Psychopathie im Job: Was tun, wenn der Chef ein Psychopath ist?
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Psychopathie im Job: Was tun, wenn der Chef ein Psychopath ist?

Im Gegensatz zu Soziopathen sind Psychopathen im Alltag funktional - und zeigen in der Berufswelt vielfältig geschätzte Eigenschaften, die ihnen im Rahmen von Konkurrenzkampf und Ellenbogengesellschaft die Karriereleiter empor helfen. Doch was ist, wenn man selbst mit einem Psychopathen zusammenarbeiten muss?

Von "schwierigen" Kollegen und skrupellosen Chefs

Charismatisch, eloquent, selbstbewusst und entscheidungsfreudig beschreiben Außenstehende viele Kontakte Mitmenschen, die sich beim näheren Hinsehen und in der engeren Zusammenarbeit jedoch als Psychopathen entpuppen. Der Psychopath ist selbstverliebt, geltungsbedürftig, manipulativ und häufig auch charmant, wenn er damit ein Ziel zu erreichen glaubt. Mitunter zeigt er sich disziplinlos und offen, während er im nächsten Moment cholerisch auftritt oder Mitarbeiter schikaniert. Wenn ein Kollege oder gar der Chef mit psychopathischen Verhaltensweisen auffällt, gilt es, eine individuelle Mischung aus persönlicher Distanz und Selbstschutz zu kreieren.

Gerade in Führungspositionen und Chefetagen sind Psychopathen vergleichsweise oft anzutreffen. Mit impulsiven und zielgerichteten Vorgaben nehmen sie gerne das Ruder in die Hand und übernehmen - mitunter fast schon freudig - unangenehme Aufgaben wie Zurechtweisungen und Verteilung von Arbeitsaufträgen, deren Lohn sie gerne einstreichen, während sie unzureichende Ergebnisse nach unten abschieben. Forscher wie Prof. Gerhard Roth von der Universität Bremen sind sicher, dass mindestens jede 10. Führungskraft in Deutschland psychopathische Züge hat. 

Wie sollte ich mich gegenüber Psychopathen im Arbeitsalltag verhalten?

Früher oder später dürfte wohl jeder auf einem Kollegen oder einen Vorgesetzten treffen, der Anzeichen von Psychopathie zeigt. Für die eigene Gesundheit wäre es das Beste, den Kontakt zu vermeiden, was jedoch im Berufsleben nicht immer möglich ist. 

Abstand halten und Distanz wahren

Im Arbeitsalltag mit einem Psychopathen sollten Sie unbedingt eine gesunde Distanz wahren. Beschränken Sie den Kontakt auf ein Minimum, bleiben Sie dabei höflich und respektvoll und verzichten Sie auf gemeinsame Mittagspausen und Freizeitgestaltungen nach Feierabend. 

Persönliche Angriffsflächen vermeiden

Die gewahrte Distanz schützt Sie davor, zum Opfer des Psychopathen zu werden. Lassen Sie sich von charmanten Gesten und Smalltalk nicht zur Preisgabe privater Informationen verleiten. Rechnen Sie damit, dass alle Informationen, die der Psychopath über sie erhält, zum Druckmittel und Manipulationsinstrument werden können. Erkannte Schwächen wird ein psychopathischer Mensch regelmäßig ausnutzen, um seine Ziele zu erreichen oder sie in "Spielchen" gegenüber anderen einzusetzen.

Sachliche Kompetenzebene suchen

Ein Psychopath ist meist ein notorischer Lügner. Er dreht sich die Wahrheit, wie er sie braucht, und wird Schuld immer unterschwellig auf andere Abwälzen. Kommunizieren Sie mit ihm daher bei kooperativen Arbeiten immer schriftlich, um eine handfeste Beweiskette zu Absprachen und Arbeitsabläufen zu haben. Diskussionen mit einem Psychopathen haben kaum Sinn, da sie mit ihrer Eloquenz darauf abzielen, Sie letztlich in Selbstzweifel und Unsicherheit zu führen.

Hilfestellung und Verbündete suchen

Ein Psychopath kann ein funktionierendes Team mit wenigen Einflüssen zerstören. Durch die Manipulationsfähigkeit, die oft subtilen Schikanen und das schnelle Erkennen von Schwächen kombinieren sich mit fehlender Empathie, mangelnden Schuldgefühlen und Skrupellosigkeit. So kann ein psychopathischer Mensch Kollegen und Mitarbeiter fertig machen. Suchen Sie sich Hilfestellung bei vertrauten Kollegen, guten Vorgesetzten und notfalls beim Betriebsrat. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, dürften Sie nicht alleine unter den Ausprägungen des psychopathischen Verhaltens leiden. Gemeinsam können Kollegen oft etwas gegen den Psychopathen unternehmen. 

Keine falsche Scham oder fehlgeleitetes "Zusammenreißen"

Ist der Chef ein Psychopath oder Sie in Ihrem Empfinden zur Zusammenarbeit alleine, scheuen Sie sich nicht, ihre Meinung dennoch zu vertreten. Wird Hilfestellung unmöglich oder abgelehnt, sollten Sie letztlich darauf verzichten, sich weiterhin zusammen zu reißen, um Ihren guten Ruf zu wahren.

Die Arbeit mit einem Psychopathen, der Sie zu seiner "Zielscheibe" erkoren hat, kann nicht nur äußerst belastend, sondern letztlich sogar gesundheitsgefährdend sein. Achten Sie auf Anzeichen wie Bauchschmerzen und Übelkeit beim Gedanken an die Arbeit, schlechten Schlaf und Sorgen. Reagieren Sie zügig auf die Einflüsse des Psychopathen auf Ihr Arbeits- und Alltagsleben - notfalls mit Bewerbungen an andere Firmen für einen zeitnahen Arbeitsplatzwechsel.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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