Medikamente richtig einnehmen •

Nebenwirkungen? Nicht ohne den Arzt Medikamente absetzen

Medikamente einfach absetzen oder die Dosierung eigenmächtig anpassen? Unter Patienten ist das keine Seltenheit. Doch für die Gesundheit kann das Folgen haben. Warum Sie den Medikamentenplan nie ohne Absprache mit Ihrem Arzt verändern sollten.

Nebenwirkungen im Alter häufiger

Nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten e.V. (BDI) werden mehr als die Hälfte der Arzneimittel Menschen über 65 Jahren verschrieben. Der Grund: Im Alter nehmen Erkrankungen zu – viele davon sind chronisch. Oftmals müssen daher verschiedene Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. So addieren sich nicht nur die Wirkstoffe, sondern auch mögliche Neben- und Wechselwirkungen. Hinzu kommt, dass der reife Körper oftmals sensibler auf Medikamente reagiert.

"Medikamente wirken aufgrund altersbedingter körperlicher Veränderungen im Alter anders als in jungen Jahren. So wirken manche Beruhigungsmittel auf ältere Menschen wie Aufputschmittel. Schuld daran scheint eine veränderte Empfindlichkeit bestimmter Rezeptorzellen im Gehirn zu sein. Außerdem verbleiben manche Medikamente aufgrund abnehmender Leber- und Nierenfunktion länger im Körper. Verstärkt werden kann dieser Effekt zum Beispiel durch eine Herzschwäche. Da im Alter zudem der Fettanteil im Körpergewebe zu- und der Wasseranteil abnimmt, können fettlösliche Wirkstoffe stärker, wasserlösliche weniger wirksam sein als bei einem jüngeren Menschen."

Internisten im Netz

Medikament absetzen wegen Nebenwirkungen? Besser nicht!

Viele Patienten und Patientinnen sind von den Nebenwirkungen frustriert und passen die Dosierung nach eigenem Ermessen an – oder setzen das Präparat komplett ab. Doch nicht nur ältere Menschen neigen dazu, den Medikationsplan zu verändern. Auch junge Menschen nehmen Präparate oft nicht nach Anweisung des Arztes ein. Manchen setzt die Wirkung nicht rasch genug ein, andere möchten Nebenwirkungen vermeiden, vertrauen dem Wirkstoff generell nicht oder fühlen sich schon so gesund, dass sie denken, keine Arznei mehr zu brauchen. Die Gründe sind vielfältig. Doch bei manchen Medikamenten kann das gefährlich werden. Vor allem, wenn sie regelmäßig angewendet werden.

ASS plötzlich absetzen

Setzen ältere Menschen den Wirkstoff ASS (Acetylsalicylsäure) ohne Rücksprache mit ihrem Arzt ab, kann ein Schlaganfall drohen, warnen die Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diese Medikamente sollten Sie nicht plötzlich absetzen

Nicht nur Medikamente für das Herz-Kreislauf-System dürfen Sie nicht einfach absetzen. Auch Kortison müssen Sie langsam ausschleichen, ebenso Antidepressiva.

Ein paar Beispiele:

  • Bluthochdruckmittel: Plötzlich abgesetzt kann der Blutdruck sprunghaft ansteigen und im schlimmsten Fall zum Schlaganfall führen.
  • Säureblocker für den Magen: Sollten Sie immer ausschleichen, also Stück für Stück absetzen. Sonst kann es passieren, dass der Rebound-Effekt auftritt. Die Magensäureproduktion schießt in die Höhe.
  • Antidepressiva: Zu früh abgesetzt können Depressionen und Angststörungen verstärkt zurückkommen. Das Medikament muss unter ärztlicher Beobachtung langsam abgesetzt werden.
  • Kortison: Wird Kortison länger als 14 Tage eingenommen, reduzieren die Nebennieren die Bildung des Hormons. Fällt dann das Medikament plötzlich weg, droht eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung (Addison-Krise), weil die Nebennieren nicht mehr arbeiten.
  • Antibiotika: Müssen Sie entsprechend der Einnahmeempfehlung anwenden, sonst droht nicht nur eine Verschlimmerung der Beschwerden, sondern auch die Bildung von Resistenzen wird gefördert.

Nebenwirkungen: Ein anderes Präparat ist oft die Lösung

Wer mit seinem Arzt über Nebenwirkungen spricht, kann gesundheitliche Risiken minimieren. Setzen Sie das Medikament nicht einfach ab, sondern besprechen Sie mit Ihrem Arzt alternative Möglichkeiten. Oftmals kann die Dosierung angepasst oder das Präparat gewechselt werden. Was viele nicht wissen: Wird ein Medikament abgesetzt, kann das auch Auswirkungen auf die Wirkung anderer Präparate haben. Je mehr Medikamente eingenommen werden müssen, desto komplexer können die Zusammenhänge sein.

Nebenwirkungen melden: wichtig auch für andere Betroffene

Doch nicht nur für Sie selbst ist es wichtig, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen anzusprechen. Für den Arzt ist es wichtig zu erfahren, welche unerwünschten Wirkungen seine Patienten bei sich beobachten. Stehen diese nicht im Beipackzettel, sollten sie immer dem Hersteller gemeldet werden. Das hilft auch anderen Betroffenen.

Nebenwirkungen bekannt machen

Auch Sie als Patient dürfen Informationen im Hinblick auf seltene, bislang unbekannte Nebenwirkungen eines Medikamentes bekanntmachen. Zum Beispiel hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hierfür ein Formular entwickelt, über das Sie einen Verdachtsfall online melden können: Nebenwirkungsmeldung durch Bürger und Patienten.

 

Auch in der Packungsbeilage finden Sie Kontaktmöglichkeiten, wenn Sie Nebenwirkungen bei sich beobachten.

Unverträglichkeiten: Nebenwirkungen im Vorhinein beachten

Medikamente können Zusatzstoffe enthalten. Häufig finden sich versteckte Zucker wie Laktose oder Spuren von Getreide oder Gelatine. Diabetiker oder Allergiker sollten sich daher immer nach den vollständigen Bestandteilen von Medikamenten erkundigen, um allergische Reaktionen oder zusätzliche Beschwerden zu vermeiden. Und ihren Arzt über Unverträglichkeiten informieren.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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