Schwangerschaftsneurodermitis: Atopische Schwangerschaftsdermatose
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Schwangerschaftsneurodermitis: Atopische Schwangerschaftsdermatose

In der Schwangerschaft ist der Körper intensiven Belastungen ausgesetzt, die zu tiefgreifenden Veränderungen führen, damit das Wunder, neues Leben zu gebären, passieren kann. Diese Veränderungen können jedoch auch zu Beschwerden führen und sich durch die komplexe Symptomatik einer Schwangerschaftsneurodermitis zeigen. In Fachkreisen wird die Neurodermitis in der Schwangerschaft auch als atopische Schwangerschaftsdermatose bezeichnet. 

Was ist eine Schwangerschaftsneurodermitis?

Ebenso wie die klassische Neurodermitis zeigt sich die Schwangerschaftsneurodermitis durch Symptome wie flächige, trockene Hautstellen, die zu Schuppenbildung, Juckreiz und Entzündungen der Haut führen können. Sie entsteht aufgrund unterschiedlicher Ursachen, bei denen eine genetische Neigung zu atopischen Erkrankungen (Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma Bronchiale) mit individuellen Reizauslösern zusammen kommen.

Die Schwangerschaftsneurodermitis hat ihre Ursachen meist in den komplexen Veränderungen im Hormonhaushalt. Zumeist tritt die Schwangerschaftsneurodermitis ab der 13./14. Schwangerschaftswoche und somit ab dem zweiten, mitunter auch erst im letzten Drittel der Schwangerschaft auf.

Genetische Vorbelastung 

Durch die genetische Vorbelastung ist das körpereigene Abwehrsystem leichter zu irritieren oder generell geschwächt. Die Schwangerschaft kann sowohl den Erstausbruch eines Neurodermitis-Schubes hervorrufen als auch zuvor bestehende Symptome einer atopischen Erkrankung verstärken.Typische Anzeichen einer Schwangerschaftsneurodermitis zeigen sich durch: 

- trockene Haut und Juckreiz

- großflächige Rötungen und Reizungen im Bereich von Gesicht, Hals und Dekolleté

- trockene und gereizte Hautstellen im Bereich von Ellenbeugen und Kniekehlen sowie an anderen Gelenken

- juckende Knötchen am Oberkörper und den Extremitäten- schuppige Hautstellen mit nässenden Ekzemen

Die Ausprägung kann bei Betroffenen sehr unterschiedlich sein. So können die Flächen mit Knötchenbildung sehr klein sein, mitunter jedoch den ganzen Oberkörper bedecken. Gemeinsam ist allen Betroffenen jedoch die auffallend trockene Haut und der Juckreiz, der ohne entsprechende Pflege zu Rötungen, Reizungen bis hin zum Aufplatzen der Haut mit Ekzembildung führt. Wenngleich die Chance des Abklingens der Neurodermitis nach der Schwangerschaft sehr hoch ist, wird eine weitere Schwangerschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erneuten Ausbruch der Schwangerschaftsneurodermitis mit sich bringen.

Sorge als Mutter: Gefährdet die Schwangerschaftsneurodermitis das Kind?

Die größte Sorge einer werdenden Mutter dreht sich in der Regel um die Gesundheit des Kindes. Die Schwangerschaftsneurodermitis und ihre Symptome sind da keine Ausnahme. Doch die Sorge ist unbegründet. Wenngleich die Symptomatik für die Mutter äußerst unangenehm sein kann, sind Fachärzten dadurch keine Gefahren für das ungeborene Baby bekannt.

Lediglich der Umstand, dass die Veranlagung zu atopischen Erkrankungen vererbt wird, ist ein Aspekt, der Berücksichtigung finden sollte: Als zur Risikosenkung beitragend gelten das Stillen (möglichst mindestens vier Monate oder länger), die Vermeidung von Rauchen/Passivrauchen sowie der Verzicht auf Produkte und Nahrungsmittel mit potenziellen Allergenen - sowohl in der Schwangerschaft als auch nach der Geburt. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung wird dabei vorausgesetzt.

Behandlung mit einfachen Mitteln schafft Linderung bei Schwangerschaftsneurodermitis

Meist lässt sich die Schwangerschaftsneurodermitis durch Behandlung mit einfachen Mitteln mildern. Rückfettende Cremes helfen morgens und abends aufgetragen, die trockene Haut zu pflegen und somit den Juckreiz deutlich zu lindern. Kurzes Duschen statt langen Bädern helfen ebenfalls die Haut zu pflegen. Förderlich ist ein sanftes Trocken-Tupfen der Haut gegenüber einem kräftigen Rubbeln. Wird der Juckreiz dennoch zu stark, können kühlende Umschläge erfrischende Linderung bringen.

Kortison-Präparate als letztes Mittel bei Schwangerschaftsneurodermitis

Sollten alle Maßnahmen ohne Erfolg bleiben, kann der Arzt weiterhelfen: Er kann rückfettende Cremes mit harnstoffhaltigen Inhaltsstoffen empfehlen oder nach Abwägung von Nutzen und Risiken ein mildes Kortison-Präparat, alternativ ein Antihistamin (Antiallergikum), verschreiben. Mitunter kann in der Schwangerschaftsneurodermitis-Behandlung auch eine Lichttherapie sinnvoll sein, bei der die betroffenen Hautstellen mit UV-Licht schonend beschienen werden.

Selbstfürsorge und gute Pflege bei Schwangerschaftsneurodermitis

Die Ursachen einer Schwangerschaftsneurodermitis finden sich meist in den gleichen Bereichen wie andere atopische Erkrankungen. Hinzu kommen die hormonellen Veränderungen, die den weiblichen Körper während dieser aufregenden Zeit strapazieren. Stress im positiven wie im negativen Sinn gilt jedoch als einer der maßgeblichen Auslöser für einen Neurodermitisschub. Haben Sie die genetische Veranlagung für eine atopische Erkrankung geerbt, sollten Sie schon vor dem Ausbruch einer Schwangerschaftsneurodermitis gut auf sich und ihren Körper achten.

Ruhezeiten sorgen für Ausgleich 

Legen Sie regelmäßige Ruhezeiten ein und sorgen Sie für einen guten Ausgleich gegenüber anspruchsvollen Belastungen. Vermeiden Sie trockene Haut durch gute Pflege, nutzen Sie milde, rückfettende Produkte für die Hautpflege und sprechen Sie bereits bei den ersten Anzeichen einer Schwangerschaftsneurodermitis mit dem Arzt Ihres Vertrauens, um den Ausbruch der typischen Symptome wie Juckreiz und Ekzembildung frühestmöglich abzumildern.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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