Kündigung wegen Krankheit: Ist das rechtens?
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Kündigung wegen Krankheit: Ist das rechtens?

Wer krank ist, darf nicht gekündigt werden – denken viele Arbeitnehmer. Eine Kündigung wegen Krankheit ist Arbeitgebern unter bestimmten Voraussetzungen aber erlaubt. Wann eine krankheitsbedingte Kündigung ausgesprochen werden kann, lesen Sie hier.

Gelegentliche Krankheitstage gehören in deutschen Unternehmen zum Arbeitsalltag 

Fast jeder Arbeitnehmer fällt im Laufe eines Jahres einige Tage krankheitsbedingt aus und kann seiner beruflichen Tätigkeit dann nicht nachgehen. Laut Daten des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2018 durchschnittlich 10,6 Arbeitstage krankgemeldet. Andere Studien kommen auf noch auf wesentlich höhere Zahlen.

Anders als viele vermuten, darf der Arbeitgeber einem kranken Mitarbeiter genauso kündigen wie einem gesunden – denn es gibt in Deutschland kein Gesetz, dass eine Kündigung während der Krankheitsphase verbietet. Selbst wenn das Arbeitsverhältnis unter den Kündigungsschutz fällt, kann es durch eine sogenannte personenbedingte Kündigung beendet werden. Krankheitsbedingte Kündigungen gelten dabei als häufigste Unterform dieser Kategorie. 

Und da Ausfallzeiten erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf ein Unternehmen haben können, ist manchem Arbeitgeber durchaus daran gelegen, sich von Mitarbeitern zu trennen, die oft oder dauerhaft krankgemeldet sind. Es gibt jedoch einige Voraussetzungen für eine Kündigung trotz Krankheit.

Auch kranken Arbeitnehmern kann gekündigt werden. 
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Auch kranken Arbeitnehmern kann gekündigt werden. 

Unregelmäßige Kurzzeiterkrankungen sind kein Kündigungsgrund

Arbeitnehmer, die hin und wieder kurzzeitig krank sind, haben nichts zu befürchten – sofern sie ärztliche Atteste in den vom Arbeitgeber verlangten Fällen vorlegen können. Eine Kündigung aus diesem Grund ist gemäß Kündigungsschutzgesetz (KSchG) unzulässig. 

Sollten solche kurzfristigen Erkrankungen allerdings regelmäßig vorkommen, womöglich sogar geballt an Brückentagen oder vor und nach dem Wochenende, hat der Arbeitgeber Chancen auf eine rechtsgültige Entlassung. Denn Arbeitnehmer, die sehr oft kurz fehlen, sorgen zum einen für deutliche Mehrkosten, da sie trotzdem voll weiterbezahlt werden müssen. Zudem machen sie eine betriebliche Planung extrem schwer. Dies kann eine sogenannte „erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen“ bedeuten. Und die ist eine der Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung. 

Drei Voraussetzungen für eine wirksame Kündigung im Krankheitsfall

Damit eine krankheitsbedingte Kündigung rechtens ist, müssen folgende drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Zum Kündigungszeitpunkt muss eine negative Gesundheitsprognose vorliegen, die besagt, dass die Fehlzeiten des Arbeitnehmers auf weitere Erkrankungen im bisherigen Umfang schließen lassen. Eine solche Prognose ist beispielsweise bei einer chronischen Erkrankung oder Alkoholsucht wahrscheinlich. Der Mitarbeiter kann jedoch versuchen, seinerseits eine gegenteilige, positive Prognose eines Arztes zu bekommen.
  • Aufgrund der Prognose müssen betriebliche oder wirtschaftliche Belange des Arbeitgebers erheblich beeinträchtigt sein. Störungen des Betriebsablaufs müssen belegt werden.
  • Die Interessenabwägung muss zugunsten des Arbeitgebers erfolgen. Das heißt: Das Interesse des Unternehmens an einer Kündigung muss schwerwiegender sein als das des Arbeitnehmers an einer Weiterbeschäftigung. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Familienstand und etwaige Unterhaltsverpflichtungen des Mitarbeiters, die Dauer des Arbeitsverhältnisses, eine mögliche Schwerbehinderung sowie das Alter. Auch ob die Arbeitsunfähigkeit gegebenenfalls aus Folgen eines Arbeitsunfalls resultiert, muss beachtet werden.
Wer aufgrund einer chronischen Krankheit seiner Arbeit dauerhaft nicht nachgehen kann, muss mit einer Kündigung rechnen. 
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Wer aufgrund einer chronischen Krankheit seiner Arbeit dauerhaft nicht nachgehen kann, muss mit einer Kündigung rechnen. 

Dauerhafte Erkrankungen können personenbedingte Kündigung rechtfertigen

Langzeiterkrankungen und vor allem die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit können eine personenbedingte Kündigung rechtfertigen. Ab acht Monaten ist eine Krankheit laut Bundesarbeitsgericht langanhaltend. Ist zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen, dass sich der Gesundheitszustand innerhalb von 24 Monaten bessert, gilt die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit als dauernd.

Besteht bei einer langanhaltenden Krankheit die Chance auf eine vollständige Genesung, ist eine wirksame Kündigung seitens des Arbeitgebers eher unwahrscheinlich. Denn nach sechs Wochen muss dieser das Gehalt nicht mehr selbst zahlen, die Krankenkasse übernimmt das Krankengeld. Zudem kann der Mitarbeiter nach der Heilung wieder uneingeschränkt arbeiten.

Bei einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit ist das Risiko einer wirksamen Kündigung während der Krankheit hingegen hoch, da die Gesundheitsprognose negativ ausfällt und der Arbeitgeber nur seine Beeinträchtigung unter Abwägung der Interessen nachweisen muss.

Wie sieht es mit einer Abfindung bei Kündigung wegen Krankheit aus?

Eine Abfindung ist nach einer Kündigung eines Mitarbeiters eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers – das gilt auch bei krankheitsbedingten Kündigungen. Zahlt das Unternehmen diese nicht freiwillig, muss der Mitarbeiter innerhalb von drei Wochen zwingend eine Kündigungsschutzklage bei der zuständigen Behörde einreichen. Um sich langwierige Gerichtsverhandlungen zu ersparen, ist der Arbeitgeber dann unter Umständen bereit, eine Abfindung zu zahlen – meist im Gegenzug eines Aufhebungsvertrages. 

Nicht jede krankheitsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber ist auch gerechtfertigt. 
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Nicht jede krankheitsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber ist auch gerechtfertigt. 

Während der Krankheit Urlaub machen – ein Kündigungsgrund?

Wer krankgemeldet ist, darf nur unter bestimmten Voraussetzungen Urlaub machen – sonst droht eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung. Grundsätzlich gilt: Eine Urlaubsreise sollte zweifelsfrei zum Heilungsprozess beitragen, damit sie keine negativen Konsequenzen nach sich zieht. Heilsam kann die Reise beispielsweise sein, wenn ein Depressionskranker auf Empfehlung des Arztes ins Warme fährt, um etwas Sonne zu tanken. 

Wird durch einen Urlaub allerdings offensichtlich, dass die Schwere der Krankheit oder die Krankheit an sich nur vorgetäuscht war, droht die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber. Wer zum Beispiel wegen Rückenbeschwerden arbeiten kann, aber während der Krankschreibung in den Skiurlaub fährt, scheint doch nicht so krank zu sein, wie er vorgibt. Damit begeht der vermeintlich kranke Mitarbeiter einen arbeitsvertraglichen Pflichtverstoß.

Krankheitsbedingte Kündigung während der Probezeit

In den ersten sechs Monaten eines Arbeitsverhältnisses, was in den meisten Fällen der Probezeit entspricht, greift der gesetzliche Kündigungsschutz nicht. Insofern darf ein Arbeitgeber seinem neuen Mitarbeiter innerhalb dieser Zeit unter Beachtung der vertraglichen Fristen kündigen – ob er sich krankgemeldet hat oder nicht, spielt keine Rolle. 

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