Tampon vergessen: Ab wann droht ein Toxisches Schocksyndrom?
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Tampon vergessen: Ab wann droht ein Toxisches Schocksyndrom?

Wenn Tampons im Körper vergessen werden, kann es zu einer gefährlichen Infektion kommen. Informieren Sie sich hier, wie Sie ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) frühzeitig erkennen und was dagegen zu tun ist. Tampon vergessen: mögliche Folgen der Watte im Körper.

Tampon vergessen: Was passiert dann?

Im Alltagsstress kann es durchaus vorkommen, dass Frauen den Tampon vergessen und dieser länger in der Scheide verbleibt, als er sollte. Möglich ist auch, dass der alte Tampon vergessen und ein neuer in die Scheide eingeführt wird. Doch bleibt die mit Blut getränkte Watte zu lange im Körper, kann das kritisch werden.

In dem mit Blut vollgesogenen, vergessenen Tampon vermehren sich Bakterien, die sich natürlicherweise in der Vagina befinden. Dazu gehören die Bakterien Staphylococcus aureus und Streptokokkus pyogenes, die bei etwa einem Drittel aller Frauen in harmloser Anzahl in der Scheide zu finden sind.

Vergessener Tampon begünstigt Bakterienbildung

Wird der Tampon vergessen, kann es passieren, dass sich diese Bakterien im Übermaß vermehren und ein Gift produzieren, das zu einer gefährlichen Infektion führen kann: dem Toxischen Schocksyndrom, kurz TSS. Das Toxische Schocksyndrom in Folge eines vergessenen Tampons ist eine Vergiftung, die zwar selten ist, aber schwere Folgen nach sich zieht. Es führt zu Kreislauf- und Organversagen und kann im Extremfall sogar tödlich sein.

Tampon vergessen: Woran bemerkt man die alte Watte im Körper?

Wenn Sie vergessen haben, einen Tampon rechtzeitig zu entfernen, macht sich das zum Beispiel durch übelriechenden Ausfluss aus der Vagina, Unterleibsschmerzen oder Fieber bemerkbar. Auch das Gefühl einer trockenen, gereizten Scheide kann ein Hinweis sein. Sollte derartige Symptome während oder nach der Periode auftreten, sollten Sie unbedingt überprüfen, ob Sie einen Tampon vergessen haben. Das Risiko für das TSS steigt mit der länge des getragenen Tampons. Hersteller empfehlen, die Watte nicht länger als sechs, maximal acht Stunden im Körper zu tragen.

 Das toxische Schocksyndrom durch einen vergessenen Tampon macht sich unter anderem durch starke Unterleibsschmerzen bemerkbar.
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Das toxische Schocksyndrom durch einen vergessenen Tampon macht sich unter anderem durch starke Unterleibsschmerzen bemerkbar.

Tampon vergessen: Was tun?

Wenn Sie bemerken, dass Sie einen Tampon in der Scheide vergessen haben, entfernen Sie diesen sofort. Sollte sich das Rückholbändchen gelöst oder verhakt haben, können Sie versuchen, mit gewaschenen Fingern nach dem Tampon zu tasten. Dies ist oft im Sitzen oder Hocken einfacher. Wenn das nicht gelingt, muss Ihnen das nicht peinlich sein. Das kann durchaus vorkommen. Suchen Sie in diesem Fall unbedingt Ihren Frauenarzt auf, der den Tampon dann entfernt.

Die Symptome des Toxischen Schocksyndroms

Ein vergessener Tampon allein bedeutet noch nicht, dass es zum Toxisches Schocksyndrom kommt. Laut dem Berufsverband der Frauenärzte e.V. gehören plötzliche Kopfschmerzen, Schwindel, Blutdruckabfall sowie hohes Fieber und manchmal auch sonnenbrandähnlicher Hautausschlag zu den typischen TSS-Symptomen. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie diese Beschwerden bei sich beobachten. Zu den weiteren Symptome des Toxischen Schocksyndroms gehören:

  • Ohnmacht
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Muskelschmerzen
  • Herzrasen
  • Gerötete Schleimhäute

Wenn eines dieser Symptome ohne Erklärung während der Periode auftritt, besonders Fieber und Hautausschlag, sollten Sie Ihren Tampon sofort entfernen, selbst wenn dieser erst frisch eingesetzt wurde, und auch hier wieder überprüfen, ob es noch einen zweiten, älteren Tampon gibt. Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck und suchen Sie einen Arzt auf. Das Toxische Schocksyndrom kann durch die rechtzeitige Verabreichung von Antibiotika gut behandelt werden.

Wie kann man sich schützen?

Das Toxische Schocksyndrom kommt sehr selten vor. 2015 gab das Robert-Koch-Institut (RKI) drei bis sechs TSS-Fälle je 100.000 sexuell aktiven Frauen an. 92 Prozent der Fälle waren im Zusammenhang mit der Menstruation aufgetreten. Grundsätzlich ist es zur Vorbeugung völlig ausreichend, auf gute Intimpflege zu achten, besonders während der Menstruation. Verwenden Sie nach Möglichkeit den kleinsten Tampon für Ihre Blutungen, und wechseln Sie den Tampon so regelmäßig wie auf der Umverpackung empfohlen.

Generell gilt die Richtlinie, dass man Tampons nie länger als acht Stunden im Körper lassen sollte. Besonders wichtig ist es auch, vor und nach dem Wechseln die Hände sorgfältig zu waschen. Achten Sie zudem darauf, immer nur Tampons zu verwenden, deren Schutzfolie unbeschädigt ist..

 Um ein toxisches Schocksyndrom zu vermeiden, können Sie von Tampons auf Binden umsteigen.
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Um ein toxisches Schocksyndrom zu vermeiden, können Sie von Tampons auf Binden umsteigen.

Frauen, die bereits einmal ein Toxisches Schocksyndrom hatten, sollten vorsichtshalber keine Tampons mehr verwenden, sondern auf Binden umsteigen. In der Nacht empfiehlt es sich generell, lieber keine Tampons zu verwenden.

Tampon vergessen: So können Sie vorbeugen

Unter Stress ist es manchmal gar nicht so leicht, an den Tampon zu denken. Wer weiß, dass er vergesslich ist oder gerade viel um die Ohren hat, kann mit ein paar Tricks einem vergessenen Tampon vorbeugen:

  • Stellen Sie sich nach Einsetzen des Tampons eine Erinnerung in Ihrem Handy ein. Nach spätestens sechs Stunden sollte Ihr Wecker Sie an den Tamponwechsel erinnern.
  • Benutzen Sie an den schwächeren Tagen Binden und Slipeinlagen statt Tampons. Während sich an den stärkeren Tagen der volle Tampon meist von selbst bemerkbar macht, ist vor allem an den schwächeren Tagen das Risiko erhöht, den Tampon zu vergessen.
  • Manche Frauen führen auch das Rückholbändchen in die Scheide ein, um Peinlichkeiten beim Schwimmen oder in der Sauna aus dem Weg zu gehen. Wenn Sie wissen, dass sie eher der vergessliche Typ sind: Lassen Sie das Rückholbändchen draußen. Es erinnert Sie an Ihren Tampon.
  • Stecken Sie sich ein verpacktes "Erinnerungs-Tampon" in Ihre Geldbörse (das Sie natürlich nicht mehr verwenden). Wenn Sie irgendwo bezahlen, fällt Ihr Blick darauf und erinnert Sie an den anstehenden Tamponwechsel.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SH
Autor/-in
Svenja Hauke
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