Streptokokken, Pneumokokken und Co.: Das sind die Ursachen einer Tonsillitis
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Streptokokken, Pneumokokken und Co.: Das sind die Ursachen einer Tonsillitis

Eine Mandelentzündung kann vieles bedeuten. In allen Fällen schlägt sich die Immunabwehr an vorderster Front mit Bakterien oder Viren herum, die Immunzellen herbeilocken und das lymphatische Gewebe im Rachenraum anschwellen lassen. Meistens schwächen Erkältungsviren das Immunsystem und machen Streptokokken den Weg frei. Aber auch wesentlich gefährlichere Viren und Bakterien können eine Tonsillitis auslösen, vom HIV bis zu Erregern der Diphtherie.

Was ist der Unterschied zwischen einer viralen und einer bakteriellen Mandelentzündung?

Bei einer durch Viren hervorgerufenen Tonsillitis bildet sich kein eitriger Belag. Die für Bakterien typischen Eiterstippen auf der Oberfläche der Gaumenmandeln fehlen. Im Blutbild sind bei einer viral bedingten Mandelentzündung die Lymphozyten erhöht. Dagegen überwiegen bei einer bakteriellen Tonsillitis die Granulozyten.

Viren als Erreger einer Mandelentzündung

Viren sind insbesondere bei Kindern der häufigste Grund für eine Tonsillitis. Man schätzt, dass rund 70 - 95 % der akuten Mandelentzündungen durch sie hervorgerufen werden. Bei der Hälfte der Erwachsenen sind Rhinoviren und Coronaviren für die lästigen Halsschmerzen verantwortlich.

Erkältungs- und Grippeviren stehen dabei an erster Stelle, neben den verbreiteten Rhinoviren Influenzaviren als Erreger der "echten" Grippe und Parainfluenzaviren. Adenoviren sorgen für eine ausgeprägte Tonsillitis mit eitrigem Exsudat. 

Seltener treten Bocaparvo-Viren (HboV) oder Coxsackie-Viren (Sommergrippe) auf. Rar sind Tonsillitiden bei Infektionen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) oder Herpesviren (Zytomegalievirus (HCMV, HHV-5) und Epstein-Barr-Virus (EBV, HHV-4)). 

Streptokokken als Ursache einer Tonsillitis

Bakterien lassen bei einer Infektion mit Viren nicht lange auf sich warten. Diese schwächen das Immunsystem, sodass die Keime leichtes Spiel haben und sich ungehemmt ausbreiten. Dazu gehören normale Mitbewohner von Haut und Schleimhäuten wie Streptokokken.

Nicht alle dieser kettenförmig angeordneten kugeligen Bakterien sind harmlos. Einige sind in der Lage, rote Blutkörperchen aufzulösen. Gemäß der Einteilung nach Lancefield bezeichnet man diese als Gruppe A-betahämolysierende Streptococcus pyogenes (GABHS). Sie sind für 20 - 30 Prozent der akuten Mandelentzündungen im Kindesalter und für 5 - 15 % der Erkrankungen bei Erwachsenen verantwortlich. Der Altersgipfel liegt zwischen dem dritten und 14. Lebensjahr.

Wie erfolgt die Infektion bei einer bakteriellen Mandelentzündung?

Die Weitergabe erfolgt durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Küssen. Selbst beim Sprechen bilden sich kleinste Tropfen mit Erregern. Seltenere Infektionsquellen sind Haus- und Nutztiere und von Erkrankten benutzte Alltagsgegenstände wie Zahnbürsten, Tassen oder Türklinken.

Asymptomatische Keimträger können die Streptokokken weitergeben, ohne selbst Anzeichen einer Mandelentzündung zu zeigen. Darüber hinaus sind Autoinfektionen über die normale Mund- und Rachenflora möglich.

Bilden sich auf den Gaumenmandeln Eiterstippen oder ein durchgehender eitriger Belag, ist die Gefahr einer Ansteckung am höchsten. Häufig breitet sich die Infektion in der Folge auf weitere Bereiche im Rachenraum aus. Zudem sorgen die Zerfallsprodukte von Zellen und Bakterien im Eiter für den typischen unangenehmen Mundgeruch (Foetor ex ore). 

Mandelentzündungen bei Scharlach

Scharlach ist eine typische Kinderkrankheit, die ebenfalls durch Streptokokken hervorgerufen wird. Für das Krankheitsbild sind von den GABHS produzierte Giftstoffe verantwortlich. 

Diese Exotoxine sorgen für die typischen Hautreaktionen, die der Erkrankung zu ihrem Namen verholfen haben. Den scharlachroten, stark juckenden Ausschlag bezeichnet man medizinisch als Exanthem. Es beginnt in Achseln und Leistenbeuge und breitet sich über den ganzen Körper aus, wobei es typischerweise die Region um Mund und Nase ausspart.

Bezeichnend für Scharlach sind Schüttelfrost, hohes Fieber, beschleunigter Herzschlag sowie Kopfschmerzen. Wie bei allen Mandelentzündungen kommt es zu Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden und geschwollenen Lymphknoten am Hals. Das Exotoxin verursacht auf den Schleimhäuten ein Enanthem mit einem scharlachroten weichen Gaumen und der typischen "Himbeerzunge".

Selten aber heftig: Diphtherie

Diphtherie spielt bei uns glücklicherweise heutzutage kaum noch eine Rolle. Bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts war der "Würgeengel der Kinder" hauptverantwortlich für die hohe Kindersterblichkeit. Die gravierende Mandelentzündung verursacht weiß-graue Beläge auf Mandeln, Gaumenbogen und hinterer Rachenwand. Die "Halsbräune" engt die Atemwege so weit ein, dass es zu tödlichen Erstickungsanfällen kommt. 

Verantwortlich hierfür sind wieder einmal Exotoxine, hier von Corynebacterium diphtheriae. Für die Entwicklung eines Impfstoffes hat Emil von Behring den ersten Nobelpreis für Medizin erhalten. Ausgerottet ist die Diphtherie bis heute nicht - seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sorgt die fehlende Durchimpfung für steigende Erkrankungszahlen und vereinzelte Fälle in Deutschland.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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