Tabletten teilen, Kapseln öffnen: Das müssen Sie wissen
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Tabletten teilen, Kapseln öffnen: Das müssen Sie wissen

Ist es in der Packungsbeilage nicht ausdrücklich erlaubt, Tabletten zu teilen oder Kapseln zu öffnen, sollten Patienten dies nicht tun. Die gewünschte Wirkung des Medikaments ist dann nicht mehr gesichert – und Nebenwirkungen können verstärkt auftreten. Wann Sie Tabletten teilen und Kapseln öffnen dürfen und wie Sie dabei am besten vorgehen.

Tablette ist nicht gleich Tablette

Es gibt unterschiedliche Tabletten- und Kapsel-Arten:

  • Tabletten ohne Überzug: Die Tabletten bestehen aus fest zusammengepresstem Pulver oder Granulat. Wenn sie nicht mit einem Überzug versehen sind, haben sie meist eine matte Oberfläche und sind schwerer zu schlucken als Tabletten mit Überzug. Wichtig ist, ausreichend zu trinken, damit die Tabletten gut durch die Speiseröhre rutschen und sich gut auflösen können.
  • Überzogene Tabletten: Überzogene Tabletten wie Filmtabletten und Dragees sind mit einer Schicht überzogen, die die Wirkstoffe schützt. Überzogene Tabletten sollten nicht zerkleinert oder zerbissen werden, da der Schutz des Überzugs dann verloren geht. Überzogene Tabletten sind glatt, gefärbt und oft glänzend. Sie „rutschen“ beim Schlucken besser und sind geschmacksneutral.
  • Brausetabletten: Brausetabletten werden in einem Glas Wasser aufgelöst und dann getrunken. Daher eignen Sie sich besonders gut für Menschen mit Schluckproblemen. Da die Wirkstoffe gelöst sind, wirken Brausetabletten schneller als andere Tabletten.
  • Kau- und Lutschtabletten: Kau- und Lutschtabletten (Pastillen) werden gekaut oder gelutscht. Sie enthalten Wirkstoffe, die direkt im Hals-Rachen-Bereich wirken oder über die Mundschleimhaut aufgenommen werden sollen.
  • Schmelztabletten: Schmelztabletten, auch Buccal-Tabletten, lässt man unter der Zunge oder in der Wangentasche zergehen. Der Wirkstoff wird direkt über die Mundschleimhaut ins Blut aufgenommen und im Körper verteilt.
  • Hartkapseln: Hartkapseln bestehen meist aus zwei Gelatinehälften, die mit Pulver, Granulat, Pellets oder Flüssigkeiten gefüllt sind. Gelatinefreie Hartkapseln sind meist aus Cellulose hergestellt und für Vegetarier und Veganer geeignet.
  • Weichkapseln: Weichkapseln enthalten immer eine Flüssigkeit und sind aus einem „Guss“. Sie können nicht geteilt werden. 

Nicht jede Tablette darf man teilen

Teilen oder öffnen Sie Medikamente nur dann, wenn diese dafür geeignet sind. Ob man eine Tablette teilen oder eine Kapsel öffnen darf oder nicht, erfragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker. Oftmals sind entsprechende Angaben in der Packungsbeilage zu finden – sie sind aber keine Pflicht.

Viele Tabletten und Kapseln müssen als Ganzes geschluckt werden. Hierfür gibt es verschiedene Gründe:

  • Der Überzug der Tabletten oder die Kapselhülle dient als Schutz vor Magensäure.
  • Der Überzug der Tablette oder die Kapselhülle dient als Schutz vor Sauerstoff, Feuchtigkeit oder Licht.
  • Der Überzug der Tablette oder die Kapselhülle dient als Schutz vor Keimen.
  • Der Überzug der Tablette oder die Kapselhülle schützt die Magenschleimhaut vor dem Wirkstoff.
  • Die Tablette oder die Kapsel soll ihre Wirkung über den Tag hinweg entfalten (Retard-Tabletten).
  • Möglich ist zudem, dass unter Umständen Bruchstaub entsteht, der giftig sein kann, wenn er eingeatmet wird.
Tabletten mit "Schmuckkerbe"

Achtung: Selbst vermeintlich leicht teilbare Tabletten mit einer Kerbe dürfen nicht immer geteilt werden. In manchen Fällen handelt es sich nur um eine irreführende "Schmuckkerbe".

Tabletten teilen – so funktioniert´s

Halbiert man Tabletten mit der Hand oder mit einem Messer, kann es sein, dass die beiden Teile unterschiedlich groß sind oder kleine Teile absplittern. Am einfachsten lassen sich Tabletten mit Hilfe eines Tablettenteilers halbieren. 

Tablettenteiler sind in der Apotheke erhältlich.
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Tablettenteiler sind in der Apotheke erhältlich.

Tabletten teilen mit dem Messer

Möchten Sie ein Messer verwenden, um die Tablette zu teilen,

  • nutzen Sie kein spitzes Messer,
  • legen Sie die Tablette auf eine weiche Unterlage,
  • üben Sie auf beiden Seiten des Messers gleichmäßig Druck aus,
  • reinigen Sie das Messer anschließend gründlich.

Tabletten teilen mit den Fingern

Möchten Sie mit den Fingern die Tablette teilen, ist die Technik abhängig von der Art der Tablette.

  • Gewölbte Tabletten legen Sie mit der Bruchkerbe nach oben auf die Tischplatte und drücken mit dem Zeigefinger von oben darauf.
  • Flache Tabletten legen Sie mit der Bruchkerbe nach unten auf den Tisch und drücken von oben darauf.
  • Tabletten mit kleiner Bruchkerbe halbieren Sie mit beiden Händen. Nehmen Sie die Hälften jeweils zwischen Daumen und Zeigefinger und brechen Sie die Tablette durch.

Tabletten zermahlen: Finger weg vom Küchen-Mörser

Manche Tabletten dürfen zermahlen werden. Auch diese Tablettenzerkleinerer können Sie in der Apotheke bekommen. Nutzen Sie auf keinen Fall den Mörser aus Ihrer Küche. Nicht nur, dass ein Großteil der Tablette an Mörser und Gefäß hängen bleibt. Ohne gründliche Reinigung laufen Sie Gefahr, dass Teile des Medikaments beim nächsten Kochen ins Essen gelangen.

Tabletten nicht auf Vorrat teilen!

Teilen oder zermahlen Sie Tabletten nie auf Vorrat. Die Wirkstoffe sind dann Sauerstoff, Licht und Feuchtigkeit ausgesetzt. Das kann die Wirkung stark beeinflussen, beziehungsweise das Medikament wirkungslos machen. Nach dem Zermahlen sollte die Tablette direkt eingenommen werden.

Kapseln öffnen: Darauf kommt es an

Manchmal werden Kapseln geöffnet, etwa um das enthaltene Pulver ins Essen zu rühren oder in Wasser aufzulösen zum Trinken. Haben Sie die Zustimmung vom Apotheker, dass Sie die Kapsel öffnen dürfen, gehen Sie am besten wie folgt vor: Drehen Sie die beiden Hälften vorsichtig in die entgegengesetzte Richtung und ziehen Sie sie vorsichtig auseinander. Üben Sie so wenig Druck wie möglich auf die Kapselhülle aus, um das Wirkstoffpulver nicht unnötig zu zerdrücken. Kapseln mit flüssigem Wirkstoff dürfen Sie nicht teilen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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