern bastelt daher an verschiedenen intelligenten Parksystemen, grob unterteilt in die Konzepte automatisiertes Parken, Community-based Parken und aktives Parkraum-Management. Letzteres wird aktuell in Stuttgart im Rahmen eines Pilotprojekts getestet.

Kurzfristige Option: Aktives Parkraum-Management

Anfang 2016 hat Bosch zusammen mit dem Verband Region Stuttgart 15 Park+Ride-Anlagen in aktive Parkraum-Management-Systeme umgewandelt, aufgereiht entlang zweier S-Bahn-Linien. Früher wurden schlicht die Schrankenöffnungen gezählt. Die Grundannahme lautet: Wenn Autofahrer vorab wissen, dass freie Parkflächen vorhanden sind, sind sie eher gewillt, dort zu halten und in die S-Bahn umzusteigen.

Wie sie das vorab wissen können? Aktives Parkraum-Management beschreibt eine Weiterentwicklung der Technik vieler Parkhäuser und Tiefgaragen. Dort wird jeder Parkplatz mit einem Ultraschallsensor versehen, so die Zahl der vakanten Plätze ermittelt und eingangs auf großen LED-Displays abgebildet. Bosch geht nun den entscheidenden Schritt weiter: Die Belegstatus-Informationen wandern verschlüsselt über ein in der Nähe installiertes Gateway in die Cloud.

Dort liegen Meta-Informationen über den jeweiligen Stellplatz vor, etwa hinsichtlich seiner Maße oder ob er behindertengerecht, gebührenpflichtig oder mit einer Ladestation ausgestattet ist. Daraus generiert das Rechenzentrum eine detaillierte Echtzeit-Parkplatzkarte. So lässt sich mittels einer Smartphone-App überall und jederzeit überblicken, wo sich der nächste freie Parkplatz befindet – optional verknüpft mit einer Reservierungs- und Bezahlfunktion.

Siemens testet in Berlin ein ähnliches Konzept, nutzt allerdings Radar- anstatt Ultraschallwellen. Und die kommen von oben, nicht von unten: An den Laternenmasten prangen kleine Radarsensoren und beobachten die Berliner Bundesallee. Die permanent abgestrahlten Wellen werden von den stehenden Autos reflektiert – und falls nicht, landet die Information über den verfügbaren Stellplatz schnell auf den Smartphones oder Navigationsgeräten der Autofahrer.

Immer sicher und mobil bleiben

Mittelfristige Option: Community-based Parken

Radarkästchen an fast jeder Laterne, Sensoren für jeden einzelnen Parkplatz – das kommt den chronisch zum Sparen gezwungenen Kommunen teuer zu stehen. Und überhaupt: Sind solche statischen Lösungen im anbrechenden Zeitalter dynamischer Connected Cars noch up to date? Diese haben nämlich die notwendige Technik längst an Bord: die Ultraschallsensoren des Parkassistenten und natürlich die Netzwerkhardware zur Internetanbindung.

Die Community setzt auf das Prinzip der Schwarmintelligenz und besteht aus Empfänger- und Senderfahrzeugen. Letztere scannen, auch wenn sie keinen Parkplatz suchen, die Straßenränder pausenlos nach freien Parkbuchten, die anonymisiert der Cloud gemeldet werden. Ab hier unterscheidet sich das Prozedere nicht mehr vom aktiven Parkraum-Management: Das lernfähige System erarbeitet eine digitale Parkplatzkarte und stellt sie den Empfängerfahrzeugen zur Verfügung.

Langfristige Option: Automatisiertes Parken

Ist auf diesem Wege eine Lücke gefunden, kann man die Hände in den Schoß legen und den Parkassistenten die Lenkung überlassen. Kein Wunder, dass dieses Feature so beliebt ist, immerhin ereignet sich – zumindest noch – fast jeder zweite Pkw-Sachschadenunfall beim Rangieren. Und da ein solches Missgeschick auch bei der heimischen Einparkroutine passieren kann, kommt plan- und serienmäßig ab 2019 der Bosch Homezone Parkassistent, der abgespeicherte Routen zum Stellplatz eigenständig bewältigt.

Eine solche Wegaufzeichnung benötigt das automatisierte Valet Parking nicht. Manuelles Valet Parking wird bislang an Flughäfen, bei der Leihwagen-Rückgabe oder von gehobenen Restaurants und Hotels angeboten, wobei ein Mitarbeiter (Valet = Diener) den Wagen am Eingang übernimmt und parkt. In wenigen Jahren soll sich das Auto allein in Parkhäusern zurechtfinden – und bald darauf auch außerhalb: Schließlich sind die Grenzen zwischen autonomem Parken und Fahren fließend.

MS
Autor/-in
Matthias Steidl
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