Parodontitis: Was ist das eigentlich?
© Bet_Noire/iStock / Thinkstock
(0)

Parodontitis: Was ist das eigentlich?

Wenn der Zahnhalteapparat entzündet ist, sprechen die Zahnärzte von Parodontitis. Auslöser hierfür sind vor allem Bakterien, die sich in den Zahnfleischtaschen dauerhaft niederlassen. Dieser Form der Erkrankung sollten Sie größte Aufmerksamkeit schenken. Selbst gesunde Zähne können durch eine andauernde und unbehandelte Parodontitis ihren festen Halt verlieren und sogar ausfallen.

Parodontitis muss wie Zahnkaries ernst genommen werden

Die weit verbreitete Erkrankung des Zahnhalteapparates ist oft Ursache für Zahnverlust. Bei Menschen, die über 45 Jahre alt sind, ist es bereits die am meiste vorkommende Ursache. Fast alle Menschen haben im Laufe ihres Lebens einmal Probleme mit entzündetem Zahnfleisch, einer sogenannten Gingivitis. Diese kann wieder abklingen, manchmal ist sie aber auch Vorbote einer Parodontitis. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich und individuell: Nicht ausreichende Mundhygiene und Zahnpflege, schlechte Ernährung, Rauchen bis hin zu genetischen Dispositionen sind zu nennen.

Gelegentliche Zahnfleischentzündungen können Zahnfleischtaschen hinterlassen. In diesen Zwischenräumen entstehen dann Entzündungen, die auf den sogenannten Zahnhalteapparat übergreifen können. Dieser besteht aus:

  • Zahnfleisch
  • Wurzelzement (umgibt die Zahnwurzel)
  • Alveolarknochen (hierin ankert der Zahn)
  • Wurzelhaut (Gewebe zwischen Knochen und Zahn)

Sowohl die Entzündungen als auch die körpereigene Abwehr gegen die auslösenden Bakterien beginnen den gesamten Zahnhalteapparat zu schwächen, zu schädigen und gar abzubauen: Das ist der Zustand einer Parodontitis. Die Zähne verlieren ihren festen Halt und sind jetzt stark gefährdet.

Parodontitis zeigt zwei Erscheinungsformen

Die am weitesten verbreitete Parodontitis ist die sogenannte chronische Parodontitis: Die beschriebenen Schädigungen des Zahnhalteapparates entwickelt sich langsam, mal schubartig stärker, dann wieder schwächer ausgeprägt. Doch von selber verschwinden kann diese Form der Parodontitis nicht mehr. Betroffen sind überwiegend Menschen ab dem 30. Lebensjahr. 
Wesentlich seltener werden Kinder und Jugendliche von der zweiten Erscheinungsform heimgesucht: Man spricht von der aggressiven Parodontitis. Diese einwickelt sich schneller und dramatischer als die beschriebene chronische Parodontitis. Die körpereigenen Abwehrmechanismen sind extrem stark ausgeprägt.

Der Körper reagiert damit auf einen dann sehr häufig nachweisbaren Bakterienstamm: Aggregatibacter actinomycetemcomitans.
Dieses Bakterium kommt stets von außen und wird übertragen, etwa durch Küssen. Man kann deshalb die Parodontitis als infektiöse Krankheit betrachten. Sollte eine Parodontitis nicht auf Behandlung ansprechen, spricht man von therapie-refraktärer Parodontitis. Doch in frühem Stadium erkannt und behandelt ist dies sehr selten. 

Parodontitis - nicht nur lästig, auch gefährlich

Bleibt eine Parodontitis unbehandelt, entwickelt sich eine unangenehme chronische Erkrankung. Es stellen sich Schmerzen ein, hinzu kommt ein stets schlechter Geschmack im Mund und Mundgeruch. Das Zahnfleisch schwindet, und so liegen irgendwann die schmerzempfindlichen Zahnhälse frei. Es droht Zahnverlust von Zähnen, die selbst ganz gesund sein können. 

Doch Gefahr droht auch dem ganzen Körper: Wenn die Bakterien aus dem entzündeten Gewebe ins Blut gelangen, können diese im ganzen Körper Krankheiten auslösen. Es steigt das Risiko von:

Schwangere mit Parodontitis bringen auffällig häufiger untergewichtige Babys zur Welt, auch Frühgeburten sind viel eher zu erwarten. Also genug Gründe, bei Anzeichen von Zahnfleischproblemen sofort den Zahnarzt zu konsultieren.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Wie finden Sie diesen Artikel?