Chronische Depression: Dauerhaftes seelisches Leiden
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Chronische Depression: Dauerhaftes seelisches Leiden

Im Gegensatz zu vorübergehenden depressiven Phasen ist eine chronische Depression ein Dauerzustand. Die gedrückte Stimmung hält langfristig an. Wenn die Symptome über einen besonders langen Zeitraum auftreten, dafür aber nur schwach ausgeprägt sind, spricht man auch von einer Dysthymie.


Nicht jede Depression geht vorbei


In den meisten Fällen verlaufen Depressionen in Phasen oder Episoden. Sie treten auf, klingen aber auch wieder ab oder heilen durch die entsprechenden Therapiemaßnahmen vollständig aus. Eine chronische Depression hingegen kann Jahre lang andauern. Betroffene leiden fast tagtäglich an allgemeiner Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit. Als chronisch depressiv werden Patienten eingestuft, wenn diese Symptome mehr als zwei Jahre lang durchgängig auftreten.


Dysthymie: Chronische Depression


Eine Depression, die nicht phasenweise verläuft, sondern sich durch anhaltende Symptome auszeichnet, die aber weniger stark ausgeprägt sind als bei einer episodischen Depression, wird auch als Dysthymie bezeichnet. Betroffene haben wenig Selbstvertrauen, fühlen sich energie- und antriebslos und empfinden kaum Freude im täglichen Leben. Oft kommen Schlafstörungen, eine Tendenz zum Weinen, Konzentrationsschwierigkeiten, Appetitlosigkeit, Interessenverlust und sozialer Rückzug hinzu. Diese Symptome treten über eine Dauer von mindestens zwei Jahren an mehr als der Hälfte aller Tage auf und verschwinden nie für mehr als zwei Monate. Gleichzeitig gibt es jedoch keine Anzeichen einer schweren depressiven Episode. Auch manische oder hypomanische Episoden, die auf eine bipolare Störung hindeuten können, treten nicht auf.


Da sich die Symptome in diesem Fall weniger intensiv manifestieren als bei einer “klassischen” episodischen Depression und die Betroffenen oft schon ihr Leben lang darunter leiden, wird eine solche chronische Depression von den Patienten oft nicht als Krankheit erkannt, sondern als allgemeine Charaktereigenschaft wahrgenommen. Dementsprechend suchen sich Menschen mit Dysthymie oft erst spät Hilfe oder lassen sich gar nicht behandeln.


Sonderfall Doppeldepression


Teilweise tritt Dysthymie zusammen mit einer schweren depressiven Episode auf. Man spricht dann von einer Doppeldepression. Eine solche Episode kann sich durch komplette Antriebslosigkeit äußern, manche Patienten kommen in diesen schwer depressiven Phasen morgens kaum aus dem Bett und sind nicht in der Lage, an einem normalen Arbeits- und Sozialleben teilzunehmen.


Ursachen in der Kindheit


Bereits in den 1970er-Jahren entwickelte der Psychologe James McCullough von der Virginia Commonwealth University die Theorie, dass eine chronische Depression auf negative Kindheitserlebnisse zurückzuführen sein kann. Traumatische Erfahrungen mit Bezugspersonen, sexueller Missbrauch oder Gewalt führen dazu, dass Kinder ein Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber ihrer eigenen Umgebung entwickeln. So prägt sich bei ihnen ein, dass sie nicht in der Lage sind, negative Konsequenzen allein abzuwehren. Auch als Erwachsene verinnerlichen sie dieses allgemeine Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Dadurch haben erwachsene Patienten mit einer chronischen Depression Schwierigkeiten, die Auswirkungen ihres eigenen Verhaltens auf andere Menschen einzuschätzen – sie verharren gewissermaßen in einem kindlichen Entwicklungsstadium, indem sie glauben, ihrer Umwelt hilflos ausgeliefert zu sein.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Gisèle Schneider
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