Expertenrat: "Der plötzliche Herztod lässt sich oft verhindern"
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Expertenrat: "Der plötzliche Herztod lässt sich oft verhindern"

Er kommt unerwartet und trifft auch junge Menschen: der Plötzliche Herztod. Privatdozent Dr. Felix Post, Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie am Katholischen Klinikum Koblenz/Montabaur und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, erklärt, wer gefährdet ist und warum der Plötzliche Herztod in vielen Fällen vermeidbar wäre.

Gelbe Seiten: Rund 65.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich am Plötzlichen Herztod (Quelle: Deutsche Herzstiftung). Das klingt beängstigend. Kommt der Herztod tatsächlich immer so plötzlich oder gibt es Anzeichen oder Vorboten?  

Dr. F. Post: Der Plötzliche Herztod heißt so, weil er sehr schnell und bei der Mehrheit der Patienten unerwartet auftritt. Es kann sein, dass Betroffene beispielsweise bei einem Herzinfarkt zuerst Brustschmerzen verspüren und dann innerhalb kurzer Zeit tot umfallen – das zählt auch als Plötzlicher Herztod. Es kann aber auch sein, dass Menschen immer wieder ohnmächtig werden, weil bei ihnen eine Herzrhythmusstörung vorliegt, die dann irgendwann einen Plötzlichen Herztod verursachen kann. Bei Patienten, die über Luftnot klagen kann eine Herzschwäche vorliegen, die ebenfalls als Risikofaktor gilt. In der Mehrzahl der Fälle kommt der Plötzliche Herztod aber tatsächlich unerwartet.

Gelbe Seiten: Sie haben die Risikofaktoren für den Plötzlichen Herztod angesprochen: Welche sind das?

Dr. F. Post: Risikofaktoren für einen Plötzlichen Herztod sind vor allem die eben genannten, also Koronare Herzerkrankungen, Herzschwäche oder bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen. Wenn diese bekannt sind, lässt sich dem Plötzlichen Herztod auch vorbeugen. Bei der Mehrzahl der Betroffenen war die Herzerkrankung vorher aber nicht bekannt. Der Herztod war dann tatsächlich überraschend.

Gelbe Seiten: Sind das auch die häufigsten Ursachen?

Dr. F. Post: In den meisten Fällen ist eine Koronare Herzerkrankung und deren Folgen, also ein Herzinfarkt oder ein schwer geschädigtes Herz die Ursache für den Plötzlichen Herztod. Auch angeborene oder erworbene Herzrhythmusstörungen sowie Herzklappenfehler können einen Plötzlichen Herztod verursachen. Eine akute Herzmuskelentzündung kann ebenfalls die Ursache sein – was aber eher seltener ist. Nicht zuletzt kann eine Intoxikation (Vergiftung) mit unerlaubten Substanzen oder mit Medikamenten einen Plötzlichen Herztod auslösen. Diese Form von Herzschädigung nimmt in den letzten Jahren zu.

Gelbe Seiten: Wer ist besonders gefährdet? Überwiegend Männer über 50?

Ja, Männer über 50, weil sie häufiger die oben genannten Risikofaktoren aufweisen. Bei  jüngeren Menschen, vor allem Kindern, sind angeborene und unerkannte Herzerkrankungen der größte Risikofaktor. Und dann sind paradoxerweise diejenigen stärker gefährdet, die Sport treiben. Für jüngere Menschen ist das Risiko, am Plötzlichen Herztod zu sterben, beim Sport deutlich höher. Nicht, weil der Sport ungesund wäre, sondern weil das vorgeschädigte Herz dann stärker belastet wird. Hier können Vorsorgeuntersuchungen Sicherheit schaffen.

Gelbe Seiten: Was passiert denn genau bei einem Plötzlichen Herztod?

Dr. F. Post: Der Plötzliche Herztod ist in den meisten Fällen eine tachykarde Rhythmusstörung, also ein viel zu schneller Herzschlag, in den meisten Fällen Kammerflimmern. Das Herz ist dann nicht mehr in der Lage genügend Blut in den Kreislauf zu pumpen. Die andere Möglichkeit ist eine bradykarde Rhythmusstörung bei der das Herz viel zu langsam schlägt oder sogar komplett stillsteht. Auch der Plötzliche Herztod beim Herzinfarkt wird in den allermeisten Fällen durch eine Herzrhythmusstörung ausgelöst. 

Gelbe Seiten: Betroffene selbst können sich im Notfall nicht mehr selbst helfen. Was können Außenstehende tun, wenn sie erkennen, dass Lebensgefahr besteht?

Dr. F. Post: Sie müssen sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Fast jeder kennt die stabile Seitenlage, die hier jedoch gar nichts hilft. Die lebensrettende Wiederbelebung hingegen haben in Deutschland die wenigsten Menschen gelernt. In anderen Ländern ist man da viel weiter. Da wird die Wiederbelebung teilweise schon in der Schule gelehrt. Die Überlebensraten im Notfall sind in diesen Ländern deutlich höher als in Deutschland. Aus meiner Sicht sollte ein Kurs zur Wiederbelebung verpflichtend sein. Es werden immer Menschen „tot umfallen". In den seltensten Fällen steht ein Arzt daneben. Aber häufig ist irgendjemand dabei und könnte das Leben retten, wenn er gelernt hätte, wie.

Gelbe Seiten: Vielen Dank für das Gespräch.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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