Trypophobie: Angst vor Löchern - Krankheit oder Internet-Trend?
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Trypophobie: Angst vor Löchern - Krankheit oder Internet-Trend?

Erst seit Kurzem wird Trypophobie als Krankheit betrachtet: Die Abneigung gegen Löcher bis hin zum Ekel samt körperlichen Empfindungen wird vor allem im Internet heiß diskutiert. Handelt es sich nur um einen Trend oder steckt mehr dahinter?

Trypophobie: Was ist die Angst vor Löchern?

Die Bezeichnung Trypophobie kommt aus dem Griechischen und bedeutet “Angst vor Löchern”. Laut einer Studie der University of Essex finden rund 18 Prozent der Frauen und etwa elf Prozent der Männer es unangenehm, wenn sie bestimmte löchrige Strukturen betrachten. Ihre Reaktionen umfassen:

  • Ekel
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Juckreiz
  • Angstzustände

Im ersten Moment beim Blick auf ein entsprechendes Bild zucken die Betroffenen zurück und wenden sich rasch ab.

Der medizinische Name für die Angst vor Löchern ist zwar neu, doch das Phänomen ist durchaus schon länger bekannt, wenn auch nicht als eigenständige Krankheit.

Ursache der Angst vor Löchern: Ekel als Urinstinkt?

Häufig, wenn wir Ekel empfinden, versuchen unsere Sinne uns vor etwas zu warnen, das schädlich für uns ist. Wissenschaftler verweisen auf giftige Tiere, die eine auffällige Färbung mit sich bringen, um ihren potenziellen Angreifern die Gefahr zu signalisieren. Einige von ihnen sehen dank dieser Färbungen aus, als wiesen sie Löcher auf.

Auch Krankheiten wie Pocken oder Masern erinnern optisch an Löcher. Hier wissen wir instinktiv, dass wir uns besser fernhalten sollten, um uns nicht anzustecken. Und schlussendlich weisen löchrige Strukturen häufig auf einen Defekt hin, also auch auf etwas Negatives, das uns am besten nicht selbst betreffen sollte. So betrachtet, wäre die Angst vor Löchern keine Krankheit, sondern ein Warnsystem.

Wie ist das Leben mit Angst vor Löchern?

Ob nun Hype oder Krankheit: Für die Betroffenen ist die Angst vor Löchern unangenehm – ganz egal, ob sie gerade im Trend liegt oder nicht. Wie die meisten Phobien ist die Angst vor Löchern aber nicht weiter gefährlich: Wer bestimmte Bilder nicht gut sehen kann, schaut sie sich einfach nicht an. Lotussamenkapseln, Honigwaben und Luftschokolade kann man im Alltag leicht ausweichen. Ein bisschen schwieriger wird es schon bei der artverwandten Koumpounophobie, der Angst vor Knöpfen.

Hype um die Angst vor Löchern

Die Allgegenwart der Beispielbilder und des Themas im Netz lässt die Zahl von Personen mit Angst vor Löchern ansteigen. Wo man sich ausgiebig über ein bestimmtes Thema austauscht, fühlen sich auch mehr Leute betroffen als zuvor.

Zeigt man zum Beispiel eines der stark wirkenden Bilder einer Person und fragt sie, ob sie sich nicht kratzen möchte, kann diese tatsächlich das Bedürfnis haben – wenn auch nicht zwingend des Bildes wegen: Eigentlich spüren wir unsere Haut immer, nur filtert das Gehirn diese Information im Normalfall heraus. Werden wir zwischendurch aktiv daran erinnert, juckt oder pikst es leicht einmal. Mit den Bildern muss das in diesem Moment nicht zusammenhängen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SM
Autor/-in
Sascha Müller
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