Plötzlicher Kindstod: Häufigkeit und Anzeichen

Als plötzlicher Kindstod oder SIDS wird es bezeichnet, wenn ein eigentlich völlig gesunder Säugling im Schlaf stirbt. Erfahren Sie hier mehr über die Häufigkeit und Anzeichen und wie Sie richtig vorbeugen können.

SIDS: Sudden Infant Death Syndrome

Der Begriff “Plötzlicher Kindstod” wird für den unerwarteten Tod eines Säuglings im Schlaf verwendet, wenn keine äußeren Einflüsse oder ein medizinischer Grund für diesen tragischen Vorfall nachweisbar sind. Ein solcher Sachverhalt wird auch mit dem englischen Fachbegriff “Sudden Infant Death Syndrome”(SIDS) bezeichnet.

Ursachen für den plötzlichen Kindstod unklar

Die genauen Ursachen hinter dem plötzlichen Tod von schlafenden Säuglingen liegen weiterhin im Unbekannten. Wissenschaftler gehen derzeit von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus. Zum Beispiel kann ein gestörter Botenstoffwechsel im Gehirn dazu führen, dass die lebenserhaltenden Reflexe nicht mehr richtig funktionieren.

Gerät das Baby im Schlaf versehentlich mit dem Kopf unter die Decke und bekommt nicht mehr genug Luft, wacht es normalerweise auf. Fehlen die lebenserhaltenden Reflexe, schläft es weiter und erstickt.

Plötzlicher Kindstod: Statistik, Häufigkeit und Alter

Die Statistik zum plötzlichen Kindstod macht Hoffnung: Starben dem Statistischen Bundesamt zufolge im Jahr 1990 noch 1.283 Kinder in der Bundesrepublik durch SIDS, war plötzlicher Kindstod 2012 nur in 131 Fällen der Grund, aus dem Säuglinge innerhalb des ersten Lebensjahres verstarben. Grund dafür, dass die Zahlen für den plötzlichen Kindstod zurückgegangen sind, ist die bessere Vorsorge in Deutschland.

Das typische Alter für plötzlichen Kindstod liegt zwischen dem ersten und fünften Lebensmonat. Etwa 60 Prozent der betroffenen Kinder sind Jungen. Dazu treten etwa zwei Drittel aller Fälle von plötzlichem Kindstod im Winter auf. Vermutlich ist diese Häufigkeit damit zu erklären, dass viele der von SIDS betroffenen Säuglinge zuvor an einer Erkältung gelitten hatten, was in den Wintermonaten häufiger vorkommt als im Sommer.

Achten Sie auf Anzeichen wie Atemaussetzer bei Ihrem Baby.

Anzeichen und Risikofaktoren

  • In den meisten Fällen werden die toten Kinder von ihren Eltern in Bauchlage aufgefunden. Häufig sind sie dazu schweißgebadet und liegen mit dem Kopf unter der Decke. Eine Bauchlage zählt dem heutigen Forschungsstand zufolge zu den stärksten Risikofaktoren für die Todesursache.
  • Weitere Risikofaktoren sind eine weiche Bettunterlage und viele Decken oder Kissen, die die Atmung des Kindes behindern und seinen Organismus überwärmen können.
  • Auch Rauchen in der Umgebung des Kindes ist ein starker Risikofaktor, ebenso wie Drogen- oder Alkoholkonsum der Mutter. Das Rauchen in der Schwangerschaft kann zu Entwicklungsstörungen führen, durch die ein plötzlicher Kindstod begünstigt wird.
  • Stress, der von den Eltern unbewusst aufs Kind übertragen wird, gilt ebenfalls als Risikofaktor.
  • Für Zwillinge und Mehrlinge, Geschwister von SIDS-Kindern und Babys, die bei oder nach der Geburt an Atemproblemen litten, ist das Risiko eines plötzlichen Kindstodes außerdem erhöht.

Anzeichen für SIDS, die als Warnsignale dienen können, gibt es wenige. In manchen Fällen, aber nicht immer, lassen sich bei den betroffenen Kindern vorher leichte Erkältungssymptome beobachten. Stockt der Atem eines Säuglings im Schlaf kurzfristig, ist das normal – setzt der Atem jedoch häufig länger als 20 Sekunden aus, ist das als Alarmsignal zu deuten, ebenso wie ein Blau-Anlaufen an Armen und Beinen.

Eltern eines Kindes mit Atemstörungen, das häufiger solche Anzeichen aufweist, sollten sich eingehend mit Wiederbelebungsmaßnahmen auseinandersetzen und mit dem behandelnden Arzt einen Notfallplan ausmachen. Gegebenenfalls können Atmung und Herzschlag des Babys mit einem Monitor überwacht werden.

Plötzlicher Kindstod: So können Sie vorbeugen

  • Eine besonders wichtige Vorsichtsmaßnahme ist es, das Baby zum Schlafen stets auf den Rücken zu legen – so lässt sich das Risiko nahezu halbieren.
  • Damit das Kind nicht mit dem Kopf unter die Decke gerät, sollten sich so wenig Kissen, Decken und Stofftiere wie möglich in seinem Bettchen befinden.
  • Ideal ist es, dem Baby stattdessen einen Schlafsack anzuziehen – damit ist ihm warm, es kann die Arme frei bewegen, sich aber nicht einfach in Bauchlage drehen oder mit dem Kopf unter eine Decke rutschen.
  • Das Schlafen im Elternbett wird nicht empfohlen – ob das gemeinsame Schlafen in einem Bett das SIDS fördert, ist in der Forschung zwar noch umstritten, besser ist es auf jeden Fall, wenn das Kinderbett neben dem Elternbett im Schlafzimmer steht. So können Sie bei nächtlichen Anzeichen auf einen bevorstehenden plötzlichen Kindstod sofort handeln.
  • Zur Vorbeugung trägt außerdem bei, das Kind lange zu stillen und ihm eine stressfreie Umgebung zu ermöglichen. Auch sollte in seiner Umgebung und während der Schwangerschaft auf keinen Fall geraucht werden.

Die Rückenlage ist die sicherste Lage für Babys.

Plötzlicher Kindstod: Rückenlage ist sicherer

In den 1960er-Jahren empfahlen Orthopäden noch, Babys auf dem Bauch schlafen zu lassen, um die Rückenmuskulatur zu stärken. Auch hieß es, Kinder könnten so nicht versehentlich Erbrochenes einatmen und daran ersticken. In der DDR wurde ab Anfang der 1970er bereits die Rückenlage als Schlafposition empfohlen – mit dem Resultat, dass weniger Säuglinge durch plötzlichen Kindstod starben.

Moderne Forschungen haben ergeben, dass der Hustenreiz beim Schlafen auf dem Rücken besser funktioniert als in Bauchlage. So können Erbrochenes oder Schleim besser ausgehustet werden, das Risiko zu ersticken ist geringer. Heute wird Eltern geraten, ihre Kinder die ersten sechs Lebensmonate in Rückenlage schlafen zu lassen. Ist das Baby wach, können Sie mit ihm ab einem Alter von etwa fünf Monaten außerdem trainieren, sich vom Bauch wieder selbstständig auf den Rücken zu drehen.

Wenn das Kind trotzdem im Elternbett schläft

Wer sein Baby trotzdem im Elternbett schlafen lässt, zum Beispiel nach dem nächtlichen Stillen, sollte bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen, um das Risiko eines plötzlichen Kindstodes minimal zu halten.

  • Das Bett sollte möglichst groß sein und über eine feste Matratze verfügen, die mit einem Spannbettlaken bezogen ist.
  • Das Baby wird in einem Schlafsack neben der Mutter auf der Decke platziert.
  • Wichtig ist, dass es in Rückenlage liegt und sich keine Kissen oder ähnliche Gegenstände bei ihm befinden, die seinen Kopf bedecken können.
  • Selbstverständlich sollte das Kind so liegen, dass es nicht aus dem Bett fallen kann.
  • Ein plötzlicher Kindstod tritt zudem seltener bei Babys auf, die die ersten sechs Monate voll und bis zum ersten Lebensjahr teilgestillt werden.