So stabilisiert der Herzschrittmacher den Herzrhythmus
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So stabilisiert der Herzschrittmacher den Herzrhythmus

Das Herz ist ein Motor, von dem sich so manches technische Gerät eine Scheibe abschneiden kann: Es funktioniert 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, ohne eine einzige Pause und das ein Leben lang. Trotzdem kann diese einzigartige Muskelpumpe Probleme bekommen: Gerät sie aus dem Takt oder kommt sie aus der Puste, sorgt ein Herzschrittmacher für Abhilfe.

Das Herz braucht kein Gehirn

Ein funktionierendes Herz ist für den Menschen überlebenswichtig. Nur dank seiner unermüdlichen Arbeit gelangen Sauerstoff und Nährstoffe zu allen Zellen des Körpers. Daher führt ein Herzstillstand zu irreversiblen Schäden im Gehirn. Erfolgt nicht schnellstens eine Herzdruckmassage, ist der Sauerstoffmangel nach wenigen Minuten tödlich.

Das Herz ist so wichtig, dass es unabhängig von der Steuerung durch das Gehirn funktioniert. Es besitzt ein eigenes (autonomes) System aus Zellen, das für die Erregungsbildung und Erregungsleitung im Herzmuskel zuständig ist. 

Diese Selbstständigkeit ist den Herzmuskelzellen in die Wiege gelegt. Schaut man sich isolierte Kardiozyten unter dem Mikroskop an, bewegen sie sich - fernab von einem Gehirn. Nicht nur das: Haben die Zellen Kontakt miteinander, koordinieren sie ihre Kontraktionen. Im Herzmuskel ist das nicht anders. Ein isoliertes Spenderherz arbeitet eine ganze Weile weiter, bis ihm die Energie ausgeht.

Spezialisierte Zellen sorgen für die Herztätigkeit

Einige Herzmuskelzellen können mehr als nur pumpen und bilden herzeigene Schrittmacher. Diese erzeugen Impulse, die sich über ein System von Leitungsbahnen ausbreiten und bis in die Herzspitze gelangen. Dadurch kontrahieren alle Herzzellen der Vorkammern und alle Zellen der Hauptkammern gemeinsam und in der richtigen Reihenfolge.

Arbeitet der übergeordnete Schrittmacher nicht mehr richtig, springen nachgeschaltete Zellen ein und sorgen dafür, dass das Herz weiterschlägt. Dadurch ist die Herztätigkeit mehrfach gesichert.

Der Sinusknoten als primärer Schrittmacher

Als Hauptverantwortlicher agiert der Sinusknoten. Seinen Namen hat er von der Lage im Herzsinus des rechten Vorhofes, in den die beiden Hohlvenen einmünden. Er feuert mit 60 bis 80 Signalen pro Minute und erzeugt den normalen Herzschlag. Das vegetative Nervensystem sagt ihm Bescheid, ob er schneller oder langsamer arbeiten soll. Stimmt die Kommunikation nicht, kommt es zu Herzrhythmusstörungen und ähnlichem.

Sicher ist sicher!

Die Erregungen des Sinusknotens gelangen zum sekundären Schrittmacher, dem Atrioventrikular (AV)-Knoten. Dieser sitzt zwischen rechtem Vorhof (Atrium) und rechter Hauptkammer (Ventrikel). Bei einem Sinusblock übernimmt er die Erregungsbildung und gibt 40- bis 50-mal pro Minute einen Impuls.

Fällt auch der Atrioventrikular-Knoten aus, spricht man von einem AV-Block. Dann sorgt das His-Bündel zwischen den beiden Hauptkammern als tertiärer Schrittmacher notfallmäßig für 20 bis 30 Herzschläge pro Minute.

Die verbleibenden 20 bis 30 Herzschläge machen einen AV-Block bereits kritisch. Funktioniert das System der drei Schrittmacher-Instanzen nicht mehr ausreichend, wird der Sauerstoffmangel schnell lebensbedrohlich. Dann sorgt ein künstlicher Herzschrittmacher für Abhilfe.

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Herzschrittmacher sind implantierbare Impulsgeber, die so groß wie eine Streichholzschachtel oder Uhr sind. In ihrem Inneren ist ein Mikrochip-Schaltkreis verbaut, der seinen Strom von einer langlebigen Batterie erhält. Er lässt sich mit einer Reihe von Funktionen programmieren, welche die Herztätigkeit überwachen und bei Bedarf elektrische Impulse aussenden. Über kleine Elektroden gelangen diese zu den Herzmuskelzellen und veranlassen sie zur Kontraktion.

Moderne Herzschrittmacher lassen sich sogar mit einem eingebauten Defibrillator versehen. Droht das Herz aus dem Takt zu geraten, sorgt ein kurzer Stromstoß für einen Reset und beseitigt die Herzrhythmusstörungen.

Wie wird ein Herzschrittmacher eingebaut?

Die Implantation eines Herzschrittmachers ist heutzutage Standard und wenig aufwendig. Dazu macht der Chirurg einen kleinen Schnitt in eine oberflächliche Vene am Oberarm oder hinter dem Schlüsselbein. Unter Röntgenbeobachtung schiebt er die Elektroden bis ins Herz vor und verankert sie mit Ankern, Schrauben oder Spiralen in der Hauptkammer oder in Hauptkammer und Vorhof der rechten Herzhälfte. Das Steuergerät steckt er in eine kleine Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins und schließt die Elektroden daran an. Nach einem Funktionstest wird die Tasche vernäht.

Meistens nimmt man die Implantation eines Herzschrittmachers in Lokalanästhesie vor. Sie dauert etwa eine Stunde, und bereits kurze Zeit nach der OP kann der Patient aufstehen und herumlaufen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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