Warum wir besonders viel Hunger haben, wenn wir müde sind
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Warum wir besonders viel Hunger haben, wenn wir müde sind

Wer zu wenig schläft, ist am nächsten Tag oft nicht nur müde, sondern hat auch mehr Hunger. Durch den leicht gesteigerten Energiebedarf aufgrund einer verlängerten Wachphase allein lässt sich das nicht erklären. Denn verschlafene Menschen essen oft mehr, als sie verbrauchen. Daher gilt häufiger Schlafmangel als ein Risikofaktor für Übergewicht. Doch warum ist das so?

Hormone bei Schlafmangel Schuld an Hunger?

Zwei Hormone scheinen eine Rolle dafür zu spielen, warum Müdigkeit den Hunger erhöht: Ghrelin und Leptin. Während Ghrelin den Appetit anregt, beeinflusst Leptin das Sättigungsgefühl. In einer kleinen US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2012 wurden 27 gesunde, normalgewichtige Frauen und Männer im Schlaflabor beobachtet. In einer ersten Runde des Experiments wurden die Probanden drei Nächte hintereinander nach nur vier Stunden Schlaf geweckt. Drei Wochen später durften sie drei Nächte lang neun Stunden schlafen. Anhand von Blutuntersuchungen wurden jeweils die Konzentrationen verschiedener Hormone gemessen, die Hunger und Appetit beeinflussen, sowie der Anteil an Glukose und Insulin berechnet. Außerdem dokumentierten die Forscher das Essverhalten.

Während sich beim Insulin und bei der Glukose im Blut keine Unterschiede zwischen den beiden Runden zeigten, ließ sich bei den Männern ein erhöhter Ghrelin-Spiegel beobachten. Bei Frauen war dieser normal, doch ihr Leptin-Spiegel war gesunken. Es scheint also, dass müde Männer größeren Appetit verspüren und deswegen mehr essen, als sie verbrauchen. Müde Frauen hingegen sind hungriger, nicht so schnell satt und essen deswegen mehr. Der Studie nach aßen die Teilnehmer bei Schlafmangel rund 300 Kilokalorien mehr als im ausgeschlafenen Zustand. Dies entspricht etwa drei Riegeln Schokolade.

Wer müde ist, hat mehr Appetit

Eine weitere kleine Studie scheint diese Ergebnisse zu stützen. Wissenschaftler der Universität von Chicago sorgten in einem Versuch mit 14 Frauen und Männern, die nicht unter Schlafstörungen leiden, für einen künstlichen Schlafmangel. Nicht nur konnten sie einen erhöhten Ghrelin-Wert bei den müden Probanden feststellen, sondern auch einen erhöhten Wert sogenannter Endocannabinoiden. Dabei handelt es sich um körpereigene Stoffe, die sich jedoch im Gehirn genauso verhalten wie Cannabinoide aus Cannabispflanzen. Die Rezeptoren, die durch diese Stoffe aktiviert werden, steigern den Appetit. Auch dies könnte erklären, warum müde Menschen mehr Hunger zu haben glauben.

Müde Menschen können Hunger schwer widerstehen

Hinzu kommt, dass die Willenskraft durch Schlafmangel gesenkt wird. Es fällt also schwerer, süßen und salzigen Snacks zu widerstehen, wenn man müde ist. Gleichzeitig ist der Antrieb reduziert, man bewegt sich demnach tendenziell weniger. Wer schlank werden und/oder bleiben möchte, sollte daher möglichst genug schlafen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

GS
Autor/-in
Gisèle Schneider
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