Einstellungstest, klassisches Vorstellungsgespräch oder Assessment Center - Mein Erfahrungsbericht

Das Auswahlverfahren für einen passenden Bewerber kann von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich aussehen. Während meiner Ausbildungssuche konnte ich verschiedene Arten von Vorstellungsgesprächen kennenlernen und mir ein Urteil bilden.

Mit deiner Ausbildungssuche kommen viele Stationen auf dich zu. Nachdem du dich über einen passenden Ausbildungsberuf und geeignete Arbeitgeber informiert hast, folgt das Schreiben deiner Bewerbungen. Hast du deine Bewerbungen verschickt, kommt die schwerste Etappe auf dich zu: Das Warten.

Du wirst feststellen, dass sich nicht alle Unternehmen die Mühe machen dir eine Rückmeldung zu geben. Manchmal musst du nach einer gewissen Zeit noch einmal nachfragen, oder auch feststellen, dass du nicht in die engere Auswahl gekommen bist.

Doch mit ein wenig Glück hast du bald eine Einladung mit den Worten „wir würden Sie gerne näher kennenlernen“ erhalten.

Diese Station des „Kennenlernens“ kann ganz unterschiedlich ablaufen. Im Folgenden stelle ich dir drei Versionen, die ich selbst durchlaufen konnte, vor.

Das klassische Vorstellungsgespräch

Wohl das bekannteste und einfachste Verfahren für eine Vorstellungsrunde. Häufig läuft es wie ein Interview ab. Der Arbeitgeber stellt die Fragen, der Bewerber beantwortet sie.

Oft soll der Bewerber zunächst etwas über sich und seinen schulischen, sowie beruflichen Werdegang erzählen. Dann muss er begründen, warum gerade er geeignet für die freie Stelle ist und erklären warum das Unternehmen und die Stelle interessant für ihn sind. Im Anschluss können die verschiedensten Fragen gestellt werden.

Für mich waren diese Art von Bewerbungsgesprächen immer die angenehmsten. Ich hatte das Gefühl, dass mein Gegenüber mich tatsächlich kennenlernen wollte und keine Liste mit Punkten, die ich erfüllen sollte, abarbeitete. Durch den Gesprächscharakter hatte ich nicht dieses beklemmende Gefühl auf die Probe gestellt zu werden, ob ich unter extremen Stresssituationen ganz gelassen reagiere.

Natürlich steht man bei einem Bewerbungsgespräch immer unter Stress, aber bei dieser Art des Vorstellungsgesprächs wird kein zusätzlicher Stress mehr aufgebaut, sodass der Bewerber nach einiger Zeit ruhiger werden kann. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass der Bewerber sich sowohl unter Stress als auch unter normalen Bedingungen präsentieren kann. Daher finde ich das klassische Vorstellungsgespräch am sinnvollsten.

Der Einstellungstest

Stifte raus, Klassentest. So oder so ähnlich ließe sich wohl der Einstellungstest beschreiben. Der Bewerber schreibt einen Test. Die Themen können Mathekenntnisse, Sprachkenntnisse, branchenspezifische Kenntnisse oder auch persönliche Qualifikationen sein.

Häufig werden hier mehrere Bewerber eingeladen, die alle zusammen in einem Raum an einem Test teilnehmen. Die Blätter werden ausgehändigt und dann heißt es Stille und Konzentration. Danach geht jeder Bewerber wieder seiner Wege. Entweder mit einem mulmigen oder einem guten Gefühl im Magen.

Einstellungstests werden oft von Unternehmen mit sehr vielen Bewerbern durchgeführt um eine bessere Vorauswahl treffen zu können.

Für mich stellt sich hierbei die Frage, wie aussagekräftig so ein Test eigentlich ist. Ich habe mich bei solchen Tests nie besonders wohl gefühlt. Denn meistens konnte man sich nicht darauf vorbereiten. Es ist nicht wie bei einem Klassentest. Es gibt keinen Lehrer, der dir sagt welche der behandelten Themen abgefragt werden. Es hat mich immer sehr verunsichert unvorbereitet in einen Test zu gehen, sodass ich, selbst wenn es sehr gut lief, immer mit einem schlechten Gefühl nach Hause ging.

Sicherlich fragen diese Tests Kenntnisse ab, die ein Bewerber auf jeden Fall mitbringen sollte. Zudem lässt sich durch Persönlichkeitstests herausfinden, ob der Bewerber zu dem Unternehmen passt. Allerdings bin ich der Meinung, dass man einen Menschen nur durch ein Gespräch wirklich kennenlernen kann und dass ein Blatt mit Antworten zu vorgefertigten Fragen nur sehr wenig über eine Person aussagt. Die Bewerber stehen bei einem Vorstellungsgespräch unter großem Druck und der Klassenarbeitscharakter des Einstellungstests erhöht diesen Druck nur unnötig.

Das Assessment-Center

Ein immer häufiger verwendetes Verfahren, dass in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr Anklang gewinnt, da der Bewerber in kurzer Zeit viele Bewerbungsstufen durchläuft.

Jedes Assessment-Center kann anders aussehen. Meistens werden mehrere Bewerber zu einem Tag im Unternehmen eingeladen, an dem sie verschiedene Stufen durchlaufen. Die gängigen Methoden sind Vorstellungsrunden, Präsentationen, Gruppenarbeiten und Einstellungstests. Alles an einem Tag.

Ich persönlich habe sowohl negative als auch positive Erfahrungen mit dieser Art von Vorstellungsprächen gemacht. Es gab Assessment-Center, bei denen ich das Gefühl hatte, dass es während der Gruppenarbeitsphase insbesondere darauf ankam, sich mit allen Mitteln in den Vordergrund zu drängen und zur Not auch die Ellbogen auszufahren. Dann wurde bei einigen Unternehmen künstlich besonders viel Stress aufgebaut, der die Teilnehmer völlig aus dem Konzept brachte, sodass sich niemand wirklich gut präsentieren konnte und alle mit Kopfschmerzen nach Hause gingen. Einmal nahm ich während des Prozesses auch noch an einem Persönlichkeitstest teil, in dem mir Fragen wie „Finden Sie es okay Ihren Vorgesetzten zu bestehlen?“ gestellt wurden. Ich muss zugeben, dass mir das ein wenig lächerlich vorkam.

Aber ich habe auch positive Erfahrungen gemacht. Wenn die Teilnehmer nicht unnötig unter Druck gesetzt werden und nicht den Eindruck vermittelt bekommen, dass es hilfreich ist am lautesten „hier bin ich“ zu schreien, wenn die schulischen Kenntnisse und das Allgemeinwissen getestet werden und ein lockeres Gespräch geführt wird, um die Teilnehmer besser kennen zu lernen, dann ist ein Assessment-Center wirklich aussagekräftig.

Meiner Meinung nach, kann es also entweder helfen die Bewerber richtig kennen zu lernen, oder aber einfach nur zeigen, wie sich Menschen in extremen Stresssituationen verhalten, ohne dabei ihre sonstigen Stärken und Qualifikationen zu berücksichtigen.

Fazit

Wie du siehst, gibt es also sehr verschiedene Arten von Vorstellungsgesprächen die während deiner Bewerbungsphase auf dich zukommen können. Bei welchem man sich am wohlsten fühlt ist von Typ zu Typ unterschiedlich. Wichtig ist, dass du versuchst du selbst zu sein. Denn wenn du dich verstellst, wirst du sicherlich nicht glücklich in deiner Ausbildung.

Und wenn du jetzt die Einladung zu einem Gespräch bekommst, musst du keine Panik mehr haben. Nun kennst du ja schon drei mögliche Situationen die auf dich zukommen könnten.

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Tassja Wagner

Ich bin Tassja Wagner, seit 2014 Auszubildende Medienkauffrau Digital und Print bei der Sutter Telefonbuchverlag GmbH. Nach meinem Abitur war mir schon klar, dass ich gerne in den Bereich Medien und Kommunikation gehen würde. Daher begann ich ein Germanistik Studium.

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