Prostatavorsorge: Darum sollten Männer sich untersuchen lassen
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Prostatavorsorge: Darum sollten Männer sich untersuchen lassen

Männer und ihre Angst vor einem erhobenen Finger! Mit ihren Kumpels retten sie an der Playstation furchtlos die Welt, aber beim Thema Prostatavorsorge verkriechen sie sich am liebsten in die hinterste Ecke. Dabei ist die Krebsvorsorge extrem wichtig - Prostatakrebs ist häufig, und je früher man ihn erkennt und behandelt, desto besser sind die Heilungsaussichten.

Die Vorsteherdrüse - das unbekannte Organ

Nur Männer verfügen über eine Prostata. Das walnussgroße Organ umschließt die Harnröhre und liefert bei der Ejakulation den größten Anteil des Spermas. Ihr Sekret stellt sicher, dass die kleinen Kampfschwimmer aufwachen und genug Energie für den Weg zur Eizelle haben.

In Sachen Wechseljahre herrscht Gleichberechtigung. Fahren beim Mann Testosteron & Co. Achterbahn, wächst das hormonabhängige Drüsengewebe der Vorsteherdrüse. Das Ergebnis bezeichnen Mediziner als gutartige Prostatavergrößerung oder benigne Prostatahyperplasie (BPH).

Benigne bedeutet gutartig, denn die im Alter nicht unübliche Prostatavergrößerung ist ungefährlich, wenngleich lästig. Engt sie die Harnröhre ein, brauchen Männer für ihren Gang zur Toilette schon mal etwas länger.

Gutartig wird schnell bösartig: Beginnen Zellen unkontrolliert zu wuchern, entsteht aus der Prostatahyperplasie ein Karzinom. Prostatakrebs ist der häufigste maligne Tumor beim Mann. Er ist für ein Fünftel aller Krebserkrankungen und vier Prozent sämtlicher Todesfälle verantwortlich.

Warum ist die Vorsorgeuntersuchung der Prostata so wichtig? 

Prostatakrebs ist hinterhältig, denn bis zu ersten eindeutigen Symptomen macht er kaum auf sich aufmerksam. Erektionsprobleme, nächtlichen Harndrang und Probleme beim Wasserlassen schiebt Mann gerne auf das Alter und denkt nicht gleich an das Schlimmste.

Erst wenn der Patient dramatisch an Gewicht verliert und das Urinieren zum ernsthaften Problem wird, geht er freiwillig zum Arzt. Dann ist es meistens zu spät für eine schnelle und unkomplizierte Behandlung. Eine operative Entfernung reicht häufig nicht mehr aus, da sich in Knochen und Lymphknoten bereits Metastasen gebildet haben.

Ab welchem Alter sollte man zur Prostatavorsorge ?

Vorgesehen ist das gesetzliche Früherkennungsprogramm bei Männern ab dem 45. Lebensjahr. Sie dürfen die Prostatavorsorge jährlich in Anspruch nehmen. Je älter man wird, desto gewissenhafter sollte man von diesem Angebot Gebrauch machen.

Die jährliche Prostatavorsorge mit Tastuntersuchung zahlt die Krankenkasse - nicht ganz uneigennützig. Denn die Behandlung eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms kommt die Krankenversicherung wesentlich teurer zu stehen.

Welcher Arzt macht die Prostata-Vorsorgeuntersuchung?

Die Vorsorgeuntersuchung der Prostata führt ein Urologe durch. Mit seiner Ausbildung hat er sich auf den Urogenitaltrakt spezialisiert und ist als Facharzt für "Männerkrankheiten", sprich Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane zuständig. Üblicherweise schreibt der Hausarzt eine Überweisung für die Urologie und erhält von seinem Kollegen den Untersuchungsbericht.

Wie funktioniert die Prostatavorsorge?

Zur Prostatavorsorge gehört die Anamnese des Arztes, bei der er nach typischen Veränderungen wie Beschwerden beim Wasserlassen oder nächtlichem Harndrang fragt.

Die Untersuchung selbst erfolgt durch das Abtasten der Vorsteherdrüse über den Enddarm. Praktischerweise liegt das kleine Organ nur einen Fingerbreit vom After entfernt. Die digital-rektale Tastuntersuchung ist das älteste endoskopische Untersuchungsverfahren überhaupt und kommt völlig ohne Geräte aus. Mit Latexhandschuh und Gleitgel bewaffnet führt der Arzt einen Finger in den Anus ein und drückt auf der Prostata herum, um Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen festzustellen.

Zur Vorsorgeuntersuchung gehört auch das Abtasten der äußeren Genitalien und der Lymphknoten in der Leiste. So lassen sich Hodenkrebs oder Lymphknotenschwellungen infolge der Bildung von Metastasen feststellen.

Was besagt das PSA bei der Prostatavorsorge?

PSA bedeutet Prostata-spezifisches Antigen. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das vorwiegend in der Vorsteherdrüse gebildet wird. Je mehr man davon im Blut findet, desto mehr Prostatagewebe ist vorhanden. Dementsprechend steigt sein Wert bei Entzündungen und Vergrößerungen der Prostata, aber auch bei Prostatakrebs. Als echter Tumormarker ist PSA weniger geeignet, da es bei Gesunden ebenfalls nachweisbar ist. Einen erhöhten PSA-Wert im Blutserum wird der Arzt in jedem Fall weiter abklären.

Wegen der mäßigen Aussagekraft als Tumormarker gehört die Bestimmung des PSA-Wertes nicht zur normalen Prostatavorsorge. Gegebenenfalls muss der Patient sie als individuelle Gesundheitsleistung (iGeL) selbst bezahlen. 

Davon ausgenommen sind Männer mit erhöhtem Krebsrisiko oder begründetem Verdacht auf ein Prostatakarzinom. Wurde Prostatakrebs festgestellt und/oder behandelt, dient die Bestimmung des PSA-Blutwertes zur Verlaufskontrolle und wird von der Krankenkasse bezahlt.

Ultraschalluntersuchung bei der Prostata-Vorsorge

Bedarf der Befund des Urologen nach der digital-rektalen Untersuchung weiterer Abklärung, schließen sich bildgebende Verfahren an. Die einfachste Methode ist die transrektale Prostata-Sonografie (TPS, transrektaler Ultraschall TRUS). Mit ihr lassen sich Prostatavergrößerungen und Tumoren ab zehn Millimetern Durchmesser feststellen. Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft von Enddarm und Prostata liefert eine in den After eingeführte Sonde besonders detailreiche Bilder.

Auch die transrektale Prostata-Sonografie zahlt die Krankenkasse nur bei Verdacht auf Prostatakarzinom. In allen anderen Fällen ist sie eine IGeL-Leistung.

Magnetresonanztomografie (MRT) und Positronen-Emissions-Tomographie-Computertomographie (PET-CT)

Diese beiden Zungenbrecher spielen aktuell in der Nachsorge eine größere Rolle als bei der Vorsorge, dürften aber hier in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Sie sind teuer und aufwendig und werden zurzeit nur in Sonderfällen von der Krankenkasse übernommen.

Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) ist wesentlich aufwändiger als sonografische Verfahren und kommt ebenfalls ohne schädliche Strahlung aus. In der normalen Ausführung liefert sie vergleichbare Ergebnisse wie der transrektale Ultraschall. Erst spezielle Untersuchungsmethoden sorgen für eine deutlich höhere Trefferquote.

Bei einem PET-CT verwendet man ein Radiopharmakon, das sich in Krebszellen anreichert. Hierzu gehört F-18-Cholin, das schnell wachsende Tumorzellen der Prostata vermehrt in ihre Zellmembranen einbauen (F-18-Cholin PET-CT). Neu ist die Verwendung von membranständigem PSA (PSMA). Die PSMA-PET-CT gilt aktuell als die treffsicherste Methode, um Prostatakrebs von gesundem, entzündetem oder nur vergrößertem Drüsengewebe zu unterscheiden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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