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Ansteckende Durchfall-Erkrankungen: Was für Erreger gibt es?

Durchfall ist eines der häufigsten Krankheitszeichen. Der Fachbegriff für Durchfall ist Diarrhoe. Durchfall hat man, wenn man mehr als 3 Mal pro Tag Stuhlgang hat, wenn der Stuhl zu flüssig ist oder wenn die Menge des Stuhls vermehrt ist. Es gibt sehr viele verschiedene Ursachen für Durchfall. Eine Ursache sind Keime. Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Durchfall entsteht und wie man sich ansteckt.

Durchfall – wenn der Darm nicht richtig arbeitet

Etwa jeder dritte Mensch in Deutschland hat 1 Mal im Jahr plötzlich Durchfall. Durchfall entsteht, wenn der Darm nicht richtig arbeitet. Der Darm besteht aus dem Dünndarm und dem Dickdarm. Der Dünndarm ist etwa 3 bis 5 Meter lang. Er zersetzt die Nahrung und nimmt die Nährstoffe und Flüssigkeit aus der Nahrung auf. Der Dünndarm mündet unten rechts im Bauch in den Dickdarm. Der Dickdarm ist nur etwa 1,5 Meter lang. Er entzieht der Nahrung noch mehr Wasser und dickt damit den Stuhl ein.

Jeden Tag gelangen etwa 9 Liter Wasser in den Dünndarm. Nur 2 Liter davon haben wir mit der Nahrung aufgenommen oder getrunken. Die anderen 7 Liter werden von verschiedenen Drüsen in den Darm abgegeben. Es handelt sich dabei vor allem um Verdauungssäfte. Damit der Körper keine Flüssigkeit verliert, muss der Darm die Flüssigkeit wieder aufnehmen. Die meiste Flüssigkeit nimmt der Dünndarm auf. Das geschieht über die Schleimhaut, die den Darm von innen auskleidet. Ein kleiner Teil der Flüssigkeit wird erst im Dickdarm aufgenommen. Am Ende bleibt von der gesamten Flüssigkeit nur noch sehr wenig Flüssigkeit im Stuhl. Es sind etwa 0,1 bis 0,2 Liter.

Durchfall entsteht zum Beispiel, wenn der Darm die Flüssigkeit nicht richtig wieder aufnehmen kann oder wenn vermehrt Flüssigkeit in den Darm übertritt.

Wie kann man sich mit Durchfall anstecken?

Durchfall ist nicht immer ansteckend. Anstecken kann man sich nur dann, wenn der Durchfall durch Keime ausgelöst wurde. Man kann sich dann auf verschiedenen Wegen mit solchen Keimen anstecken.

Ein möglicher Übertragungsweg sind Lebensmittel. Häufig sind vor allem tierische rohe oder nur halbgegarte Lebensmittel mit Keimen besiedelt. Auch Wasser kann mit Keimen befallen sein. Dann kann man sich über das Wasser anstecken. Es sind auch Lebensmittel ansteckend, die mit diesem Wasser zubereitet oder abgewaschen wurden.

Mit vielen Keimen steckt man sich aber auch durch körperlichen Kontakt zu anderen Menschen an. Das muss nicht immer eine direkte Berührung sein. Ein erkrankter Mensch hat zum Beispiel die Durchfall-Keime an den Händen nach dem Stuhlgang. Von den Händen wird der Keim auf Gegenstände übertragen, die der Mensch berührt. Wenn andere Menschen diesen Gegenstand ebenfalls berühren und anschließen ihre Hände -bewusst oder unbewusst- zum Mund führen, dann gelangen die Keime in den Körper. Man nennt das auch fäkal-orale Übertragung.

Mit manchen Keimen kann man sich auch ohne direkten oder indirekten körperlichen Kontakt über die Luft anstecken. Das passiert über winzige Tropfen Flüssigkeit, die jemand ausatmet oder aushustet. Dieser Übertragungsweg heißt aerogen.

Die Übertragungswege sind je nach Keim unterschiedlich.

Was sind die häufigsten ansteckenden Erreger von Durchfall?

Wenn Durchfall plötzlich auftritt und nur für kurze Zeit anhält, dann ist er meist durch Keime ausgelöst. Die häufigsten Durchfall-Erreger sind Bakterien und Viren. Manchmal können auch Parasiten oder Pilze Durchfall auslösen. Würmer sind zum Beispiel Parasiten.

Man kann die Keime zum Beispiel danach einteilen, ob sie im Darm eine Entzündung auslösen oder nicht. Wenn sich die Darm-Schleimhaut durch die Keime nicht entzündet, dann sagt man dazu nicht entzündlicher Durchfall. Entzündet sich die Darm-Schleimhaut durch die Keime direkt, dann spricht man von entzündlichem Durchfall.

Welche Keime führen zu nicht entzündlichem Durchfall?

Häufige Auslöser für nicht entzündlichen Durchfall sind unter anderem Bakterien. Diese Bakterien bilden giftige Stoffe. Die giftigen Stoffe führen dazu, dass vermehrt Flüssigkeit in den Darm abgesondert wird. Zu dieser Art von Durchfall führen bestimmte Staphylokokken, bestimmte E.coli-Bakterien (ETEC) oder Cholera-Bakterien.

Mit Staphylokokken steckt man sich in der Regel über Nahrungsmittel an, die mit den Bakterien in Kontakt gekommen sind. Staphylokokken können zum Beispiel in verdorbenen Milchprodukten, in Eiern oder in Fleisch sein. Mit E.coli-Bakterien (ETEC) oder Cholera-Bakterien steckt man sich häufig über verunreinigtes Trinkwasser oder über verunreinigte Lebensmittel an. Das kann passieren, wenn man in Länder mit schlechten Hygiene-Bedingungen verreist. Genau wie Staphylokokken können aber auch E.coli-Bakterien (ETEC) und Cholera-Bakterien von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Auch Noroviren und Rotaviren sind häufige Auslöser für nicht entzündlichen Durchfall. Diese Viren sind sehr ansteckend. Sie werden von Mensch zu Mensch, über Lebensmittel oder über Trinkwasser übertragen. Die Viren können auch über die Luft übertragen werden.

Nicht entzündlicher Durchfall beginnt meist bereits wenige Stunden, nachdem man mit dem Keim in Kontakt gekommen ist. In der Regel besteht kein Fieber. Man hat entweder nur leichte oder keine Bauchschmerzen.

Welche Keime führen zu entzündlichem Durchfall?

Auslöser für entzündlichen Durchfall führen dazu, dass sich die Darm-Schleimhaut und die Gewebeschichten unterhalb der Darm-Schleimhaut entzünden. Dadurch wird die Schleimhaut geschädigt und kann nicht mehr normal arbeiten.

Entzündlicher Durchfall wird vor allem durch Bakterien ausgelöst. Das können zum Beispiel bestimmte E.coli-Bakterien (EHEC), Yersinien, Salmonellen, Shigellen oder Campylobacter sein.

Shigellen werden vor allem über verunreinigtes Wasser oder über Nahrungsmittel übertragen. Sie können zum Beispiel in der Milch sein. E.coli-Bakterien (EHEC), Yersinien, Salmonellen und Campylobacter werden vor allem über erkrankte Tiere oder über befallene tierische Lebensmittel übertragen. Je nach Erreger kann man sich unter anderem durch rohes Fleisch, rohes Ei oder Milch anstecken. Die Bakterien können aber auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Entzündlicher Durchfall beginnt meist erst 16 bis 48 Stunden, nachdem man mit dem Keim in Kontakt gekommen ist. Neben Durchfall können zum Beispiel auch Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Bauchkrämpfe auftreten. Häufig kommt es auch zu Blutauflagerungen im Stuhl.

Wie erkennt man, welcher Keim den Durchfall ausgelöst hat?

Welcher Erreger den Durchfall ausgelöst hat, weiß man häufig nicht genau. Anhand der Krankengeschichte und der Beschwerden kann der Arzt den Erreger aber abschätzen. Meist endet plötzlich auftretender Durchfall nach kurzer Zeit ohne eine Behandlung. Daher ist es meist auch nicht notwendig, den genauen Keim zu bestimmen.

Manchmal ist es aber aufgrund bestimmter Umstände wichtig, den genauen Keim zu kennen. Das kann zum Beispiel notwendig sein, wenn der Durchfall länger als 2 Tage andauert, wenn Blut im Stuhl ist oder wenn der Patient zuvor im Ausland gewesen ist. Dann kann man den Stuhl auf Keime untersuchen. Oder man untersucht, ob die Keime im Blut nachweisbar sind.

Wie erkennt man, welcher Keim den Durchfall ausgelöst hat?

Meist hört plötzlich einsetzender Durchfall nach kurzer Zeit von allein wieder auf. Bei Durchfall gehen über den flüssigen Stuhl große Mengen an Flüssigkeit und Salze verloren. Die Flüssigkeit und die Salze braucht der Körper aber. Sie müssen ersetzt werden, zum Beispiel über die Nahrung. Im Krankenhaus kann man Flüssigkeit auch über die Blutgefäße geben.

In manchen Fällen verschreibt der Arzt bei ansteckendem Durchfall ein Antibiotikum. Das ist ein Medikament, das gegen Bakterien wirkt.

Auf Reisen kann man zudem einige Dinge beachten, um Durchfall vorzubeugen. Man sollte dafür ungekochtes Wasser, Eiswürfel und rohe oder halbgegarte Nahrungsmittel bewusst meiden. Gegen einige wenige Erreger von Durchfall kann man außerdem impfen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Dr. Luise Beickert

Die Ärztin Dr. Luise Beickert ist seit 2013 für die "Was hab' ich?" gemeinnützige GmbH tätig. Sie verfasst für das Online-Portal unter anderem laienverständliche medizinische Texte.

Dr. Luise Beickert
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