Wie viel Urlaub steht mir zu?

Ein Städtetrip über ein verlängertes Wochenende, eine zweiwöchige Fernreise oder Zuhause einfach nur die Füße auf den Tisch legen – viele Berufstätige freuen sich jedes Jahr auf ihren wohl verdienten Urlaub. Aber wie viele Urlaubstage stehen den Deutschen zu? Und wie viele kriegen sie tatsächlich? Wir von GEHALT.de haben gemeinsam mit Compensation Partner knapp 220.500 Arbeitsverhältnisse ausgewertet und sind diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Die gute Nachricht zuerst: Die Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) verfügt mit 30 Urlaubstagen über relativ viel Freizeit. Vier Prozent dürfen sich sogar über noch mehr freie Tage freuen. Nur 16 Prozent der Fach- und Führungskräfte erhalten 24 oder weniger Urlaubstage. Die Auswertung zeigt auch, dass acht Prozent der Beschäftigten mehr als 25 und weitere acht Prozent sogar über 28 Urlaubstage verfügen.

Es liegt auf der Hand, dass sich in erster Linie Fach- und Führungskräfte aus den kapitalstarken Branchen über die meisten Urlaubstage freuen dürfen. Vor allem große Konzerne und Industrien sind meist über tarifliche Regelungen dazu verpflichtet, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen bestimmten Teil an Urlaub zu gewähren. Häufig haben Beschäftigte aus tarifgebundenen Unternehmen die Möglichkeit, die geleistete Mehrarbeit in Geld oder Freizeit ausgleichen zu lassen.

Die Top-Branchen mit den meisten Urlaubstagen

Überlegt ihr noch in welche Branche ihr am besten einsteigt? Wenn die Anzahl der Urlaubstage für euch einen hohen Stellenwert hat, haben wir hier die Top-Branchen ermittelt, in denen euer Langzeiturlaub keineswegs ein Problem darstellen sollte.

An der Spitze liegen folgende Branchen:

  • die Autoindustrie
  • das Bankenwesen
  • die Halbleiterindustrie
  • der Maschinenbau
  • die Chemiebranche

Im Durchschnitt können Fach- und Führungskräfte dieser Branchen an 29 Tagen im Jahr bezahlten Urlaub nehmen.

Flop-Branchen: Hier muss man sich mit weniger zufrieden geben

Wenn euch viel Urlaub wichtig ist, solltet ihr es euch zwei Mal überlegen, in Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Hotel- und Gaststättengewerbe oder in der Steuerberatung Fuß zu fassen. Hier verfügen die Beschäftigten über durchschnittlich 26 Tage Urlaub. 

Das ist ganz typisch für das Dienstleistungsgewerbe, zu dem unsere Flop-Branchen gehören. Ein Grund hierfür ist beispielsweise das geringe Kapital, über das die Unternehmen in diesem Wirtschaftszweig verfügen. Außerdem mangelt es an starken Gewerkschaften, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen.

So verfügt jeder Vierte aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe über gerade einmal 24 Urlaubstage – im Call Center und in der Zeitarbeit ist es jeder Fünfte. 16 Prozent der Beschäftigten im e-Commerce und 15 Prozent der Angestellten in der Werbebranche erhalten ebenfalls nur 24 Tage.

Hohes Gehalt = viel Urlaub?

Solltet ihr ein hohes Einkommen beziehen, habt ihr bessere finanzielle Möglichkeiten, um in den Urlaub zu fahren als ein Geringverdiener. Aber habt ihr dann überhaupt noch die Zeit dazu?

Ja – denn im Durchschnitt erhalten Beschäftigte mit einem lukrativen Gehalt auch mehr Urlaubstage. Grund hierfür ist, dass mit dem Alter auch die Berufserfahrung steigt. Angestellte, die schon länger im Berufsleben sind, haben mehr Erfahrung in Gehaltsgesprächen und können Gehalt sowie die Anzahl der Urlaubstage besser heraushandeln.

Welche Region liegt vorne?

Im Süden Deutschlands können Arbeitnehmer öfters ausschlafen: Wer in Baden-Württemberg beschäftigt ist, erhält mit durchschnittlich 28 Tagen am meisten Urlaub. In Berlin und Jena sind es jeweils nur 27 Tage.

Schuld daran sind unter anderem die gesetzlichen Feiertage – Beschäftigte in Baden-Württemberg haben elf und Berliner neun. Außerdem haben vor allem große Unternehmen und Konzerne ihren Standort vermehrt im Süden. Wenn ihr dort angestellt seid, habt ihr häufig einen höheren Urlaubsanspruch. Im Raum Berlin hingegen finden wir zahlreiche Werbeagenturen und Unternehmen aus dem Hotel- und Gastronomiegewerbe mit wenig Urlaub vor.

Wie viel Urlaub steht mir eigentlich zu?

Generell hat jeder Anspruch auf Urlaub – egal, ob ihr studiert, ein Praktikum absolviert oder fest angestellt seid. Dieser Anspruch variiert allerdings je nach Wochenstunden. Beschäftigte, die fünf Tage die Woche arbeiten, haben das Recht auf 20 freie Tage im Jahr. Bei einer Sechs-Tage-Woche steigt der Anspruch auf 24 Tage.

Urlaubstage mit ins neue Jahr nehmen?

Ihr habt nicht alle Urlaubstage im Jahr ausgenutzt? Bei den meisten Arbeitgebern besteht die Möglichkeit, die übrig gebliebenen Urlaubstage mit in das neue Kalenderjahr zu nehmen. In der Regel müsst ihr den Resturlaub aber bis Ende März des aktuellen Jahres nehmen.

Ihr wollt mehr Urlaub?

Es besteht auch die Möglichkeit, unbezahlten Urlaub zu erhalten. Allerdings wird dieser nur in Sonderfällen genehmigt, ihr habt darauf also keinen generellen Anspruch. Die Ausnahme gilt zum Beispiel, wenn kranke Kinder oder Familienangehörige gepflegt werden müssen. Weitere Sonderregelungen müssen im Vertrag festgehalten worden sein.

Der unbezahlte Urlaub muss jedoch schriftlich beantragt werden und ihr nehmt damit in Kauf, in dieser Zeit kein Einkommen zu beziehen. Auch die Länge variiert je nach Antragsgrund auf unbezahlten Urlaub – sechs Monate sind beispielsweise für die Pflege von Angehörigen nach einer schweren Erkrankung eines Familienmitgliedes angesetzt.

Urlaubstage können sogar gekauft werden

Einige Arbeitgeber ermöglichen übrigens auch den Kauf von Urlaubstagen. Dies ist jedoch Verhandlungssache und wird nicht von jedem Arbeitgeber gestattet. Die Verrechnung findet in der Regel mit einem Abzug vom Gehalt statt.

Profilbild von Nina Schnoor
Nina Schnoor

Ich bin als Junior PR Managerin für die Produkte Gehalt.de und Compensation Partner bei PersonalMarkt in Hamburg beschäftigt. Zusammen mit meinem Team aus der Abteilung „PR und Kommunikation“ versorge ich die Online- und Offline-Medien regelmäßig mit aktuellen Studien, die sich um die Themen Gehalt und Karriere drehen. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die interne Kommunikation im Unternehmen.

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