Lipödem: Behandlung des "Reiterhosen-Syndroms"
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Lipödem: Behandlung des "Reiterhosen-Syndroms"

Eine Lipödem-Behandlung richtet sich in erster Linie danach, die Symptome und Beschwerden zu lindern. Eine Therapie, die die Ursachen bekämpft, ist bei der Fettverteilungsstörung leider nicht möglich. Die folgenden Maßnahmen können die Lebensqualität Betroffener aber deutlich verbessern.

Lipödem: Behandlung der Wassereinlagerungen

Die Schwellungen und Schmerzen bei einem Lipödem werden vor allem durch die Wassereinlagerungen zwischen den Fettzellen ausgelöst. Daher zielt eine Lipödem-Behandlung vor allem darauf ab, die Wassereinlagerungen zu lösen und das Gewebe zu entstauen. Standard ist die sogenannte Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie setzt sich aus den folgenden Maßnahmen zusammen:

Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Massagetechnik. Der Masseur streicht dabei vorsichtig auf der Haut am Verlauf der Lymphbahnen entlang, um die dort gestaute Flüssigkeit zu lösen. So lassen sich die Schwellungen lindern. Kompressionsverbände und Kompressionsstrümpfe sorgen dafür, dass der Effekt länger anhält und sich nicht so schnell wieder Lymphflüssigkeit im Lipödem sammelt. Im Lipödem-Stadium 1, wenn die Symptome noch schwach sind, genügen manchmal Kompressionsverbände und -strümpfe, um die Beschwerden zu lindern und einem schweren Verlauf vorzubeugen.

 Die manuelle Lymphdrainage – eine spezielle Massagetechnik – ist ein wesentlicher Bestandteil der Lipödem-Behandlung.
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Die manuelle Lymphdrainage – eine spezielle Massagetechnik – ist ein wesentlicher Bestandteil der Lipödem-Behandlung.

Eine Physiotherapie hilft, die Beweglichkeit des Körpers zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren. Eine intensive, speziell auf Lipödem-Patienten zugeschnittene Hautpflege ist ebenfalls wichtig, da die Haut Betroffener besonders empfindlich ist. Ein Hautarzt kann hierbei beratend zur Seite stehen. Ziel ist, Pilzinfektionen, Ekzemen, Entzündungen und Reizungen der Haut vorzubeugen. Die KPE begleitet Lipödem-Patienten ein Leben lang.

Lipödem: Fettabsaugung als Option?

Viele Betroffene fragen sich, ob es eine Lipödem-OP gibt und welcher Arzt sie durchführen könnte. Grundsätzlich sind vor allem Phlebologen für die Lipödem-Behandlung die richtigen Ansprechpartner – sie sind Experten für Gefäßerkrankungen und Venenleiden. Allerdings gibt es tatsächlich eine OP, die Lipödem-Patienten nachhaltig helfen kann: die Fettabsaugung.

Wichtig ist, dass die in der Fachsprache als Liposuktion bezeichnete Behandlung von einem ästhetischen Chirurgen durchgeführt wird, der sich mit Lipödemen auskennt. Denn die Fettabsaugung bei einem Lipödem ist aufwendiger als eine rein kosmetische Liposuktion. Der Chirurg muss sehr behutsam vorgehen, um die Nerven und Gefäße nicht zu beschädigen. Je nach Stadium und Schweregrad des Lipödems sind mehrere Sitzungen zur Fettabsaugung notwendig.

Obwohl die Fettabsaugung langfristige Erfolge in der Lipödem-Behandlung verspricht, werden die Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Bei rund 5.000 Euro pro Eingriff können die OP-Kosten für Betroffene deshalb schnell sehr teuer werden.

Ernährung und Sport unterstützen die Lipödem-Therapie

Übergewicht und Adipositas verschlimmern die Beschwerden eines Lipödems. Daher kann es sinnvoll sein, die Lipödem-Behandlung durch gesunde Ernährung und Sport zu unterstützen, um Gewicht zu reduzieren. Eine spezielle Diät ist nicht nötig, eine ausgewogene Ernährung und der bestmögliche Verzicht auf offensichtliche Dickmacher und Fertigprodukte genügen.

Wassersportarten können einen ähnlichen Effekt haben wie die Lymphdrainage bei der KPE-Therapie. Sie sind daher für Lipödem-Patienten besonders zu empfehlen. Dazu gehören:

  • Schwimmen
  • Aqua-Aerobic
  • Aqua-Jogging
  • Aqua-Cycling

Aber auch jede andere Art von Bewegung ist für Betroffene zu empfehlen, um die Beschwerden zu lindern, selbst wenn die eigentliche Krankheit davon unberührt bleibt.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SH
Autor/-in
Svenja Hauke
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