Ist Rotwein gesund? Der Mythos vom lebensverlängernden Glas Wein
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Ist Rotwein gesund? Der Mythos vom lebensverlängernden Glas Wein

Viele Mediziner sind überzeugt, dass Rotwein gesund ist. Der rote Rebensaft habe seine gesundheitsfördernden Eigenschaften bereits in mehreren Studien bewiesen. Doch es gibt auch Widerspruch. Hier erfahren Sie den Unterschied zwischen Fakten und Mythen.


Studien bestätigen: Rotwein ist gesund


Dass Rotwein gesund ist – diese Meldung ging schon häufig durch die Medien. Ein regelmäßiges Gläschen, in Maßen genossen, beuge Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, so die weitverbreitete Meinung. Es sei hilfreich bei Bluthochdruck, Diabetes, schütze gegen Demenz und sogar Krebs. Und stets gibt es eine aktuelle medizinische Untersuchung, die die These vom gesunden Rotwein untermauert.


So hatte zum Beispiel eine kanadische Studie 2015 für Aufregung gesorgt. Forscher der Universität Alberta hatten bei Experimenten mit Ratten herausgefunden, dass ein Glas Rotwein so gut sei wie eine Stunde Fitnesstraining. Das läge am Resveratrol, einem Inhaltsstoff des Rotweins, der dieselben Auswirkungen hervorrufe wie die Übungen im Fitnessstudio.


Wissenschaftler der Harvard University belegten, dass Resveratrol den Eiweißstoff Sirtuin aktiviere. Dieser könne Krebs und einem Herzinfarkt vorbeugen. Forscher aus Mainz entdeckten, dass Resveratrol entzündungshemmende Wirkung habe, was wiederum das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall minimiere. Und eine Meta-Analyse der Universität Calgary, die 84 Studien aus aller Welt verglich, stellte fest: Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, liegt bei Abstinenzlern um 25 Prozent höher als bei jenen, die mäßig Alkohol trinken.


Rotwein gesund? Einspruch!


Alle diese Erkenntnisse ließen sich aber nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen, widersprechen Wissenschaftler. Niemand wisse zum Beispiel, inwieweit die Inhaltsstoffe des Rotweins im Körper verändert würden. Und auch die Zweifler können belastbare Zahlen vorlegen. Ein US-Forscherteam der John Hopkins University in Baltimore zum Beispiel habe eine Langzeitstudie mit rund 800 Frauen und Männern aus Italien durchgeführt, die beim Start der Beobachtung alle jeweils 64 Jahre alt waren. Neun Jahre später war ein Drittel von ihnen verstorben. Ergebnis: Zwar war der Anteil der Raucher überdurchschnittlich hoch, der Resveratrol-Wert aber bei Verstorbenen wie bei Lebenden gleich.


Gesund auch ohne Rotwein


Warum Rotwein – ungeachtet aller Studien – dennoch als gesund gilt, hängt womöglich mit dem Lebensstil zusammen. Wer regelmäßig und maßvoll Wein trinkt, ist ein Genießer, der sich auch mal eine Auszeit gönnt. Weintrinker sind zudem häufig besser situiert. Weintrinkernationen wie Italien und Frankreich ernähren sich außerdem von einer Mittelmeerküche mit viel Fisch und frischem Gemüse. Das sind alles Faktoren, die die Gesundheit steigern – auch ohne ein Glas Wein.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Gisèle Schneider
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