Wann ist eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer möglich?
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Wann ist eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer möglich?

Angestellte müssen sich im Normalfall an Kündigungsfristen halten, wenn sie ihren Job aufgeben wollen. Doch unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer möglich. Welche Gründe dafür infrage kommen, lesen Sie hier.

Gesetzliche und vertragliche Kündigungsfristen

Kündigungsfristen gelten nicht nur für Arbeitgeber – auch Arbeitnehmer dürfen ohne triftigen Grund nicht von heute auf morgen ihren Betrieb verlassen. Im Gesetz ist eine Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende des Monats vorgesehen. Es ist aber gut möglich, dass in Ihrem Arbeitsvertrag eine längere Kündigungsfrist festgeschrieben ist. Das ist rechtens: Die gesetzliche Kündigungsfrist darf verlängert werden, die Vereinbarung einer kürzeren Kündigungsfrist ist allerdings verboten.

Sollten Sie Ihren Arbeitgeber vor Ablauf der geltenden Kündigungsfrist verlassen wollen, müssen Sie auf sein Entgegenkommen hoffen oder Resturlaub und den Abbau von Überstunden geltend machen. Möglicherweise kommt es dem Unternehmen sogar gerade entgegen, Ihr Gehalt einsparen zu können. Oder Ihr Chef lässt Sie aufgrund Ihrer Verdienste für die Firma vor Ablauf der Frist ziehen. 

Unter gewissen Voraussetzungen müssen Sie die Kündigungsfrist jedoch nicht einhalten und können außerordentlich – also ungeachtet der geltenden Regelung – kündigen. Dabei endet das Arbeitsverhältnis in der Regel mit sofortiger Wirkung. Möglich ist dies allerdings nur in sehr wenigen Fällen.

Diese Gründe erlauben eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

Eine fristlose Kündigung ist nur zulässig, wenn wichtige Gründe vorliegen, die es für den Angestellten unzumutbar machen, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Das ist in § 626 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelt. Gründe die eine außerordentliche Kündigung legitimieren sind unter anderem:

  • Beleidigung und aggressives Verhalten durch den Arbeitgeber,
  • Mobbing,
  • Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz,
  • sexuelle Belästigung, rassistische Äußerungen oder andere Diskriminierungen seitens des Arbeitgebers,
  • Verlangen einer Straftat,
  • regelmäßige und willkürliche Verweigerung von Urlaub,
  • wiederholt ausbleibender Lohn trotz erfolgter Abmahnung und Fristsetzung zur Zahlung.

Daneben kann es weitere Gründe geben, die es unzumutbar machen, seinem Job weiter nachzugehen. Andersherum sind die aufgeführten Gründe nicht per se ausreichend, um direkt fristlos zu kündigen. 

Es kommt immer auf die jeweiligen Umstände an. Die Verstöße müssen so schwerwiegend sein, dass auch ein Gericht eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses für unzumutbar befindet. Fügt Ihnen der Arbeitgeber absichtlich einen körperlichen Schaden zu, ist die Sache recht eindeutig, bei Diskriminierung kann es schon schwieriger sein. Ziehen Sie deshalb unbedingt einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzu. Er kann einschätzen, ob die Gründe in Ihrem individuellen Fall eine fristlose Kündigung rechtfertigen. 

Der schwerwiegende Grund muss im Übrigen nicht unmittelbar dem Arbeitgeber anzulasten sein. Wer beispielsweise Mobbing-Opfer von mehreren Kollegen ist, kann gegebenenfalls auch eine fristlose Kündigung in Erwägung ziehen.

Sexuelle Belästigung durch den Arbeitgeber ist ein fristloser Kündigungsgrund. 
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Sexuelle Belästigung durch den Arbeitgeber ist ein fristloser Kündigungsgrund. 

Frist bei außerordentlicher Kündigung beachten

Die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer muss in jedem Fall innerhalb von zwei Wochen schriftlich erfolgen, nachdem der Grund dafür eingetreten ist, beziehungsweise vom Mitarbeiter bemerkt wurde. Denn wenn die Arbeit wirklich unzumutbar ist, darf der Mitarbeiter die Zustände nicht erst noch über einen längeren Zeitraum tolerieren. Deshalb sollten Sie unbedingt darauf achten, dass der Zugang der Kündigung später nachgewiesen werden kann, etwa per Einschreiben mit Rückschein oder persönlicher Übergabe vor Zeugen. 

Grundsätzlich ist die fristlose Kündigung immer nur der letzte Ausweg, wenn es tatsächlich keine andere Lösung für das Problem gibt. Daher kann es erforderlich sein, dass Sie den Arbeitgeber zunächst einmal auf die Missstände hinweisen müssen – zum Beispiel, wenn Vorgaben zum Arbeitsschutz nicht eingehalten werden. Erst wenn er sich weigert, sie zu beheben, können Sie außerordentlich kündigen. Auch ausbleibende Gehaltszahlungen müssen Sie zunächst anmahnen./p>

Kündigt der Arbeitnehmer aufgrund von Gehaltsrückständen fristlos, hat er gegenüber dem Arbeitgeber zusätzlich einen Anspruch auf Schadensersatz. Dieser umfasst zum einen den Ersatz der ausgebliebenen Vergütung bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist, zum anderen die Zahlung einer Abfindung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes.

Auch wenn Sie außerordentlich kündigen wollen haben Sie eine Frist zu beachten. 
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Auch wenn Sie außerordentlich kündigen wollen haben Sie eine Frist zu beachten. 

Bei eigenmächtigem Fernbleiben droht Schadenersatzleistung

Wesentlich häufiger als mit den oben genannten Gründen hängt der Wunsch nach einer fristlosen Kündigung des Arbeitnehmers allerdings mit einem geplanten Jobwechsel zusammen. Dieses Vorhaben rechtfertigt jedoch keine fristlose Kündigung. 

Bleibt der Mitarbeiter dem bisherigen Arbeitgeber vor Fristende eigenmächtig fern, kann er selbst zu Schadensersatzzahlungen verpflichtet werden. Denn der Arbeitgeber muss unter Umständen Leiharbeiter beschäftigen, Produktionsausfälle verschmerzen oder hat höhere Kosten für die eilige Rekrutierung neuen Personals.

Lassen Sie sich vor einer fristlosen Kündigung beraten

Generell gilt: Sollten Sie eine außerordentliche Kündigung in Betracht ziehen, ist es sinnvoll, sich vorher durch einen Anwalt oder einen anderen Rechtsbeistand beraten zu lassen. Auch bei der Agentur für Arbeit sollten Sie sich vor einer fristlosen Kündigung melden, da eine Eigenkündigung eine Sperre des Arbeitslosengeldes für zwölf Wochen zur Folge haben kann. Muster für die fristlose Kündigung als Arbeitnehmer finden Sie kostenlos im Internet.

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