Bad flexibel planen dank Kleinhebeanlage
© KatarzynaBialasiewicz/iStock/Thinkstock
(0)

Bad flexibel planen dank Kleinhebeanlage

Ein zusätzliches Bad im Keller oder eine weitere Toilette auf dem ausgebauten Dachboden – mit Hilfe einer Kleinhebeanlage ist das kein Problem. Sie kann Wasser mehrere Meter hoch pumpen und macht eine Abwasserentsorgung auch unterhalb der Rückstauebene möglich. Das schafft Flexibilität bei der Hausplanung.

Toilette oder Badezimmer überall im Haus realisieren

Die Sanitäreinrichtungen in Haus und Wohnung erfordern bei Installation oder Reparatur ausgeprägtes Fachwissen und handwerkliche Fähigkeiten. Die Abwasserentsorgung ist sowohl technisch als auch rechtlich sehr komplex, was den nachträglichen Einbau von Bädern, Duschen oder Toiletten zu einer schwierigen Aufgabe machen kann. Die Sanitärgegenstände müssen korrekt an die zentrale Abwasserleitung angeschlossen und entsprechend platziert werden. Besonders zu beachten ist die sogenannte Rückstauebene, welche als „die höchste Ebene, bis zu der das Wasser in einer Entwässerungsanlage ansteigen kann” definiert ist (DIN EN 12056-1:2000). Um den Rückstau von Abwasser zu verhindern, werden sanitäre Anlagen wie Toiletten in der Regel oberhalb der Rückstauebene installiert.

Was passiert jedoch, wenn ein Badezimmer zum Beispiel auf dem Dachboden weit weg von der zentralen Abwasserleitung oder im Keller unterhalb der Rückstauebene installiert werden soll?

Die Lösung liegt hier in einer Kleinhebeanlage. Wenn das Wasser nicht mit Gefälle abgeleitet werden kann, leitet die Hebeanlage das Abwasser rückstausicher ab oder pumpt es auf ein höheres Niveau. Moderne Kleinhebeanlagen können je nach Typ das Wasser nicht nur mehrere Meter hoch, sondern teilweise auch bis zu hundert Meter weit pumpen, was die Platzierung eines Badezimmers oder einer Gästetoilette relativ unabhängig vom Standort des nächsten Abwasserstrangs macht. Besonders für sanitäre Anlagen im Keller sind Kleinhebeanlagen deshalb die ideale Lösung.

Funktionsweise einer Kleinhebeanlage

Kleinhebeanlagen funktionieren im Prinzip einfach. Mittels einer Pumpe wird das Abwasser von Waschbecken, Dusche oder Toilette über das Kanalniveau gehoben und zum nächsten Fallrohr der häuslichen Abwasserleitung transportiert, wo es dann in die Kanalisation geleitet wird. Die Rohrleitungen, durch die das Wasser gepumpt wird, sind relativ dünn. Damit die Rohre von etwa 28 bis 32 mm Durchmesser nicht durch feste Stoffe verstopft werden, verfügen Kleinhebeanlagen über ein mechanisches Mahlwerk, das die Feststoffe zerkleinert. Kleinhebeanlagen arbeiten automatisch, das heißt, die Anlage setzt sich sofort in Betrieb, wenn das Wasser aus den Sanitärgeräten in die Hebeanlage einläuft und beendet ihre Arbeit umgehend, wenn der Pumpvorgang abgeschlossen ist. Um die Belästigung durch unangenehme Gerüche zu vermeiden, bleibt zum Verschließen des Geruchs immer eine kleine Menge Restwasser im Gerät.

Einsatzbereiche und Modelle von Kleinhebeanlagen

Kleinhebeanlagen gibt es im Fachhandel für vielfältige Einsatzbereiche und Ansprüche. Im Grunde können alle Geräte, bei denen Abwasser anfällt, mit einer Kleinhebeanlage an das Abwassersystem angeschlossen werden. Ob Waschmaschine, Geschirrspüler, Dusche, Badewanne, Waschbecken oder Toilette, es gibt für alles das passende Gerät. Bei der Auswahl der richtigen Kleinhebeanlage spielt auch die Anzahl der anzuschließenden Sanitärgeräte eine Rolle. Je nach Modell verfügen die Hebeanlagen über verschiedene Anschlüsse. Neben Anlagen mit Mahl- oder Schneidewerk sind auch Geräte erhältlich, die nur für Abwasser ohne Feststoffe geeignet sind.

Neben der Frage, ob Abwasser mit oder ohne Fäkalien entsorgt werden soll, spielt es bei der Auswahl des passenden Modells eine Rolle, ob auch das heiße Abwasser von Geschirr- oder Waschmaschine mit der Kleinhebeanlage entsorgt werden kann. Die im Handel angebotenen Geräte sind teilweise so klein, dass sie sich hinter der Toilette oder sogar unter der Duschwanne installieren lassen. Für spezielle Ansprüche an Platz und Optik gibt es auch besonders schmale Anlagen, die sich in einem engen Bad besser installieren lassen oder sich harmonischer in den Raum einfügen. Seit einiger Zeit sind auch Sanitärgeräte im Angebot, bei denen die Kleinhebeanlage bereits integriert ist. Beim Kauf einer Toilette mit integrierter Hebeanlage ist allerdings zu beachten, dass neben dieser auch ein normales, an die Kanalisation angeschlossenes WC vorhanden sein muss.

Sanitärinstallationen und Kleinhebeanlagen vom Experten

Die im Handel erhältlichen Kleinhebeanlagen sind laut Hersteller relativ einfach zu installieren und wartungsarm, da die Leitungen in der Regel ohne größere Stemmarbeiten direkt auf dem Putz verlegt werden können. Trotzdem sollte man bei der Auswahl und Installation der Hebeanlage, wie auch bei Planung und Bau der eigentlichen Sanitäranlagen, auf fachmännische Hilfe zurückgreifen. Die Kleinhebeanlage muss unterhalb der Sanitärgeräte installiert werden, da das Abwasser in der Regel nicht angesaugt wird, sondern in das Gerät einfließt. Die Zerkleinerung der Feststoffe durch das Mahlwerk erlaubt relativ dünne Rohre zum Ableiten des Abwassers. Die Regeln der EN12050-4 (EN = Europäische Norm) sehen zum vertikalen Abpumpen entweder ein Kupferrohr mit 28 mm oder ein PVC-Kleberohr mit 32 mm Durchmesser vor, da diese dem entstehenden Druck standhalten. Das Abwasser sollte zuerst vertikal gefördert werden und es ist empfehlenswert, beim Übergang zur horizontalen Leitung keine stark angewinkelten Bögen zu verwenden. Besser als ein Bogen mit einem 90-Grad-Winkel erweisen sich zwei Bögen mit 45-Grad-Winkel, die mit etwas Abstand voneinander installiert werden. Generell ist darauf zu achten, so wenige Bögen wie möglich zu verwenden, da jeder Bogen in der Abwasserleitung etwas Steighöhe kostet.

  • Kleinhebeanlagen erlauben die Abwasserentsorgung bei Sanitärgeräten unterhalb der Rückstauebene.
  • Kleinhebeanlagen ermöglichen die Installation von Sanitäranlagen im Keller.
  • Kleinhebeanlagen können das Abwasser mehrere Meter hoch und bis zu hundert Meter weit pumpen.
  • Kleinhebeanlagen leiten das Abwasser in das bestehende Abwassersystem des Hauses.
  • An Kleinhebeanlagen können mehrere Sanitärgeräte angeschlossen werden.
SB
Autor/-in
Sarah Berger
Wie finden Sie diesen Artikel?