Kündigungsfristen für Arbeitnehmer
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Kündigungsfristen für Arbeitnehmer

Wenn ein Arbeitnehmer seinen Job kündigen möchte, kann er das in der Regel nicht von heute auf morgen machen. Er muss sich – genau wie der Arbeitgeber auch – an Fristen halten. Wie diese geregelt sind und welche Zeiträume üblich sind, lesen Sie in diesem Ratgeber.

Kündigungsfristen können im Gesetz oder in Verträgen geregelt sein

Es gibt drei Möglichkeiten, wo die für Sie geltende Kündigungsfrist geregelt sein kann:

  • im Arbeitsvertrag,
  • im Tarifvertrag oder 
  • in § 622 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Im BGB ist die sogenannte gesetzliche Kündigungsfrist festgelegt. Für Arbeitnehmer beträgt sie 28 Tage, entweder zum 15. eines Monats oder zumMonatsende. Diese Frist gilt, solange im Arbeits- oder Tarifvertrag keine abweichende Regelung vereinbart wurde, die zulässig ist.

In den meisten Fällen ist die Kündigungsfrist allerdings vertraglich geregelt. Oft fällt sie dabei länger aus, als es § 622 BGB vorsieht. Insbesondere bei Führungskräften und gehobenen Positionen. Hier gilt häufig Kündigungsfrist von drei Monaten. Das ist rechtens, wenn dabei bestimmte Vorschriften beachtet wurden.

Bei der Festsetzung der Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag gilt: 

  • Die Frist für die Kündigung durch den Arbeitnehmer darf nicht länger sein als die für den Arbeitgeber. 
  • Die in Arbeitsverträgen vereinbarte Frist darf nicht kürzer sein als die gesetzliche Kündigungsfrist. Ausnahme: Kleinbetriebe, mit maximal 20 Arbeitnehmern sowie Aushilfstätigkeiten, die einen Zeitraum von drei Monaten nicht überschreiten. Für Tarifverträge gilt das nicht: Hier kann die Kündigungsfrist unter der gesetzlichen Frist liegen.
  • Gibt es in Tarif- und Arbeitsvertrag abweichende Regelungen zur Kündigungsfrist, gilt die für den Arbeitnehmer günstigere.
In § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches sind die Kündigungsfristen geregelt. 
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In § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches sind die Kündigungsfristen geregelt. 

So wird die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer berechnet

Wechselwillige Arbeitnehmer sind häufig unsicher, ab welchem Datum die Kündigungsfrist beginnt. Das auf dem Kündigungsschreiben? Das des Poststempels? Das des Eingangsstempels? Der Tag, an dem der Chef das Schreiben tatsächlich liest? Das Datum kann vor allem dann entscheidend werden, wenn Sie Ihre Kündigung am Monatsende abgeben. Dann kann ein Tag früher oder später darüber entscheiden, ob Sie einen oder sogar mehrere Monate früher oder später aus Ihrem Arbeitsvertrag kommen.

Das Datum auf dem Kündigungsschreiben selbst ist komplett irrelevant. Sie können Ihre Kündigung also nicht einfach zurückdatieren, um die Frist zu wahren. Entscheidend ist, wann der Arbeitgeber theoretisch die Möglichkeit hatte, von Ihrer Kündigung Kenntnis zu nehmen. 

Die Kündigungsfrist läuft spätestens ab dem nächsten Werktag nachdem der Arbeitgeber die Kündigung erhalten hat. Dann hatte er nämlich theoretisch die Möglichkeit, davon Kenntnis zu nehmen – ob er das tatsächlich getan hat, ist egal. Der Tag des Eingangs der Kündigung gemäß § 187 BGB nicht mitgezählt.

Gilt eine Frist von einem Monat zum Monatsende, muss die Kündigung spätestens Monatsletzten zu Geschäftszeiten beim Arbeitgeber eingegangen sein, damit das Arbeitsverhältnis am letzten Tag des folgenden Monats endet. Trifft die Kündigung hingegen erst am ersten Tag des neuen Monats ein, muss der Arbeitnehmer noch zwei Monate beim alten Arbeitgeber bleiben. Wichtig dabei: Es macht einen Unterschied, ob in der Klausel „vier Wochen zum Monatsende“ oder „ein Monat zum Monatsende“ steht. Bei vier Wochen zum Monatsende haben Sie im Regelfall ein paar Tage mehr Zeit.

Kündigungsfrist in der Probezeit und in langen Arbeitsverhältnissen

In der Probezeit, jedoch längstens für die Dauer von sechs Monaten, beträgt die Kündigungsfrist für beide Seiten – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer – laut Gesetz zwei Wochen. Bei langjährigen Mitarbeitern muss zumindest der Arbeitgeber nach § 622 BGB längere Kündigungsfristen einhalten. Die gesetzliche Kündigungsfrist verlängert sich folgendermaßen:

  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 2 Jahren: 1 Monat zum Ende des Kalendermonats.
  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 5 Jahren: 2 Monate zum Ende des Kalendermonats.
  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 8 Jahren: 3 Monate zum Ende des Kalendermonats.
  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 10 Jahren: 4 Monate zum Ende des Kalendermonats.
  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 12 Jahren: 5 Monate zum Ende des Kalendermonats.
  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 15 Jahren: 6 Monate zum Ende des Kalendermonats.
  • Bei einem Arbeitsverhältnis von mindestens 20 Jahren: 7 Monate zum Ende des Kalendermonats.

Für Arbeitnehmer sieht das Gesetz keine automatische Verlängerung der Kündigungsfrist vor. Häufig wird in Arbeitsverträgen jedoch vereinbart, dass die gesetzliche Verlängerung für beide Seiten gilt. Das ist zulässig.

Eine Kündigung durch den Arbeitnehmer muss schriftlich erfolgen. 
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Eine Kündigung durch den Arbeitnehmer muss schriftlich erfolgen. 

Ausnahme: Fristlose Kündigung des Arbeitnehmers 

Fristlos kann ein Arbeitnehmer den Job nur kündigen, wenn ein sogernannter „wichtiger Grund“ vorliegt. Dieser kann beispielsweise eine ausbleibende oder unvollständige Lohnzahlung über einen längeren Zeitraum sein, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder die Gefährdung der Gesundheit, sollte der Job weiter ausgeübt werden. Die Aussicht auf eine besser bezahlte Stelle bei einem anderen Arbeitgeber zählt hingegen nicht als wichtiger Grund.

Studieren Sie Ihren Arbeitsvertrag genau, bevor Sie kündigen. 
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Studieren Sie Ihren Arbeitsvertrag genau, bevor Sie kündigen. 

Kündigungsfrist nicht eingehalten: Mögliche Konsequenzen

Wer sich nicht an die geltende Kündigungsfrist hält, muss mit Konsequenzen rechnen – das gilt natürlich auch für Arbeitnehmer. Erscheint dieser einfach nicht mehr bei der Arbeit, obwohl sein Arbeitsvertrag noch läuft, verstößt er gegen seine vertraglichen Pflichten. Der Arbeitgeber muss ihm dann kein Gehalt mehr zahlen und kann möglicherweise sogar Schadenersatz fordern. Den erlittenen Schaden muss die Firma allerdings nachweisen, was in der Praxis oft nicht ganz einfach ist. Darüber hinaus kann der Arbeitgeber auf Unterlassen der Arbeit klagen, wenn der ihm vertraglich noch verpflichtete Mitarbeiter bereits für einen Konkurrenten tätig ist.

Arbeitsvertrag auf Vertragsstrafe prüfen

Aber auch ohne Schadenersatzforderung durch den alten Arbeitgeber kann es für scheidende Arbeitnehmer teuer werden, wenn sie Ihre Kündigungsfrist ignorieren. Nämlich dann, wenn im Arbeitsvertrag für solche Fälle eine Vertragsstrafe vereinbart wurde. Diese muss der Arbeitnehmer zahlen, wenn er vor Ablauf der Frist nicht mehr beim Arbeitgeber auftaucht. In der Regel ist die Vertragsstrafe auf den Bruttolohn begrenzt, den der Arbeitnehmer für die Zeit bis zum Ende der Kündigungsfrist erhalten würde.

Wenn Sie frühzeitig aus Ihrem Arbeitsvertrag möchten, kann ein sachliches Gespräch mit dem Chef helfen. Wenn es die betrieblichen Abläufe zulassen, lassen sich manche Arbeitgeber auf eine Verkürzung der Kündigungsfrist ein und bieten Mitarbeitern einen Aufhebungsvertrag an. 

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