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Wie hoch sind die Gehälter in Deutschland? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, erstellen unsere Analysten von GEHALT.de jedes Jahr einen Gehaltsatlas für die Bundesrepublik. Hierfür wurden 2018 insgesamt 750.848 Gehaltsdaten untersucht. So konnten wir ermitteln, in welchen Teilen Deutschlands die niedrigsten beziehungsweise die höchsten Gehälter gezahlt werden. 

Dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für ebenbürtige Tätigkeiten und Leistungen überall gleich bezahlt werden ist utopisch, denn die Gehälter werden in Deutschland ganz vielschichtig beeinflusst. Vor allem der Regionalfaktor spielt hier eine große Rolle. In unserem Gehaltsatlas 2018 haben wir diesen und weitere Einflüsse, wie zum Beispiel die Branche und die unbereinigte Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern, berücksichtigt.

Gründe für die abweichenden Regionalfaktoren sind unterschiedliche Lebenshaltungskosten, hohe oder niedrige Mietpreise, die Kapitalstärke sowie die Anzahl der Unternehmen in einer Region – so werden die Gehälter in die Höhe getrieben beziehungsweise niedrig gehalten. In den neuen Bundesländern sind beispielsweise überwiegend kleine und mittelgroße Unternehmen vertreten, die ihren Angestellten nicht das gleiche Gehalt wie große Unternehmen zahlen können. So darf sich ein Angestellter in Hessen über durchschnittlich 39,2 Prozent mehr Einkommen freuen als ein Beschäftigter in Mecklenburg-Vorpommern.

Glück für alle Beschäftigten aus Hessen

An der Spitze des Regionenvergleichs steht Hessen. Hier liegt das Lohnniveau 12,7 Prozent über dem Durchschnittseinkommen der gesamten Bundesrepublik. Östliche Bundesländer wie Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern belegen die letzten Plätze und liegen fast 30 Prozent darunter. Auf dem elften Platz befindet sich -mit deutlichem Abstand vor den neuen Bundesländern- Schleswig-Holstein mit 87,8 Prozent.

Stuttgarter Beschäftigte dürfen sich freuen

Stuttgart schneidet im Vergleich der Landeshauptstädte am besten ab: Hier liegt das Lohnniveau bei 127,6 Prozent. Es folgen die Städte München (126,1 Prozent) und Düsseldorf (118,5 Prozent). Verhältnismäßig wenig bekommen Angestellte in Schwerin (76,1 Prozent), Erfurt (80,4 Prozent) und Potsdam (80,64 Prozent).

Auffällig ist, dass in allen Auswertungen der Osten Deutschlands schlechter abschneidet, was unter anderem auf das Ost-West-Gefälle zurück zu führen ist. Ein Sonderfall ist unsere Hauptstadt Berlin. Solltet ihr auf der Suche nach einer Stelle in einem innovativen und jungen Unternehmen sein, ist Berlin eure Stadt. Sie gilt als Startup-Hochburg und übt eine starke Anziehungskraft auf junge Menschen aus.

Hinsichtlich des Gehalts ist Hessen für Berufseinsteiger besonders lukrativ. Das Einstiegsgehalt für Akademiker liegt hier bei durchschnittlich 51.500 Euro. Nach Abschluss einer Ausbildung bekommen Beschäftigte zum Karrierestart circa 33.500 Euro jährlich. Auch in diesem Fall gehen Angestellte aus östlichen Bundesländern wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern verhältnismäßig leer aus: Berufseinsteiger, die ein Studium abgeschlossen haben bekommen 33.600 Euro. Bei den Beschäftigten mit absolvierter Ausbildung sind es 21.800 Euro.

In den meisten unserer Auswertungen berücksichtigen wir die unbereinigte Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern. Unbereinigt bedeutet, dass viele strukturelle Faktoren zur Angleichung der Profile nicht berücksichtigt wurden. Die Ergebnisse sind daher als eine grobe Orientierung zu verstehen. Zu den Bundesländern mit der geringsten Entgeltlücke zählen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. In Baden-Württemberg hingegen übersteigen die Gehälter der Männer die der Frauen um 27 Prozent. Offiziell liegt die Entgeltlücke in Deutschland bei 22 Prozent, wobei hier keine wichtigen strukturellen Faktoren, wie zum Beispiel Erwerbsunterbrechungen, berücksichtigt wurden.

Ihr müsst jetzt nicht nach Stuttgart oder Hessen ziehen! Bekanntlich führen ja viele Wege nach Rom, daher beeinflusst nicht nur der Regionalfaktor das Gehalt. Solltet ihr also mit eurem Einkommen unzufrieden sein, müsst ihr nicht gleich die Umzugskartons packen und nach Stuttgart oder Hessen pilgern – denn auch die Unternehmensgröße hat einen erheblichen Einfluss auf das Gehalt. In großen Unternehmen mit über 1.001 Mitarbeitern beziehen Arbeitnehmer ein Entgelt, das teilweise doppelt so hoch sein kann wie das in einer kleinen Firma. Beispielsweise liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Angestellten in einem Unternehmen mit über 1.001 Angestellten bei circa 62.700 Euro – in einem kleinen Unternehmen mit maximal 20 Mitarbeitern hingegen bei knapp 35.400 Euro. Aber vergesst dabei nicht, dass auch kleine Unternehmen einiges zu bieten haben: Beschäftigte können sehr schnell mehr Verantwortung übernehmen und einen breiten Erfahrungshintergrund aufbauen.

Laut unserer Auswertung erhalten Oberärzte ein Einkommen von circa 121.200 Euro und belegen damit den ersten Platz unter den Angestellten, die keine Personalverantwortung tragen. Beschäftigte im Zimmerservice bekommen mit 20.600 Euro im Jahr rund 100.000 Euro weniger. Den zweiten und dritten Platz -hinter dem Oberarzt beziehungsweise der Oberärztin- belegen der Facharzt, beziehungsweise die Fachärztin (rund 82.400 Euro) und der Fondsmanager/-in mit 84.000 Euro.

Zum Vergleich: 20.600 Euro und somit knapp 100.000 Euro weniger verdienen Beschäftigte im Zimmerservice. Etwas besser als im Zimmerservice werden Angestellte bezahlt, die in Restaurants oder Küchen tätig sind (circa 21.300 Euro). Knapp darüber liegt das Gehalt einer Friseurin oder das eines Friseurs mit 22.800 Euro.

Lohnt sich vielleicht ein Branchenwechsel?

Für jedes Bundesland lassen sich zudem Top- und Flop-Branchen ermitteln. In Berlin werden beispielsweise Beschäftigte aus der Biotechnologie mit 67.500 Euro besonders gut bezahlt. Das Bankenwesen liegt mit 65.400 Euro in Hamburg ganz weit vorne. Auffallend schlecht schneiden Beschäftigte in Gaststätten und Hotels ab: Beschäftigte aus Schleswig-Holstein (24.200 Euro), Thüringen (24.700 Euro) sowie aus Baden-Württemberg (28.600 Euro) beziehen hier ein niedriges Gehalt.

Mit einem Umzug ist es also nicht getan – denn es gibt viele Faktoren, die das Gehalt beeinflussen. Dazu zählen neben der Region auch der Bildungshintergrund eines Angestellten, die Größe des Unternehmens und die Branche. Wer sich ein höheres Gehalt wünscht, sollte demnach alle Faktoren berücksichtigen.

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Nina Schnoor

Ich bin als Junior PR Managerin für die Produkte Gehalt.de und Compensation Partner bei PersonalMarkt in Hamburg beschäftigt. Zusammen mit meinem Team aus der Abteilung „PR und Kommunikation“ versorge ich die Online- und Offline-Medien regelmäßig mit aktuellen Studien, die sich um die Themen Gehalt und Karriere drehen. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die interne Kommunikation im Unternehmen.

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