Überstunden in Deutschland: Was müssen Beschäftigte wissen?

Wer kennt es nicht: Der Kollege fällt krankheitsbedingt aus, die Deadline ist schneller da als gedacht oder eine Messe steht an. In solchen Fällen müssen Beschäftigte meist Überstunden leisten. Doch wie viele Überstunden machen die Deutschen eigentlich im Durchschnitt? Und überlassen Führungskräfte die ganze Restarbeit den unteren Etagen oder sind sie es letztendlich, die das Büro hinter sich abschließen? Diese Fragen wollen wir in diesem Artikel beantworten und euch dabei ein paar wichtige Tipps für euer Berufsleben mit auf den Weg geben.

GEHALT.de und Compensation Partner haben in der Studie „Arbeitszeitmonitor 2018“ die geleisteten Überstunden der Deutschen untersucht. 226.452 Daten wurden unter anderem nach Alter, Geschlecht, Branche, Position und Region analysiert. Die Anzahl der geleisteten Überstunden in Deutschland hält sich allerdings im Rahmen: Knapp 37 Prozent der Angestellten verrichten maximal fünf Überstunden pro Woche. Nur 13 Prozent müssen sechs bis zehn Arbeitsstunden dranhängen und fast zwei Prozent arbeiten sogar 16 bis 20 Stunden länger als vereinbart.

Der Chef macht das Licht aus

15.430 Überstunden leisten Führungskräfte in ihrer gesamten Karrierelaufbahn. Mehr als doppelt so viel wie Fachkräfte, deren Arbeitszeit 6.562 Stunden über der vertraglichen Vereinbarung liegt.

Je älter die Beschäftigten sind, desto mehr Überstunden leisten sie? Ja, denn Berufseinsteiger unter 20 Jahren machen im Durchschnitt 1,8 Überstunden – ab dem 30. Lebensjahr erhöht sich der Mittelwert auf 3,1 Stunden pro Woche und stagniert in diesem Bereich. Im Alter von über 50 Jahren verrichten Angestellte rund 3,5 Überstunden wöchentlich.

Nicht alle bekommen einen Ausgleich

Außerdem konnten wir feststellen, dass bei männlichen Beschäftigten die Überstunden öfter ausgeglichen werden als bei Frauen: 46 Prozent erhalten einen Überstundenausgleich, während es bei den weiblichen Angestellten nur 39 Prozent sind.

Knapp mehr als die Hälfte der Angestellten, die maximal fünf Überstunden verrichten, kriegen diese auch vergütet. Beschäftigte, die mehr als zehn Überstunden pro Woche machen, kriegen sie in den meisten Fällen nicht ausgezahlt. Anders sieht es bei denen aus, die 26 bis 30 Stunden länger arbeiten müssen: Hier werden 70 Prozent der geleisteten Überstunden nicht ausgeglichen. 

In welchem Beruf werden die meisten Überstunden geleistet?

Wenn ihr über eine Karriere in der Unternehmensberatung nachdenkt, solltet ihr keine zusätzliche Arbeit scheuen: In keiner anderen Berufsgruppe werden so viele Überstunden geleistet (5,11 Stunden). Unternehmensberater sind häufig beruflich unterwegs, da sie den Kunden meist vor Ort betreuen müssen. Somit häufen sich die Fahrtzeiten und entsprechend auch die Überstunden. Diese werden -wie auch in der Branche Werbung und PR- in 74 Prozent der Fälle ausgeglichen.

Im Vergleich zwischen den Regionen zeigt sich, dass die Beschäftigten in den östlichen Bundesländern Deutschlands durchschnittlich mehr Überstunden leisten müssen als die im Westen. Solltet ihr im Süden, genauer gesagt rund um Nürnberg, Würzburg und Teilen von Thüringen wohnen, dürft ihr euch freuen: Hier ist die durchschnittlich geleistete Anzahl an Überstunden mit 5,4 am geringsten.

Wie können Überstunden ausgeglichen werden?

Generell können eure Überstunden auf zwei Weisen ausgeglichen werden: In Form einer finanziellen Abgeltung oder eines Freizeitausgleichs. Beim ersten Modell erhaltet ihr demnach euer reguläres Gehalt und den Zuschlag für die geleisteten Überstunden.

Einige Unternehmen ziehen es auch vor, ihren Angestellten einen Freizeitausgleich anzubieten. Hierbei werden die Überstunden von der geleisteten Arbeitszeit abgezogen. Dies ist vor allem in körperlich anstrengenden Berufen, wie zum Beispiel in der Pflegebranche, eine sehr beliebte Variante, um Überstunden auszugleichen. Allerdings ist hier das Gehalt ohnehin nicht allzu lukrativ.

Zu viele Überstunden?

Ganz gleich, wie eure Überstunden ausgeglichen werden – solltet ihr zu viele Überstunden leisten, werden Probleme aufkommen. Zum Beispiel bei einer drohenden Insolvenz: In diesem Fall sollten Angestellte ihre Bedenken offen mit dem Arbeitgeber kommunizieren und notfalls weitere Überstunden vermeiden bis die bisherigen abgegolten worden sind.

Der Freizeitausgleich wird problematisch, sollte die Arbeit für einen längeren Zeitraum unterbrochen werden. Vor allem bei der Behandlung von Patienten können Schwierigkeiten auftreten: Hier muss die Pflege teilweise kontinuierlich aufrechterhalten werden, um die Pflegebedürftigen nicht zu gefährden. In Berufen, in denen dies der Fall ist, kann ein „Überstundenkonto“ helfen, auf dem die Überstunden über Monate oder sogar Jahre gesammelt werden. Und ihr könnt euch eine lange Auszeit vom Beruf nehmen – ganz ohne Gehaltsverzicht.

Muss ich Überstunden leisten?

Der Umgang mit den Überstunden sollte in eurem Arbeitsvertrag definiert werden. Wenn eurer Arbeitgeber die Leistung einer gewissen Anzahl an Überstunden darin vorschreibt,  müssen diese auch geleistet werden. Verliert er kein Wort darüber, seid ihr fein raus: Der Beschäftigte ist in diesem Fall nicht dazu verpflichtet, Überstunden zu verrichten. Hier sind Teamgeist und Hilfsbereitschaft gefragt. Jedoch solltet ihr euch nicht zu viel aufhalsen, denn zu viele Überstunden können zum  Burn-out und anderen gesundheitlichen Beschwerden führen.

Beschäftigte, die übermäßig viele Überstunden leisten, leiden signifikant häufiger an körperlicher Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Schlafstörungen sowie Rücken- und Kreuzschmerzen. Wenn regelmäßig Überstunden anfallen und sie im schlimmsten Fall nicht ausgeglichen werden, solltet ihr das Gespräch mit dem Chef suchen.

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Nina Schnoor

Ich bin als Junior PR Managerin für die Produkte Gehalt.de und Compensation Partner bei PersonalMarkt in Hamburg beschäftigt. Zusammen mit meinem Team aus der Abteilung „PR und Kommunikation“ versorge ich die Online- und Offline-Medien regelmäßig mit aktuellen Studien, die sich um die Themen Gehalt und Karriere drehen. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die interne Kommunikation im Unternehmen.

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