Cannabis auf Rezept: 4 Fakten zur Freigabe als Medikament

Schwer erkrankte Patienten dürfen künftig in bestimmten Fällen Cannabis auf Rezept erhalten. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat der Bundestag Anfang des Jahres 2017 verabschiedet. Lesen Sie hier vier wichtige Fakten zur Freigabe.

1. Cannabis auf Rezept gegen Schmerzen und Übelkeit

Eingesetzt wird Cannabis unter anderem gegen Übelkeit, zur Appetitsteigerung und gegen Schmerzen. Behandelt werden beispielsweise Patienten, die von Krebs, AIDS, Rheuma oder Multipler Sklerose betroffen sind. Auch bei chronischen Schmerzen, einem Glaukom, ADHS oder dem Tourettesyndrom kann Cannabis positive Wirkung zeigen. Vor allem die Inhaltsstoffe Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sollen für die schmerzlindernden, entzündungshemmenden, appetitanregenden, schlaffördernden und krampflösenden Eigenschaften verantwortlich sein.

Zugleich ist Cannabis jedoch eine Droge, die psychisch abhängig machen und schwere Nebenwirkungen wie Schizophrenie auslösen kann. Zwar gibt es viele Studien zu Cannabis, die allerdings große Lücken aufweisen.

2. Gute Chancen als Voraussetzung für Cannabis auf Rezept

Grundsätzlich dürfen Cannabis-Arzneimittel nur dann verordnet werden, wenn die Symptome oder der Krankheitsverlauf voraussichtlich verbessert werden. Auch wenn laut der Bundesregierung andere therapeutische Möglichkeiten vor der Gabe von Cannabis auf Rezept ausgeschöpft sein müssen – künftig gilt: Der behandelnde Arzt entscheidet im Einzelfall selbstständig, ob schon vor anderen möglichen Therapien Cannabis als vielversprechender erscheint und einzusetzen ist.

3. Cannabis wird auch in anderen Ländern medizinisch genutzt

In Ländern wie Kanada, den Niederlanden, Israel, Spanien, Portugal, Jamaika, Chile, Uruguay und Kolumbien ist Cannabis bereits für Patienten verfügbar oder es bestehen Absichtserklärungen, den gesetzlichen Status entsprechend zu ändern. So erhalten beispielsweise in Israel derzeit rund 25.000 Menschen Cannabis auf Rezept, das Acht-Millionen-Einwohner-Land erwartet für die nahe Zukunft Zahlen um die 100.000.

4. Cannabis wird demnächst vom Bund verteilt

In Deutschland soll eine staatliche Cannabis-Agentur beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgebaut werden. Sie soll eine standardisierte Qualität beim Anbau sicherstellen, das geprüfte Produkt kaufen und an Hersteller und Apotheken verteilen. Solange die Agentur noch im Aufbau ist, stellen Importe die Cannabis-Versorgung sicher. Begleitend zum Prüfungs- und Verteilungsvorgang soll sich eine wissenschaftliche Erhebung mit der medizinischen Wirkung der Pflanze beschäftigen.