Behandlung von Herzrhythmusstörungen: Beseitigung der Ursache ist lebenswichtig
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Behandlung von Herzrhythmusstörungen: Beseitigung der Ursache ist lebenswichtig

Nicht immer sind Herzrhythmusstörungen behandlungsbedürftig. Bedrohlich werden sie erst, wenn man regelmäßig damit zu kämpfen hat oder die Schlagfolge jenseits von Gut und Böse liegt. Abgesehen davon kann man mit gesunder Lebensweise und Stressabbau selber etwas dagegen ausrichten. In hartnäckigeren Fälle ist die Behandlung mit Medikamenten angesagt. Sollten diese nicht ausreichen, helfen ein Herzschrittmacher oder eine Katheterablation.

Wie hoch darf der Herzschlag sein?

Bei einem gesunden Menschen schlägt das Herz regelmäßig und mit einem Herzrhythmus von 60 bis 90 Schlägen pro Minute. Nachts sinkt der Herzschlag auf 40 bis 50 Schläge ab. Bei körperlicher Betätigung steigt die Herzfrequenz auf bis zu knapp 200 Kontraktionen an.

Ist die Schlagfolge nur ausnahmsweise unregelmäßig und der Puls nur gelegentlich sehr hoch oder sehr niedrig, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Das ist völlig normal und kein Hinweis auf eine Erkrankung. Zudem beeinflusst Stress den Herzrhythmus über das vegetative Nervensystem. Dieses gibt dem Herzen jederzeit Bescheid, wie viel es zu leisten hat.

Wann müssen Herzrhythmusstörungen behandelt werden?

Von einer Erkrankung muss man ausgehen, wenn der Herzschlag plötzlich und unvermittelt zwischen einer normalen und einer sehr hohen Schlagfolge springt, extrem niedrig ausfällt oder dauerhafte Herzrhythmusstörungen auftreten. In einem solchen Fall sollte man einen Arzt abklären lassen, ob nicht Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung oder eine andere Krankheit vorliegt. Adipositas, Diabetes und Störungen der Schilddrüsenfunktion beeinflussen den Herzschlag ebenfalls.

Eine Therapie wird nötig, wenn der Patient ständig an Herzrasen, Schwindelanfällen, Kurzatmigkeit und ausgeprägtem Unwohlsein leidet. Zur Untersuchung gehört unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG), gegebenenfalls auf einem Fahrrad-Ergometer (Belastungs-EKG) oder über einen ganzen Tag (Langzeit-EKG, 24 h-EKG).

Wie sieht die Behandlung von Herzrhythmusstörungen aus?

Wichtig bei der Therapie eines krankhaft gestörten Herzrhythmus ist die Beseitigung der Ursachen - egal ob es sich dabei um eine organische Grunderkrankung oder beeinflussende psychische Faktoren handelt.

Was kann ich selbst gegen Herzrhythmusstörungen tun?

Zwei wichtige Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind Stress und Arterienverkalkung. Beide bilden ein ungesundes Gespann, wenn Dauerstress in Beruf und Familie zu Depressionen, Burnout und Herzerkrankungen führt. Dazu gehören insbesondere Bewegungs- und Schlafmangel, Koffein, Rauchen, Alkohol und fettreiches Essen wie Fast Food. Sie belasten nicht nur das Herz, sondern sorgen darüber hinaus für Übergewicht, Diabetes, Gicht und andere Erkrankungen.

Dementsprechend helfen gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Abbau von Stressfaktoren nicht nur bei Herzrhythmusstörungen, sondern bei einer ganzen Reihe von Zivilisationskrankheiten.

Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen

Reichen diese Maßnahmen zur Selbsthilfe nicht aus, muss der Arzt Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen und Grunderkrankung verschreiben. Gegen Arteriosklerose und Bluthochdruck helfen einige dieser Tabletten gleichermaßen. Wichtig sind Antiarrhythmika wie Betablocker und Natriumkanalblocker sowie Gerinnungshemmer in Form von Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmern. Letztere verhindern die Bildung von Blutgerinnseln und Spätfolgen in Form von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Herzschrittmacher unterstützen die Herztätigkeit

Das Herz verfügt über ein autonomes System zur Erregungsbildung und Erregungsleitung. Funktionieren die herzeigenen Schrittmacherzellen wie der Sinusknoten oder der AV-Knoten nicht mehr richtig, kann ein Herzschrittmacher das Organ wieder auf Trab bringen. 

Die Operation ist ein Routineeingriff und wenig belastend. Der Patient erhält ein Kästchen in eine Hauttasche unterm Schlüsselbein, das über Elektroden im Herzmuskel für elektrische Impulse sorgt. Gegebenenfalls drückt ein mit eingebauter Defibrillator auf den Reset-Knopf und beseitigt Vorhofflimmern oder Kammerflimmern.

Katheterablation und Kryoablation bei Vorhofflimmern

In den letzten Jahren entwickelt sich die Katheterablation zu einem immer häufiger eingesetzten Verfahren, mit dem sich Herzrhythmusstörungen beheben lassen. Für den Eingriff schiebt der Chirurg einen dünnen Draht über die Gefäße in der Leiste bis in die linke Vorkammer und verödet gezielt die Teile des Herzmuskels, die für die Fehlzündungen verantwortlich sind. Das geschieht durch hochfrequenten Strom, der die reizleitenden Strukturen vernarbt (Hochfrequenzablation).

Wesentlich seltener kommt die Kryoablation zum Einsatz, die ebenfalls mit einer Katheteruntersuchung kombiniert ist. Hier werden die Zellen durch Vereisung zerstört.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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