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Expertenrat: Ursachen für Krampfadern an Hoden, Penis und Scheide
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Expertenrat: Ursachen für Krampfadern an Hoden, Penis und Scheide

Krampfadern im Intimbereich wie an Scheide, Hoden, Penis und After sind keine Seltenheit. Besonders Frauen sind oft von Varizen im Schambereich betroffen, wie Dr. Karsten Hartmann, Venenfacharzt aus Freiburg und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP) weiß. Doch auch Männer kennen die verdickten Venen. Schätzungen zufolge leiden bis zu 15 Prozent der Männer unter Krampfadern im Hodensack, Varikozelen genannt. Mit Gelbe Seiten hat der Venenspezialist über die häufigsten Ursachen für Krampfadern im Intimbereich bei Männern und Frauen gesprochen.

Gelbe Seiten: Herr Dr. Hartmann, wie häufig sehen Sie in Ihrer Praxis Krampfadern im Intimbereich?

Es ist gar nicht so selten, dass sich Krampfadern im Intimbereich bilden. Etwa 16 bis 30 Prozent der Patienten mit Krampfaderleiden haben Varizen im Intimbereich, etwa an Hoden, Penis oder Scheide. Im Analbereich sind Krampfadern sehr selten. Dass Krampfadern aus dem Analkanal hervortreten, habe ich in meinem Berufsleben noch nicht gesehen. Andres ist das mit Hämorriden. Die Gefäßpolster am After sind, wie Krampfadern auch, ein Volksleiden. Aber Hämorriden sind keine klassischen Krampfadern, auch wenn das viele denken.

Warum sind besonders Frauen häufig von Krampfadern im Intimbereich betroffen?

Bei Frauen kommen mehrere Risikofaktoren zusammen. Zum einen hormonelle Veränderungen, wie sie beispielsweise in den Wechseljahren oder der Schwangerschaft stattfinden. Vor allem Schwangerschaftskrampfadern sind häufig. Neben den hormonellen Einflüssen kommt hinzu, dass in der Schwangerschaft mehr Blut durch den Körper gepumpt werden muss, was die Venen fordert. Außerdem lastet durch das Gewicht von Gebärmutter und Kind mehr Druck auf dem Beckenbereich. Beim Geburtsvorgang können sich durch das starke Pressen ebenfalls Krampfadern im Intimbereich bilden. Diese treten entweder über die Vulva nach außen oder über die Leiste an der Seite.

Müssen Schwangerschaftskrampfadern im Bereich der Scheide behandelt werden?

Klassische Schwangerschaftskrampfadern im Intimbereich gehen einige Monate nach der Geburt meist von selbst wieder zurück. Allerdings steigt mit jeder Schwangerschaft das Risiko für Krampfadern der Scheide, da das Gewebe und die Gefäße zunehmend schwächer werden. Dann kann es sein, dass die Krampfadern bestehen bleiben und einer Behandlung bedürfen – vor allem wenn sie stärker ausgeprägt sind oder Schmerzen verursachen, etwa während der Periode.

Wo kommen die Krampfadern bei Frauen her?

Ihren Ursprung haben Sie meist im Bereich des kleinen Beckens und drücken sich am Scheideneingang oder an den Schamlippen nach außen. Allerdings sind die Krampfadern nicht immer sichtbar. Manchmal haben die Frauen immer wieder mit Druckbeschwerden und Schmerzen im Intimbereich zu kämpfen und wissen nicht warum. Es bedarf einiger Untersuchungen, um die Diagnose Krampfadern stellen zu können.

Sind Krampfadern an Hoden, Penis oder Scheide genauso gesundheitskritisch wie an den Beinen?

Ausgeprägte Krampfadern im Intimbereich bergen, ebenso wie Krampfadern an den Beinen, gesundheitliche Risiken und sollten daher behandelt werden. Hinzu kommt, dass die Betroffenen häufig unter Beschwerden leiden wie Schmerzen, Spannungsgefühlen und Schwellungen. Auch können die Krampfadern platzen und Blutungen verursachen. Eine oberflächliche Venenentzündung sowie eine Venenthrombose gehören ebenfalls zu den Gefahren der Varizen an Hoden, Penis und Scheide. Möglich ist aber auch, dass die lilafarbenen, geschlängelten Venen zwar medizinisch kein Problem darstellen, von den Betroffenen aber optisch als störend empfunden werden. Eine Behandlung aus ästhetischen Gründen ist möglich.

Wie werden Krampfadern im Intimbereich behandelt?

Während Krampfadern im Hodensack, Varikozelen oder Krampfaderbruch genannt, sowie Krampfadern am Penis meist von Urologen behandelt werden, ist die Behandlung von Krampfadern im Schambereich der Frau sowie die Krampfaderbehandlung an den Beinen Teil der Phlebologie. Die Behandlung der Varizen im Intimbereich erfolgt bei Männern und Frauen meist durch Verödung mit einem Verödungsmittel. Hierfür wird in der Regel ein Verödungsschaum gespritzt, der die Krampfader verschließt, sodass sie nicht mehr durchblutet werden kann. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten.

Welche Möglichkeiten zur Behandlung von Krampfadern im Intimbereich gibt es noch?

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist, die verdickte Vene mit Clips abzuklemmen, sodass die Blutzirkulation unterbunden ist. Allerdings haben die Clips eine hohe Rezidivrate. Eher selten wird operativ ein Stück der Krampfader entfernt – was an den vielen Nerven im Intimbereich liegt. Hier ist das Risiko groß, dass Nerven verletzt werden. Die genannten Verfahren finden übrigens auch bei der Hämorriden-Therapie Anwendung.

Was sind die Ursachen für Krampfadern an Hoden, Penis und Scheide?

Krampfadern im Intimbereich haben verschiedene Ursachen. Ein wesentlicher Faktor ist Veranlagung zu schwächerem Gewebe beziehungsweise geschwächten Venenwänden und Venenklappen. Übergewicht stellt ebenfalls ein Risikofaktor dar. Druck im Intimbereich, wie er beim Pressen bei Verstopfung oder bei der Schwangerschaft und Geburt besteht, begünstigt ebenfalls Krampfadern im Intimbereich – und übrigens auch Hämorriden. Sitzende Tätigkeiten und schweres Heben fördern ebenfalls die Krampfaderbildung. Und bei Frauen kommen natürlich die hormonellen Einflüsse hinzu.

Wie kann man Krampfadern im Intimbereich vorbeugen?

Bestimmte Einflussgrößen der Krampfaderbildung können Sie nicht beeinflussen, beispielsweise die genetische Veranlagung oder hormonelle Einflüsse. Ratsam ist es, auf ein normales Gewicht zu achten, sich regelmäßig zu bewegen und gesund zu ernähren. Ein gesunder Lebensstil ist neben der Krampfadervorbeugung übrigens generell für die Gesundheit zu empfehlen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Krampfadern am Hodensack, Varikozelen genannt, bilden sich im Venengeflecht entlang eines Samenstrangs. Durch das Venengeflecht fließt das Blut aus dem Hoden zurück in den Körper. Ähnlich wie bei Krampfadern in den Beinen entstehen Krampfadern am Hoden, wenn sich Blut in den Venen staut und diese dauerhaft weitet.
Krampfadern am Hodensack verursachen bei vielen Männern keine Beschwerden. Symptome für Krampfadern am Hoden können Schwellungen, Spannungsgefühle und ziehende Schmerzen sein. Beobachten Sie diese Beschwerden bei sich, sollten Sie einen Facharzt für Phlebologie oder einen Urologen aufsuchen.
Varikozelen sind keine Seltenheit. Schätzungen zufolge haben 5 bis 15 Prozent aller Männer eine Varikozele. Vor allem bei jungen Männern im Alter zwischen 15 und 25 Jahren treten Krampfadern am Hodensack auf. Bei 90 Prozent bildet sich die Varikozele in der linken Hälfte des Hodensacks.
Experten schließen nicht aus, dass eine Varikozele im Hodensack die Fruchtbarkeit verringern kann. Das muss aber nicht sein. Schätzungen zufolge haben bis zu 37 Prozent aller Männer mit einer verringerten Samenqualität eine Varikozele. Liegt der Verdacht vor, dass die Krampfader im Hoden die Fruchtbarkeit beeinflusst, kann diese behandelt und so versucht werden, die Fruchtbarkeit zu verbessern.

Quellen:

Interview

gesundheitsinformation.de

Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP)

gesund.bund.de


Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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Experte
Dr. med. Karsten Hartmann ist Facharzt für Dermatologie und Phlebologie am Venenzentrum Freiburg sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) und des Berufsverbandes der Phlebologen (BVP).
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