Mandelentzündungen: Wenn harmlose Bakterien Komplikationen verursachen
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Mandelentzündungen: Wenn harmlose Bakterien Komplikationen verursachen

Bei einem grippalen Infekt sind zumeist Viren die Auslöser. Oft nutzen Bakterien das geschwächte Immunsystem und breiten sich aus. Darunter sind Streptokokken, die unserer normalen Hautflora gehören. Gelangen sie in den Körper hinein, drohen nach der harmlosen Mandelentzündung schwere Komplikationen.

Wie werden Streptokokken gefährlich?

Stämme von Streptococcus sind weit verbreitet, und einige davon findet man beim Menschen als normale Mitbewohner. Im Allgemeinen sind sie harmlos, aber im Körperinneren haben sie nichts zu suchen. Dass sie dort Schaden anrichten können, merkt man, wenn sie in Wunden Eiter bilden. Daher produzieren wir in frühester Jugend Abwehrzellen und Antikörper, damit die Streptokokken auf Haut und Schleimhaut bleiben und nicht ins Innere gelangen.

Schwächelt das Immunsystem, nutzen die Bakterien die Gelegenheit und machen sich breit. Haben Viren bereits die Mandeln entzündet und eine Angina verursacht, sorgen sie für eitrige Stippen und Beläge. Läuft hier etwas schief, erreichen die Streptokokken das umliegende Gewebe und unter Umständen sogar das Blut, mit dem sie sich im Organismus verteilen.

Was ist ein Peritonsillarabszess?

Die Gaumenmandeln liegen in einer Kapsel, in die Streptokokken eindringen und einen Abszess hervorrufen können. Er äußert sich mit einer einseitigen, dicken Schwellung, die zu Schluckbeschwerden führt und das Zäpfchen verschiebt. Hinzu kommen hohes Fieber und Schmerzen, die beim Öffnen des Mundes bis hinter das Ohr ausstrahlen.

Ein solcher Peritonsillarabszess (PTA) ist die häufigste Komplikation akuter Mandelentzündungen. Er muss umgehend entleert und mit Antibiotika behandelt werden, damit die Bakterien nicht noch mehr Schaden anrichten.

Was ist eine Hals-Phlegmone?

Geraten die Streptokokken in das umliegende Bindegewebe, breitet sich die Entzündung entlang der Gefäßscheiden und im Parapharyngealraum aus. Letzterer ist für die Verschieblichkeit der anatomischen Strukturen des Halses wichtig und reicht vom Schädel bis in den Brustraum. Eine solche Halsphlegmone ist mit schwerem Fieber und einem schmerzhaften schiefen Hals verbunden. Sie muss umgehend operativ und antibiotisch versorgt werden.

Blutvergiftung nach Mandelentzündungen

Gelangen Streptokokken über Mandelvenen oder Lymphbahnen in den Körper, sorgen sie für noch mehr Probleme. In großer Menge verursachen sie im Blut eine Bakteriämie und letztlich eine Blutvergiftung (Sepsis). Sie äußert sich mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, schwerem Krankheitsgefühl und anderen Symptomen. Unbehandelt verläuft sie fast immer tödlich.

Wenn Streptokokken das Immunsystem an der Nase herumführen

Für Komplikationen reichen bereits wenige Streptokokken aus. Ihre Oberfläche trägt Antigene, die körpereigenen Strukturen zum Verwechseln ähnlich sehen - ausgesprochen praktisch, um sich Immunzellen und Antikörpern zu entziehen. 

Fatal wird das, sobald die Immunabwehr die Bakterien richtig erkennt und Antikörper produziert. Bis es nach der Mandelentzündung so weit ist, dauert zwei bis vier Wochen. Dann attackiert die Immunabwehr nicht nur die Streptokokken, sondern auch die immunologisch ähnlichen Gebilde. In einem solchen Fall spricht man von akutem rheumatischem Fieber, im Volksmund Streptokokkenrheumatismus genannt.

Rheumatisches Fieber ist häufig mit Entzündungen in Gelenken (rheumatische Arthritis) und/oder Herz verbunden. Letztere betreffen Herzbeutel (Perikarditis), Herzmuskel (Myokarditis) oder Herzinnenhaut (rheumatische Endokarditis). Dazu gehören die Herzklappen, deren Schädigung zu Herzklappeninsuffizienz und mangelnder Pumpleistung führt.

Weitere Komplikationen

Andere Komplikationen nach Mandelentzündungen sind wesentlich seltener. Dazu gehören

  • Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis),
  • Mittelohrentzündung (Otitis media),
  • Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis),
  • Lungenentzündung (Pneumonie) und
  • Hirnhautentzündung (Meningitis).

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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