Was Sie über die Schwangerschaftsvorsorge wissen sollten
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Was Sie über die Schwangerschaftsvorsorge wissen sollten

Schwangerschaft ist keine Krankheit - regelmäßig zum Arzt gehen sollte eine Frau in dieser Zeit trotzdem. Mitglieder einer Gesetzlichen Krankenversicherung haben einen Anspruch auf die Leistungen der Mutterschaftsvorsorge. Solche Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, denn damit lassen sich Erkrankungen von Mutter und Kind frühzeitig erkennen und behandeln.

Der rechtliche Anspruch auf ärztliche Untersuchungen in der Schwangerschaft

Die Vorsorgeuntersuchungen regeln die "Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung", kurz Mutterschafts-Richtlinien (MuRiLi). Verantwortlich für deren Inhalt ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der für die Aktualität der gesundheitlichen Maßnahmen sorgt.

Immer dabei: Der Mutterpass

Den Mutterpass stellt der Gynäkologe oder die Hebamme aus, sobald eine Schwangerschaft festgestellt wurde. Das 1961 eingeführte kleine Büchlein sollte man immer mit sich führen. Es enthält alle relevanten Informationen über die Schwangerschaft und ist für Geburt und medizinische Notfälle wichtig. Dazu gehören alle Untersuchungen zur Vorsorge sowie der Nachsorge bis zu acht Wochen nach der Niederkunft.

Warum ist die Schwangerschaftsvorsorge wichtig?

90 Prozent der Geburten verlaufen ohne größere Komplikationen. Daran hat die Mutterschaftsvorsorge wesentlichen Anteil. Mit ihrer Hilfe lassen sich Gesundheitsstörungen, Entwicklungsverzögerungen oder Fehlbildungen rechtzeitig entdecken und behandeln. So lassen sich Gefahren für Leib und Leben von Kind und Mutter abwenden. Zudem ist die frühzeitige Erkennung von Risikoschwangerschaften und Risikogeburten möglich. Das setzt Teamarbeit von Krankenversicherung, Ärzten, Hebammen, aber auch der werdenden Mutter voraus.

Wie wichtig die Vorsorgeuntersuchungen sind, kann man an der Entwicklung der Kindersterblichkeit ablesen: Starben noch vor hundert Jahren viele Kinder und Mütter während oder kurz nach der Geburt, hat die Zahl der Komplikationen massiv abgenommen. Deutschland gilt mit seiner gesetzlich geregelten Schwangerschaftsvorsorge weltweit als beispielhaft.

Wie häufig muss man zur Mutterschaftsvorsorge?

Der Mutterpass sieht insgesamt vierzehn Untersuchungstermine vor. Zu Beginn der Schwangerschaft finden diese bei normalem Verlauf alle vier Wochen, in den beiden letzten Monaten in zweiwöchentlichem Rhythmus und unmittelbar vor der Niederkunft alle paar Tage statt.

Wer macht die Schwangerschaftsvorsorge?

Untersuchen dürfen Frauenärzte und Hebammen. Nur größere Laboruntersuchungen und Ultraschall sind Medizinern vorbehalten. Im Mutterpass halten sie fest, ob die aufgeführte Untersuchung stattgefunden hat und gegebenenfalls, was dabei herausgekommen ist.

In regelmäßigen Abständen sollten die Schwangeren zu Ihren Hebammen oder Frauenärzten gehen.
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In regelmäßigen Abständen sollten die Schwangeren zu Ihren Hebammen oder Frauenärzten gehen.

Allgemeine Untersuchungen

Bei der Mutterschaftsvorsorge schaut sich der Frauenarzt die werdende Mutter bei jedem Termin genauestens an. Dazu gehören Standarduntersuchungen wie Blutdruck- und Blutzuckermessung oder die Frage nach dem allgemeinen Befinden. In Abständen nimmt der Arzt Blutuntersuchungen vor, etwa um einen Eisenmangel abzuklären und gegebenenfalls ein Eisenpräparat zu verschreiben. Die früher übliche Untersuchung des Urins auf Bakterien ist seit Mai 2019 nicht mehr vorgesehen. Dafür misst man alle vier, ab der 32. SSW alle zwei Wochen Eiweiß, Blut, Nitrit und Zucker im Urin.

Serologische Tests: Blutgruppe, Rhesusfaktor, Antikörper-Suchtest, HbS-Antigen

Die Bestimmung der Blutgruppe der Mutter ist wichtig, falls eine Bluttransfusion notwendig werden sollte. Neben dem ABO-System spielt der Rhesusfaktor eine bedeutende Rolle. Ist die Mutter rhesus-negativ (rh-) und der Vater rhesus-positiv (rh+), kann sich das auf das Kind auswirken. Ist es ebenfalls rh+, bildet das mütterliche Immunsystem Antikörper, die das Ungeborene schädigen. Da der Kontakt mit kindlichem Blut in der Regel erst bei der Geburt stattfindet, ist jedes nachfolgende rh+-Kind gefährdet. 

Daher bekommen rhesus-negative Mütter in der 28. Schwangerschaftswoche (SSW) vorbeugend eine Spritze mit Anti-D-Globulin, das die Bildung von Antikörpern gegen den Rhesusfaktor verhindert. Stellt sich das Kind nach der Geburt als positiv heraus, bekommt die Mutter nach drei Tagen eine weitere Spritze.

Mit dem Antikörper-Suchtest lassen sich Immunglobuline gegen weitere Blutfaktoren feststellen. Verläuft er positiv, macht das Folgeuntersuchungen zur Abklärung notwendig. Zur Sicherheit wird er im Laufe einer Schwangerschaft nochmals wiederholt.

Ebenso sucht man nach dem Hepatitis B surface (HbS)-Antigen, das auf eine Infektion mit Hepatitis B-Viren hindeutet. In einem solchen Fall muss das Neugeborene sofort nach der Impfung geimpft werden, um eine Erkrankung zu verhindern.

Untersuchungen auf Infektionen: Chlamydien, Röteln, Lues und HIV

Eine ganze Reihe von Infektionskrankheiten gefährdet die Gesundheit von Mutter und Kind. Daher ist eine rechtzeitige Feststellung von Bakterien und Viren notwendig, damit der Arzt früh genug Gegenmaßnahmen einleiten kann.

So kann das Rötelnvirus schwere körperliche und geistige Behindungerungen hervorrufen. Mit dem Röteln-HAH-Test sucht man nach Antikörpern gegen den Krankheitserreger. Nach Impfung oder überstandener Infektion bietet der Antikörpertiter meistens einen ausreichenden Schutz. Bei der sogenannten Titration sollte der Faktor mindestens bei 1:32 liegen. Später wird der Röteln-HAH-Test wiederholt, um neue Infektionen ausschließen zu können.

Chlamydien sind Bakterien, die an Augen, Harnorganen und Lunge von Neugeborenen schwere Entzündungen hervorrufen und das Risiko von Fehl- und Frühgeburten erhöhen. Daher macht der Arzt zu Beginn der Schwangerschaft einen Chlamydientest und verordnet bei positivem Befund Antibiotika. Nach der Behandlung wird auch dieser Test wiederholt.

Lues oder Syphilis ist eine durch Bakterien hervorgerufene Geschlechtskrankheit. Sie führt zu schweren Entwicklungsstörungen. Daher nimmt der Arzt eine Lues-Suchreaktion (LSR) vor, bei der man nach Antikörpern gegen den Erreger fahndet. Verläuft die Suchreaktion positiv, hat es zuvor einen Kontakt mit dem Bakterium gegeben. In diesem Fall ist zu klären, ob die Infektion abgeheilt ist oder aktuell besteht. Aus Datenschutzgründen wird im Mutterpass lediglich vermerkt, ob die Untersuchung stattgefunden hat, nicht das Testergebnis.

Gleiches gilt für den HIV-Test. Mit einer geeigneten Therapie lässt sich das Risiko einer Übertragung des Virus auf das Ungeborene auf unter ein Prozent senken. Der Test ist freiwillig und vor allem für Risikogruppen empfehlenswert.

Ultraschalluntersuchungen

Keine andere Untersuchung ist bei Eltern so beliebt wie "Baby gucken". Dank moderner Ultraschallgeräte lässt sich der Nachwuchs schon im Mutterleib dreidimensional auf einem Monitor darstellen. Den Frauenarzt interessiert, ob alles in Ordnung ist, keine Fehlbildungen vorliegen und ob das Wachstum normal verläuft. Dazu gehören der Fundusstand, die Menge an Fruchtwasser, Kindslage oder Herztöne, die man mit einem Kardiotokogramm (CTG) misst. Oder ob mehr als ein Kind unterwegs ist.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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