Bipolare Störung: Symptome und Therapie
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Bipolare Störung: Symptome und Therapie

Die bipolare Störung weist Symptome auf, die viele der Betroffenen lange nicht als Anzeichen für die psychische Erkrankung erkennen. Das ist gefährlich, denn je schneller eine Therapie beginnen kann, desto besser sind die Heilungschancen. Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden an der Störung.

Bipolare Störung: Symptome der depressiven Phase


Für sich allein betrachtet, ist die depressive Phase der Krankheit oft kaum von der reinen Depression zu unterscheiden. Die Betroffenen sind bedrückt und freudlos, haben keine Antriebskraft und bringen kein Interesse für ihre Umwelt auf. Sie ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und leiden unter einem sehr geringen Selbstwertgefühl. Gleichzeitig neigen sie dazu, sich die Schuld für viele Dinge zu geben. Das Leben scheint nicht lebenswert, und häufig kommt es zu Suizidgedanken.


Auch körperlich bringt die bipolare Störung Symptome mit sich, wenn der Patient sich in der depressiven Phase befindet: Schlafstörungen, vor allem in der zweiten Hälfte der Nacht, sorgen für andauernde Müdigkeit. Häufig haben die Betroffenen wenig Appetit und nehmen innerhalb kurzer Zeit stark ab. Neben diesen Anzeichen können Kopfschmerzen und Schwindel, Verdauungsprobleme sowie Herzbeschwerden und Atemnot auftreten.


Anzeichen für die manische Phase


Setzt die manische Phase ein, zeigt die bipolare Störung Symptome, die der depressiven Phase komplett entgegengesetzt sind. Die Betroffenen werden überschwänglich, manchmal auch leicht reizbar. Sie sind besonders offen und haben kein Problem damit, auf vollkommen Fremde zuzugehen. Auch auf sexueller Ebene sind sie risikobereiter. Die manische Phase geht einher mit einem Gefühl der Unverwundbarkeit und der Überzeugung, bedeutend und wichtig zu sein. Die Manie sorgt für ein gesteigertes Redebedürfnis, während das Verlangen nach Schlaf deutlich abnimmt.


Betroffene neigen dazu, viel Geld auszugeben oder sich auf riskante Projekte einzulassen. Spontane Kündigungen oder halsbrecherische Wettrennen auf der Autobahn sind Aktionen, zu denen sich manche Menschen in der manischen Phase der bipolaren Störung hinreißen lassen. Hyperaktivität in Verbindung mit Leichtsinn und Selbstüberschätzung sorgt oft dafür, dass die Betroffenen sich in schwierige Situationen bringen. In schweren Fällen kommt es auch zu Halluzinationen. Doch die Phase hat auch ihre guten Seiten: Sie bringt die außerordentliche Kreativität der Menschen zum Vorschein und erlaubt es manchen von ihnen, fantastische Werke zu schaffen.


Auf Messers Schneide: Die gemischte Phase


Steht ein Wechsel der Phasen an, bringt die bipolare Störung Symptome mit sich, die besonders gefährlich sind. Hier kann das Schlimmste aus beiden Teilen der Erkrankung zusammentreffen. Das schnelle Wechselbad der Gefühle ist für die Betroffenen nur sehr schwer zu ertragen. Nimmt die Depression überhand, kommt es häufig zu Selbstmordgedanken. Setzt währenddessen die Manie wieder ein, kann die wütende Energie des damit einhergehenden plötzlichen Antriebs dafür sorgen, dass der Erkrankte seinen Wunsch in die Tat umsetzt.
Therapie je nach Einzelfall unterschiedlich


Damit die passende Therapie gefunden werden kann, muss die bipolare Störung anhand der Symptome erst diagnostiziert werden. Das ist vor allem dann nicht leicht, wenn die manische Phase verhältnismäßig schwach ausfällt. Hier spricht man von Hypomanie. Sie führt häufig dazu, dass lediglich eine Depression vermutet wird. Je nach Stärke der Ausprägungen und der sozialen Probleme, die die Krankheit für die Betroffenen schafft, muss für jeden eine individuelle Therapie zusammengestellt werden. Erkennt der Betroffene seine Krankheit nicht an, kann eine stationäre Behandlung mit Psychotherapie notwendig werden.


Die medikamentöse Behandlung


Eine bipolare Störung bringt Symptome zweier gegensätzlicher Problembilder mit sich und muss entsprechend auch doppelt behandelt werden. Sind die depressiven Verstimmungen nur leichter Natur, kann ein Extrakt aus Johanniskraut weiterhelfen. Treten sie vor allem im Winter auf, hilft eventuell eine Lichttherapie weiter. Bei schweren Störungen hingegen werden meist Antidepressiva verabreicht. Bei manischen Phasen werden zur Therapie hingegen oft Lithium, Valproinsäure oder das Antiepileptikum Carbamazepin verwendet.


Weitere Möglichkeiten sind die ärztlich überwachte Schlafentzugstherapie, die den Betroffenen aus der depressiven Phase helfen kann, und die Elektrokrampftherapie, die unter Vollnarkose ausgeführt wird. Letztere findet Anwendung bei starkem Leiden und häufigen Suizidgedanken.


Die psychotherapeutische Behandlung


Eine rein medikamentöse Therapie ist bei einer bipolaren Störung nicht ausreichend. In Einzel- oder Gruppentherapie lernen die Betroffenen, ihre Krankheit zu akzeptieren. Sie erfahren, wie sie ihren Alltag so strukturieren können, dass sie wenig Stress und ausreichend Schlaf bekommen. Auch für das Zusammensein mit anderen Menschen gibt es Strategien. Die Betroffenen erfahren, an welchen Anzeichen sie das Aufkommen neuer Schübe erkennen und minimieren können, und wie sie mit den notwendigen Medikamenten verantwortungsvoll umgehen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SH
Autor/-in
Svenja Hauke
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