Blöd gelaufen: In diesen Fällen darf der Chef euren Urlaub streichen

Der Flug ist gebucht, die Koffer sind gepackt und die Vorfreude auf den wohlverdienten Urlaub steigt. Doch auf den letzten Metern macht der Chef euch einen Strich durch die Rechnung? Leider gibt es bestimmte Ausnahmesituationen, die es dem Arbeitgeber erlauben den Urlaub zu verschieben oder sogar zu streichen. GEHALT.de erklärt euch, welche Gründe tatsächlich rechtens sind.

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitnehmer darf den Zeitpunkt seines Urlaubs selber festlegen. Geregelt ist dies im Bundesurlaubgesetz, § 7 Abs. 1. Doch bevor du deinen Urlaub buchst, solltest du auf jeden Fall Rücksprache mit deinem Chef halten, denn der Arbeitgeber muss nicht jeder Urlaubsplanung zustimmen und darf deinen Urlaub auch verschieben.

Solltest du, trotz fehlender Genehmigung, deinen Urlaub antreten, musst du damit rechnen fristlos gekündigt zu werden. Außerdem gibt es betriebliche Gründe, weshalb der Arbeitgeber die Urlaubswünsche seiner Belegschaft ablehnen darf. Welche Gründe das sind, erklären wir euch in diesem Beitrag:

1. Deadlines können nicht eingehalten werden

Solltet ihr die Frist zur Fertigstellung von termingerechten Aufträgen nicht einhalten können, darf der Arbeitgeber theoretisch euren Urlaub verschieben. In den meisten Fällen wird allerdings immer intern nach einer Möglichkeit gesucht, damit der Arbeitnehmer trotzdem wie geplant in den verdienten Urlaub starten kann.

2. Es gibt zu wenig Personal

Sollte es in dem Unternehmen zu personellen Engpässen kommen, kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern den Urlaub verweigern. Dies kommt vor allem in Unternehmen vor, die stark kampagnengetrieben oder saisonal arbeiten.

3. Der Kunde ist (leider) König

Es gibt auch Fälle, in denen die Nachfragen nach dem Produkt oder der Dienstleistung stark ansteigen und es so zu Engpässen kommen kann. Die Kundenwünsche haben für Unternehmen höchste Priorität und der Urlaub muss daher erst einmal warten.

4. Deine Kollegen sind krank

Wenn zu viele deiner Kollegen mittel- bis längerfristig krankheitsbedingt ausfallen, kann es sein, dass deine Arbeitskraft gebraucht wird und du deinen Urlaub verschieben musst.

5. Betriebsferien wurden nicht berücksichtigt

Die Urlaubszeit ist in den meisten Fällen abhängig von den Betriebsferien des Unternehmens. Allerdings können zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Urlaubstage genommen werden.

6. Der Jahresabschluss steht bevor

Bei Jahresabschlussarbeiten darf der Arbeitgeber deine Urlaubswünsche ablehnen.

7. Vorrang anderer Mitarbeiter

Auch soziale Gründe können die Urlaubsplanung beeinflussen. Beispielsweise haben Mütter und Väter Vorrang, wenn es um Urlaub in den Schulferien geht. Außerdem werden andere Mitarbeiter bei Überkreuzungen von Urlaubsplänen berücksichtigt, aber nicht immer bevorzugt. Den kinderlosen Arbeitnehmern werden die Urlaubstage während der Schulferien nur genehmigt, wenn sie in der Vergangenheit schon öfters anderen den Vortritt lassen mussten.

8. Katastrophe

Im Falle einer Katastrophe kann der Arbeitgeber ohne die Zustimmung des Mitarbeiters den Urlaub streichen und auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Darf der Arbeitgeber genehmigten Urlaub einfach streichen?

Eine schriftliche Genehmigung kann dir viel Ärger ersparen. Hier kann der Arbeitgeber die Vereinbarung nur ändern, wenn der Mitarbeiter auch zustimmt – es sei denn, es kommt zu einer Katastrophe, bei der die Existenz des Unternehmens akut gefährdet ist.

In solchen, äußerst seltenen Notsituationen darf der Arbeitgeber seine Angestellten aus dem Urlaub zurückholen. Dabei muss das Unternehmen die dabei entstehenden Kosten übernehmen, aber der Arbeitnehmer muss in diesem Fall seinen Urlaub unterbrechen.

Sollte jedoch keine “Katastrophe“ vorliegen, braucht der Arbeitgeber deine Zustimmung. Außerdem muss er ausreichend begründen können, warum er die schriftliche Vereinbarung auflösen musste.

Der Mythos vom verbotenen Urlaub in der Probezeit

Unter Beschäftigten ist die Annahme weit verbreitet, dass es in der Probezeit nicht gestattet ist sich Urlaub zu nehmen. Und laut § 4 des Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) besteht der Anspruch auf den vollen Jahresurlaub zwar erst nach einer Betriebszugehörigkeit von sechs Monaten – allerdings trifft dies nur auf den gesetzlichen Urlaubsanspruch zu.

Bei einem gesetzlichen Jahresurlaub von 20 Tagen haben Beschäftigte demnach einen Urlaubsanspruch von je 1,67 Tagen pro Monat. Du kannst deinen Antrag aber auch schon während der Probezeit einreichen. Nach § 7 Abs. 1 BurlG darf dein Chef diesen noch verweigern, sollten noch dringende betriebliche Gründe oder Urlaubswünsche von anderen Arbeitnehmern bestehen.

Die Gründe für eine Urlaubsverweigerung müssen also mit dem Arbeitsablauf und der Organisation zu tun haben. Das trifft auf Folgendes zu:

  • Andere Arbeitnehmer fallen aufgrund von Krankheit aus
  • Es gibt festgelegte Betriebsferien
  • Es besteht ein erhöhtes Arbeitsaufkommen, etwa zur Urlaubszeit oder zum Jahresende
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Nina Schnoor

Ich bin als Junior PR Managerin für die Produkte Gehalt.de und Compensation Partner bei PersonalMarkt in Hamburg beschäftigt. Zusammen mit meinem Team aus der Abteilung „PR und Kommunikation“ versorge ich die Online- und Offline-Medien regelmäßig mit aktuellen Studien, die sich um die Themen Gehalt und Karriere drehen. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die interne Kommunikation im Unternehmen.

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