Ausbildung zum Brauer und Mälzer - Interview mit Maximilian Kuntze

Maximilian Kuntze wurde im BWL-Studium nicht glücklich und entschied sich dagegen, dass Studium trotzdem weiterzumachen oder das Studienfach zu wechseln. Stattdessen startete er eine Ausbildung. Seit August befindet er sich in einer Ausbildung zum Brauer und Mälzer beim Familienunternehmen Welde. Wir haben uns mit ihm unterhalten und herausfinden können, wie es dazu kam, wie man sich eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer vorzustellen hat und wie sein weiterer beruflicher Plan aussieht.

Ausbildungsnavigator: Viele Berufswünsche ergeben sich, wenn man selbst noch zur Schule geht. Wie war das bei dir? Wusstest du schon in der Schulzeit, was du später machen willst?

Maximilian Kuntze: Nein, in der Schulzeit hatte ich noch überhaupt keine Vorstellung, was ich später mal machen will. Ich habe schon 2013 Abi gemacht und habe dann ein halbes Jahr work & travel in Australien gemacht. Als ich dann wieder in Deutschland war, habe ich zwei Semester BWL (International Management mit Schwerpunkt Osteuropa) studiert. Nach dem zweiten Semester habe ich aber gemerkt, dass das eigentlich nichts für mich ist. Es war mir einfach zu viel Theorie und reines Auswendiglernen. Ich wollte lieber etwas lernen, wo ich mein Wissen auch direkt anwenden kann. Und das war bei BWL für mich nicht gegeben.

Was sagst du im Nachhinein zu dem halben Jahr Australien, und was hat dir das gebracht?

Das halbe Jahr in Australien war super. Ich habe viele gute Erfahrungen gesammelt. Es waren zwar auch ein paar nicht so gute dabei, im Endeffekt war es das aber auf jeden Fall wert. Nach dem Abitur ein work & travel-Angebot zu nutzen, kann ich jedem nur empfehlen. Australien ist ein schönes Land, und ich habe dort einige Menschen aus anderen Nationen kennengelernt. Bei Kirschen pflücken und Trauben ernten verdient man zwar nicht das ganz große Geld, doch das Zusammenleben mit Menschen aus der ganzen Welt war wirklich eine tolle Erfahrung.

Und wie bist du dann bei der Brauerei Welde gelandet?

Ich habe bei der Brauerei erstmal nur ein Praktikum gemacht. Eigentlich wollte ich nämlich direkt Brauereiwesen studieren, wofür man ein dreimonatiges Vorpraktikum benötigt. Während dem Praktikum haben mir die Braumeister empfohlen, zuerst eine Ausbildung zu machen. Ohne Ausbildung trifft man beim Studium auf viel Theorie und der Bezug zur Anwendung fehlt. Die Ausbildung davor ist ein guter Start, um dann noch ein Studium draufzusetzen. Ich kenne ja dann die Praxis und wie ich die Theorie in die Praxis umsetzen kann.

Wie kamst du zu der Idee, in einer Brauerei arbeiten zu wollen?

Ich hatte den Gedanken schon immer im Hinterkopf. Ich dachte mir „Brauer zu werden, das wäre doch eine coole Sache“. Und ich hatte Interesse an Bier und wollte schon immer wissen wie das Bier eigentlich und die verschiedenen Sorten zustande kommen und wie man braut. Eine Antwort auf die Frage zu wissen, warum jedes Bier unterschiedlich schmeckt, gefällt mir.

Wieso hast du dann trotzdem erstmal den Weg über BWL gewählt?

Ich dachte, wenn ich jetzt schon mein Abitur habe, muss ich auch studieren. So wurde es einem auch schon immer in der Schule erzählt. Es gab in der Schule viele Studienvorbereitungen, über mögliche Ausbildungen wurde gar nicht so oft gesprochen.

Gab es ein Vorstellungsgespräch für dein Praktikum?

Ja, ich habe mich erstmal schriftlich beim Braumeister beworben und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das Vorstellungsgespräch ging ungefähr eine Stunde. Wir haben uns unterhalten, und er hat mir einige Fragen gestellt.

Hattest du dich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet?

Vorbereitet habe ich mich insoweit, dass ich im Internet einiges über die Brauerei gelesen habe. Zufälligerweise gab es in Mannheim im Technikmuseum gerade eine Ausstellung zu 500 Jahren Reinheitsgebot. Das habe ich mir direkt mal angeschaut.

Wie waren deine ersten Tage in deinem Betrieb? Was waren deine Aufgaben in der Anfangszeit?

In den ersten paar Wochen wurde mir erstmal vieles gezeigt. Es war alles neu für mich und ich habe einen anderen Azubi begleitet. Teilweise war ich aber auch mit einem der Braumeister unterwegs. Ziel war es, mir relativ schnell eigene Aufgaben zu geben. Die erste richtige Aufgabe war dann eine Lagertankreinigung. Hier bin ich dann in einen alten liegenden Lagertank reingeklettert und habe ihn ausgeschrubbt und auch von außen saubergemacht.

War die Ausbildung groß anders als die Studienzeit? Was hat sich hier für dich verändert?

In der Ausbildung kann ich schon selbst- und eigenständig arbeiten. Ich bewege mich auch ziemlich viel und sitze nicht nur wie im Studium den ganzen Tag in der Uni, höre einem Dozenten zu und lerne dann noch zu Hause am Schreibtisch. Das ist so der große Unterschied. Dazu kommt, dass die Arbeitszeiten in einer Brauerei gewöhnungsbedürftig sind. Dadurch dass wir schon um 6:30 Uhr anfangen und ich nicht direkt neben der Brauerei wohne, muss ich schon um 5:00 Uhr aufstehen. Der Arbeitstag geht dann so bis 16:30 Uhr. Wir haben zwei Pausen á 30 Minuten für Frühstück und Mittagsessen. Es ist auf jeden Fall ziemlich anstrengend und abends bin ich meistens schon recht müde. Freitags haben wir allerdings schon im 12:00 Uhr frei. Da haben wir dann fast schon ein längeres Wochenende, was sehr schön ist.

Wie sieht jetzt nach vier Monaten ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ich werde momentan noch im Sudhaus eingelernt. Von Montag bis Mittwoch beginnt ein typischer Arbeitstag mit dem Ausschlagen. Beim Ausschlagen nehme ich vom fertiggekochten Sud eine kleine Probe und bestimmt die Stammwürze dessen, um zu schauen, ob der Sud richtig gekocht ist. In den nächsten 2-3 Stunden gibt es ein paar tägliche Arbeiten. Ich prüfe die Wasserwerte, den pH-Wert und die Wasserhärte. Dann schaue ich, ob die Reinigungsanlage in Ordnung ist und die Säure- und Laugenkonzentration noch stimmt. Im Anschluss stelle ich den Hopfen für den Tagessud bereit und muss ggf. neuen aus dem Hopfenlager holen. Donnerstag und Freitag sind meistens die Reinigungstage. Hier haben alle sehr viel zu tun, da das Sudhaus von oben bis unten gereinigt werden muss. Das fängt beim Putzen der Schroterei an und hört beim Fegen auf.

Wann hast du Berufsschule? Und wie kann man sich den Unterricht vorstellen?

Wir haben Blockunterricht, allerdings war ich noch gar nicht in der Schule. Meinen ersten sechswöchigen Block werde ich am 12. Dezember 2016 haben. Die Berufsschule ist in Ulm. Dort ist die einzige Berufsschule Südwestdeutschlands. In ganz Deutschland gibt es nur noch 2 oder 3 andere. Ich wohne dann für die Zeit in einem Internat in der Nähe der Schule. Ich wohne dort hauptsächlich mit anderen Brauern, aber auch mit Maurern und Schornsteinfegern. In den Klassen sind dann so 20-25 Schüler. Der Unterricht ist vergleichbar mit der Schule. Ich habe Fächer wie Deutsch, Mathe, Englisch, Physik, Chemie, Biologie, Sport und Gemeinschaftskunde. Dann gibt es natürlich noch die Fachkunde. Hier lernen wir alles über Brauerei und Brautechnik. Die Themen wechseln jedes Jahr ein bisschen. Im ersten Block ist das erste Thema Malz. Da behandeln wir Fragen wie Malz hergestellt und verarbeitet wird. In den nächsten Blöcken geht es dann zum Beispiel um Hopfen, Ingenieurswesen und Wirtschaft.

Welche Schulfächer hältst du für den Brauerberuf für wichtig?

Wichtig ist auf jeden Fall Englisch. Englisch sollte jeder können, denn auch das Brauereiwesen wird immer internationaler. Mathe, Physik, aber auch Chemie und Biologie sind wichtig.

Es heißt, dass das Verkosten für den Brauer ein Muss ist. Wie ist deine Erfahrung?

Das Verkosten ist schon relativ wichtig. Im Endeffekt entscheidet hauptsächlich der Geschmack, ob ein Bier gut beim Kunden ankommt und gekauft wird. Meistens übernehmen das Verkosten die Braumeister. Wir haben einen drei Braumeister, die verkosten dann immer montags. Wir machen momentan aber auch relativ viel Craftbeer und da dürfen auch wir Azubis mal verkosten.

Wie sieht dein weiterer beruflicher Plan aus? Was willst du nach deiner Ausbildung machen?

Also ich habe vor danach noch den Diplom-Braumeister zu machen. Das ist ein Studium in Weihenstephan. Danach würde ich schon gerne in einer Brauerei einsteigen, im besten Fall dann auch direkt als Braumeister. Im Hinterkopf habe ich aber auch noch, irgendwann mal vielleicht eine eigene Brauerei zu haben und eigene Biere zu entwerfen. Da wird die Zeit zeigen, wie realistisch das ist.

Würdest du deinen Ausbildungsberuf weiterempfehlen wollen?

Ja, auf jeden Fall. Ich kann den Beruf jedem empfehlen, der sich für Bier interessiert und praktisch arbeiten will.

Gibt es etwas was man für den Beruf mitbringen muss?

Man muss früh aufstehen können und „harte“ Arbeit abkönnen, da man den ganzen Tag auf den Beinen ist.

Welde ist ein Familienunternehmen. Würdest du die Brauerei weiterempfehlen?

Das Unternehmen wird in der 8. Generation geführt und hat nur 40-50 Mitarbeiter, daher kennt man sich untereinander und hat mit vielen zu tun. Ich würde Welde auf jeden Fall weiterempfehlen.

Gibt es noch irgendetwas was du Schülern oder angehenden Auszubildenden mitgeben willst?

Als Abiturient muss man nicht zwangsweise studieren, sondern kann auch eine Ausbildung machen. Das sollte sich jeder genau überlegen. Wenn man sich zu der Zeit unsicher ist, kann man auch erstmal ein Studium oder eine Ausbildung anfangen. Die Möglichkeit, abzubrechen und sich etwas Neues zu suchen, geht ja immer.

Wir bedanken uns bei Maximilian Kuntze für das interessante Gespräch und die tollen Einblicke in den Alltag eines angehenden Brauer und Mälzers und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Ausbildung.

Das Interview führte Jonas Löffel für den Ausbildungsnavigator von Gelbe Seiten.