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Was ist eine Vergiftung?
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Was ist eine Vergiftung?

Eine Vergiftung (Intoxikation) ist die Folge einer Aufnahme eines schädlichen Wirkstoffs. Eine Vergiftung zeigt sich durch verschiedene, gestörte Körperfunktionen. Wird der Giftstoff (Toxin) in einer kritischen Menge aufgenommen, kann eine Vergiftung lebensbedrohlich werden. Die häufigsten akuten Vergiftungen bei Erwachsenen werden durch Alkohol oder Medikamente verursacht. Bei Kindern sind oft Chemikalien, die sich im Haushalt finden, Auslöser einer Vergiftung. In unserem Ratgeber „Vergiftung“ finden Sie alles zu Ursachen, Symptomen und Behandlung von Vergiftungen.

Vergiftungen in Deutschland – wie häufig?

Werden dem Körper Giftstoffe, sogenannte Toxine, zugeführt – geschluckt, eingeatmet, über die Haut aufgenommen oder injiziert – kommt es zu Vergiftungserscheinungen. Abhängig von der Substanz und der aufgenommenen Menge (Überdosierung) sind körperliche und geistige Einschränkungen bis hin zu kompletten Ausfällen verschiedener Körperfunktionen möglich. Eine Intoxikation kann lebensgefährlich werden und es bedarf oft einer intensivmedizinischen Behandlung. In Deutschland werden jährlich etwa 200.000 akute Vergiftungen in Kliniken behandelt.

Akute und chronische Vergiftung: der Unterschied

Toxikologen unterscheiden akute und chronische Vergiftungen. Akute Vergiftungen treten plötzlich aufgrund einer giftigen Substanzaufnahme auf. Sie können zu einem lebensbedrohlichen Notfall werden. Bei chronischen Vergiftungen ist der Körper oft viele Jahre einer giftigen Substanz ausgesetzt. In Folge sind Organ- und Nervenschädigungen möglich. Auch eine chronische Vergiftung kann tödlich enden.

Vergiftungen: Das sind die häufigsten Ursachen

Es gibt verschiedene Vergiftungsarten. Bei Erwachsenen ist die Mehrzahl der Vergiftungen auf Alkohol sowie auf einen Medikamentenkonsum aufgrund von Selbstmordabsichten zurückzuführen. Ebenfalls ist es nicht selten, dass Giftstoffe im Rahmen des beruflichen Umfelds eingeatmet werden, etwa in Form von giftigen Chemikalien und Gasen. Für Kinder stellen Putzmittel, Chemikalien und Zigaretten ein Risiko für Vergiftungsunfälle dar: Nikotin ist tödlich. Bereits ein verzehrter Zigarettenstummel kann lebensgefährlich werden.

Verdorbene Lebensmittel können ebenfalls zu Intoxikationen führen, etwa eine Fischvergiftung oder eine Salmonellenvergiftung. Auch kann es sein, dass Giftstoffe aufgrund einer Verwechslung verzehrt wurden, so ist beispielsweise Bärlauch leicht mit giftigen Herbstzeitlosen zu verwechseln und auch beim Pilzesammeln kann es zu gefährlichen Verwechslungen kommen. Zucchinis können ebenfalls Vergiftungen verursachen: Kritisch sind selbstangebaute Zucchini. Diese können unter anderem zum Schutz vor Fressfeinden oder aufgrund von Mutationen große Mengen an Cucurbitacin bilden. Schmeckt eine Zucchini bitter, sollte man daher die Finger von ihr lassen.

Vergiftungen: Wer ist gefährdet?

Vergiftungen sind die häufigste Ursache für nicht tödliche Unfälle im Haus. Kinder sind wegen ihrer Neugier besonders anfällig für eine versehentliche Vergiftung zu Hause – auch, da sie vieles mit dem Mund erkunden. Bei älteren Menschen sind Vergiftungen häufig die Folge einer Medikamentenverwechslung.

Vergiftung wie erkennen?

Eine Vergiftung kann zu Einschränkungen verschiedener Körperfunktionen bis hin zu kompletten Ausfällen führen. Die Vergiftungserscheinungen können daher vielfältig sein und sind immer auch abhängig von der zugeführten Substanz und der aufgenommenen Menge. Zu den Symptomen einer Vergiftung gehören:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • krampfartige Bauch- oder Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Atemstörungen
  • Atemversagen
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
  • Herzkreislaufstillstand
Akute Vergiftung – was tun?

Bei Verdacht auf eine akute Vergiftung ist rasches Handeln gefragt, da diese lebensbedrohlich werden kann. Wenden Sie sich bei einer akuten Vergiftung telefonisch an eine der Giftinformationszentralen. Über die Suche der Gelben Seiten finden Sie Adressen von Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Ihrer Nähe. Auch über die Webseite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit finden Sie eine Liste der Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zögern Sie bei schweren Vergiftungssymptomen nicht, den Notruf unter 112 zu rufen.


Tipp: Hängen Sie die Telefonnummer gut sichtbar auf, etwa an die Pinnwand im Flur oder an den Kühlschrank in der Küche. So haben Sie diese im Notfall gleich zur Hand. Wichtig: Sind Kinder betroffen, sollten diese in jedem Fall in ärztliche Behandlung.

Vergiftung behandeln: Das macht der Arzt

Vergiftungen müssen häufig intensivmedizinisch behandelt werden. Der erste Schritt ist, den vergifteten Körper medizinisch zu stabilisieren und den Kreislauf zu unterstützen. Bestimmte Medikamente helfen dabei. Es kann sein, dass eine Beatmung oder eine Schockbehandlung notwendig wird. Im nächsten Schritt versuchen die Ärzte, das Gift im Körper zu reduzieren. Das geschieht dadurch, dass eine weitere Aufnahme verhindert und die Ausscheidung unterstützt wird.

Aktivkohle kann dabei helfen, da sie Giftstoffe bindet. Abführende Medikamente beschleunigen die Ausscheidung des Gifts. Möglicherweise führen die Ärzte eine Magenspülung durch. Bei bestimmten Toxinen kann eine Blutwäsche helfen, die Toxine aus dem Blut zu filtern. Auch gibt es gegen bestimmte Gifte Gegenmittel, sogenannte Antidote, die dem Patienten oder der Patientin verabreicht werden. Das Gegenmittel bekämpft entweder die Symptome oder tritt direkt in Wechselwirkung mit dem Toxin.

Wichtig: Um welches Toxin handelt es sich?

Um die notwendige Behandlung durchführen und entsprechende Medikamente verabreichen zu können, ist es für die Ärzte besonders wertvoll, wenn sie wissen, um welches Toxin es sich handelt. Daher ist es ratsam, bei Verdacht auf eine Vergiftung durch bestimmte Speisen oder andere Substanzen, etwa Medikamente, dies dem Gift-Notruf mitzuteilen oder die Substanz dem behandelnden Arzt zu geben. Manchmal können Urin- und Bluttests sowie Drogentests bei der Identifizierung des Toxins helfen.

Was ist eine Polyintoxikation?

Von Polyintoxikation sprechen Mediziner, wenn eine Vergiftungen mit mehreren Stoffen vorliegt. Eine Polyintoxikation ist bei Drogen-, Medikamenten-, oder Alkoholabhängigkeit häufig.

Eine akute Vergiftung tritt kurze Zeit oder direkt nach dem Kontakt mit der giftigen Substanz auf. Meist zeigen sich Symptome am ganzen Körper. Zu den Symptomen können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfe gehören. Ebenso Bewusstseinsveränderungen und Wahrnehmungsstörungen. Schwindel, Atemprobleme bis hin zu Bewusstlosigkeit sind ebenfalls möglich. Die Symptome und ihre Intensität sind immer abhängig vom aufgenommenen Toxin und der Giftmenge.
Bei Verdacht auf eine akute Vergiftung sollten Sie keine Zeit verlieren, da diese lebensbedrohlich werden kann. Sorgen Sie zuerst dafür, dass Betroffene möglichst von dem Toxin wegkommen. Bei Atemproblemen und Bewusstlosigkeit, sollten Sie erste-Hilfe-Maßnahmen anwenden und den medizinischen Notruf unter 112 rufen. Erscheint die betroffene Person stabil, wenden Sie sich an eine der Giftinforationszentralen.
Bei einer angeborenen Vergiftung, auch atopische Vergiftung genannt, sind es körpereigene Stoffe, welche die Vergiftung auslösen. Ursache sind Fehlfunktionen des Körpers. Bei der Urämie beispielsweise handelt es sich um eine Harnwegsvergiftung aufgrund von Nierenschädigungen. Bei der Eisenspeicherkrankheit nimmt der Körper zu viel Eisen von der Nahrung auf – was Organschäden zur Folge haben kann. Auch bei Funktionsstörungen der Leber kann der Körper vergiften, da giftige Stoffwechselprodukte nicht mehr ausgeschieden werden können.

Quellen:

Akute Vergiftungen. Online-Information der medizinischen Klinik & Poliklinik I am Uniklinikum Würzburg.

Übersicht über Vergiftungen. Online-Information von MSD Manual. Ausgabe für Patienten.

Vergiftungen erkennen. Online-Information des Bayerischen Roten Kreuzes.  

Akute Vergiftungen. Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. 2016 Jun 14: 978–986. Published online 2016 Jun 14. German. US National Libary of Medicine National Institutes of Health.

Was tun bei Vergiftungen? Online-Information der Stiftung Gesundheitswissen (SGW).

Vergiftungen. Online-Information des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ).

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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