So wird eine Mandelentzündung diagnostiziert und behandelt
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So wird eine Mandelentzündung diagnostiziert und behandelt

Erkältungen dauern ohne Behandlung vierzehn Tage und mit zwei Wochen? Bei Mandelentzündungen trifft das nicht immer zu. In einigen Fällen sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen und sich nicht vor der Einnahme von Antibiotika scheuen. Sie verhindern Folgeerkrankungen, die dauerhafte Schäden an inneren Organen hervorrufen können.

Wann muss man mit einer Mandelentzündung zum Arzt?

Eine Tonsillitis zeigt, dass die Immunabwehr auf Hochtouren arbeitet - nicht nur bei einem harmlosen grippalen Infekt. Die Halsschmerzen treten auch auf, wenn eine schwerwiegende Erkrankung wie Diphtherie oder Scharlach vorliegt. Generell sollte man bei einer "chronischen" Mandelentzündung spätestens dann medizinischen Rat einholen, wenn weitere Beschwerden oder hohes Fieber hinzukommen.

Als Alarmsignal gelten einseitige Halsschmerzen mit einer einzelnen, dick angeschwollenen Gaumenmandeln. Hierbei kann es sich um einen Abszess handeln, der von einem Arzt behandelt werden muss. Aus einem Entzündungsherd können Bakterien in die Blutbahn gelangen. In kleiner Zahl schädigen sie innere Organe wie Herz und Nieren, in Mengen rufen sie eine lebensgefährliche Blutvergiftung hervor.

Welcher Arzt ist für eine Mandelentzündung zuständig?

In der Regel reicht der Besuch beim Hausarzt vollkommen aus. Nur wenn es zu Komplikationen kommt oder eine schwerwiegendere Erkrankung vorliegt, schreibt dieser eine Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt oder einen anderen Facharzt.

Was macht der Arzt bei einer akuten Mandelentzündung?

Der Arzt fragt nach Beschwerden und überprüft die Gaumenmandeln mit einem Holzspatel. Damit sieht er, ob die Mandeln verschieblich sind. Bei einer Mandelentzündung sind sie gerötet und geschwollen, und Eiterstippen oder ein durchgehender Belag deuten auf eine bakterielle Infektion hin. Die Größe spielt für die Diagnose keine Rolle, ist aber wichtig bei Atem- und Schluckbeschwerden. Darüber hinaus tastet der Arzt die Lymphknoten am Hals nach Schwellungen ab.

Diagnose einer chronischen Mandelentzündung

Lassen sich die Mandeln nicht verschieben, ist das die Folge einer chronischen Mandelentzündung, genauer einer rezidivierenden akuten Tonsillitis (RAT). Die Oberfläche der Gaumenmandeln ist zerklüftet und vernarbt, und auf Druck mit dem Holzspatel kommt Eiter zum Vorschein.

Im Blutbild lässt sich mit Entzündungszeichen wie CRP, Blutsenkung und Leukozyten feststellen, ob andere Organe ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sind. Sicherheitshalber schaut sich der Arzt die Ohren an und horcht die Lunge mit einem Stethoskop ab.

Bei anhaltenden Infekten ist ein Schnelltest (RADT) oder eine Kultur zum Nachweis von betahämolysierenden Streptokokken möglich. Relativ spät lässt sich Antistreptolysin O feststellen, ein Antikörper, den der Körper gegen das Exotoxin der Bakterien bildet.

Wichtig: Unterscheidung von anderen Krankheiten

Mandelentzündungen treten bei einer ganzen Reihe schwerwiegender Erkrankungen auf. Wichtig ist die Differentialdiagnose von Diphtherie, Scharlach, Mononukleose, Syphilis und Tuberkulose. Hierzu sind weiterführende Untersuchungen notwendig, wie der Nachweis von EBV in Blut oder Rachenabstrich oder die typische Himbeerzunge beim Scharlach.

Wie behandelt man eine durch Viren hervorgerufene Mandelentzündung?

Antibiotika sind bei Viren unwirksam. Daher kümmert man sich bei einer viralen Tonsillitis um eine Linderung der Beschwerden. Dazu dienen fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente in Form nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR). 

Ibuprofen und Paracetamol sind über zwei bis drei Tage dreimal täglich einzunehmen. Aspirin sollte man wegen der erhöhten Blutungsneigung vermeiden, falls eine Entfernung der Mandeln notwendig wird.

Wie wird eine Mandelentzündung behandelt?

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gibt in ihrer aktuellen Leitlinie zur Behandlung der Tonsillitis ein Punktesystem vor. McIsaac-Score und Centor-Score beurteilen abhängig vom Alter Parameter wie Körpertemperatur, Husten und Schwellungen von Lymphknoten und Gaumenmandeln. Ab einer gewissen Punktzahl empfiehlt die Leitlinie eine Behandlung mit Antibiotika.

Als Antibiotika kommt Penicillin oder Phenoxy-methylpenicillin-Benzathin zum Einsatz. Bei einer Penicilinallergie verwendet man stattdessen Erythromycin oder Cephalosporin. Die Therapie muss eine Woche beibehalten werden, um die Bakterien effektiv zu beseitigen und Resistenzen zu vermeiden.

24 Stunden nach Beginn der Antibiotikabehandlung ist der Patient nicht mehr ansteckend. In besonderen Fällen müssen die Mandeln chirurgisch entfernt werden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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