Handy am Steuer: Auch ausgeschaltet ist es tabu
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Handy am Steuer: Auch ausgeschaltet ist es tabu

Ein Punkt in Flensburg und 60 Euro Strafe – so viel kostet es mindestens, wenn Sie am Steuer telefonieren. Auch ein Fahrverbot ist möglich, wird aber selten verhängt. Was ist erlaubt, was ist verboten? Was droht dem Sünder? Die Details lesen Sie hier.

Der Automobilclub „Mobil in Deutschland e.V.“ geht davon aus, dass etwa 500 Menschen jedes Jahr sterben, weil sie selbst oder andere im Straßenverkehr nicht vom Handy lassen können. Praxistests hätten ergeben, dass etwas sieben Prozent aller Fahrer „on tour“ und ohne Freisprecheinrichtung mit dem Smartphone hantieren. Schaltet die Ampel auf Rot, wächst der Anteil sogar auf 15 Prozent.

Handy am Steuer: Unfallrisiko auf Höchstniveau

Die Studie wurde 2016 im städtischen Raum durchgeführt und tatsächlich ist die Zahl der Handy-Sünder hier höher als auf der Landstraße oder Autobahn. Aber auch außerorts bei hohem Tempo greifen viele Fahrer zum Smartphone und riskieren dabei viel. Jede Sekunde mit Blick auf den Handy-Bildschirm kostet schließlich Dutzende Meter, die man auf der Straße verpasst. Bremst der Vordermann in dieser Zeit, ist es meist zu spät.

Wie stark das Unfallrisiko durch die Handynutzung steigt, ist nicht wirklich belegt. Faktor sechs? Faktor zehn oder 20? Manche Schätzungen, auch die des Automobilclubs liegen sogar noch höher. Allen Berechnungen gemein ist: Das Unfallrisiko steigt um ein Vielfaches.

Strafen in Deutschland vergleichsweise gering

Zieht man dies in Betracht, sind die Strafen, 60 Euro und ein Punkt, in Deutschland fahrlässig gering. Wer mehrfach beim Telefonieren am Steuer erwischt wird, muss zwar den Führerschein wegen „beharrlicher Pflichtverletzung“ für drei Monate abgegeben, aber der Fall kommt in der Praxis nur selten vor. Wie oft wurden Sie selbst schon bei der Smartphone-Nutzung kontrolliert oder erwischt?

Ergebnis dieser Verkehrspolitik ist: Teuer wird’s erst, wenn es weh tut. Passiert nämlich tatsächlich ein Unfall mit dem Handy am Ohr oder dem Finger am Display – denn das SMS-Schreiben, Surfen oder Wegdrücken eines Anrufs ist ebenso verboten wie das Telefonieren selbst – kann das tatsächlich richtig teuer werden. Im Zweifelsfall zahlt die Versicherung nämlich nicht. Das Risiko erwischt zu werden ist dabei sehr hoch, der Datenerhebung sei Dank.

In Deutschlands Nachbarländern ist man klüger. In vielen Staaten geht es mit den Bußgeldern für Handy-Sünder erst bei 100 Euro erst los, darunter in Griechenland, Portugal, Frankreich, England und Spanien. In Italien liegt der Start bei 160 Euro, in den Niederlanden bei 230. Hier können aber auch Beträge deutlich über 500 Euro verlangt werden.

Riesige Spanne zwischen strikt verboten und jederzeit erlaubt

Auf das Handy verzichten muss im Auto dennoch niemand. Zum einen ist die Nutzung einer Freisprecheinrichtung während der Fahrt nicht nur bequem, sondern auch gesetzeskonform. Zum anderen ist die Handy-Bedienung in Deutschland hinter dem Steuer erlaubt, wenn der Motor ausgeschaltet ist. Das gilt auf dem Rastplatz ebenso wie im Stau oder an der roten Ampel.

Ist der Motor eingeschaltet, ist es dagegen strikt verboten, das Handy in die Hand zu nehmen. So hat das OLG Hamm (Az. 1 RBs 170/16) entschieden, dass schon das Drücken des Home Buttons das Gesetz verletzt. Das gelte selbst dann, wenn das Smartphone ausgeschaltet sei.

Und was passiert, wenn das Telefon während der Fahrt in der Halterung steckt? Bedienung erlaubt, sagt der Gesetzgeber.

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