Influenza-Experten gefragt: Ist die Grippe-Impfung ansteckend?
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Influenza-Experten gefragt: Ist die Grippe-Impfung ansteckend?

„Du warst beim Arzt und bist gegen Grippe geimpft worden? Steck mich bloß nicht an!" – diese Aussage ist in den Wintermonaten keine Seltenheit. Doch stimmt das? Besteht nach der Grippe-Impfung tatsächlich ein Ansteckungsrisiko? Und kann die Grippe-Impfung eine Influenza auslösen? Gelbe Seiten hat bei zwei Grippe-Experten nachgefragt.

Eine Grippe kann tödlich verlaufen

Die Grippewelle steht auch in diesem Winter bevor. Die Viren haben durch die Kälte und ausgetrocknete Schleimhäute besonders gute Wachstumsbedingungen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt, erkranken während einer saisonalen Grippewelle in Deutschland zwischen zwei und zehn Millionen Menschen – bei starken Grippewellen auch mehr. Die Influenza ist für den Körper eine enorme Belastung und kann sogar tödlich enden: In der Grippesaison 2016/2017 gab es laut RKI geschätzte 22.900 Todesfälle.

„Die Grippe-Impfung bietet einen wichtigen Schutz“

„Eine echte Grippe ist eine schwere Erkrankung“, betont Dr. Wolfgang LangHeinrich, Vorstandsberater der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) und Ansprechpartner im Bereich Impfung. „Eine Infektion schwächt das Immunsystem stark und begünstigt so unter anderem schwere Lungenentzündungen – an denen viele Grippekranke sterben. Die Grippe-Impfung bietet einen wichtigen Schutz vor den Viren.“

Grippe-Geimpfte sind nicht ansteckend

Und der Experte beruhigt: Die Grippe-Impfung selbst könne weder die Influenza auslösen noch sei ein Grippe-Geimpfter ansteckend. Dem stimmt auch Professorin Erika Baum zu. Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erklärt: „Bei der Grippe-Impfung handelt es sich um einen Totimpfstoff, also ohne lebende Erreger. Damit ist eine Ansteckung anderer ausgeschlossen.“Möglich ist allerdings, dass die Impfung vorübergehend den Körper belastet und Grippe-Viren, die von außen auf den Körper einwirken, so eine Angriffsfläche bietet. Daher sollte man sich zum Beispiel mit einer Erkältung oder Fieber nicht impfen lassen. Außerdem braucht der Körper etwa zwei Wochen, bis er den vollen Impfschutz aufgebaut hat.

Es gibt keinen 100-prozentigen Impfschutz

Die Grippe-Impfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion, ist aber dennoch ein guter Schutzschild gegen die Erreger: „Bei Menschen mit fittem Immunsystem liegt die Impfschutzrate über 60 Prozent. Bei Alten oder Personen mit schlechter Immunantwort ist die Schutzrate geringer“, sagt Professorin Erika Baum. Und Dr. Wolfgang LangHeinrich ergänzt: „Es kann immer sein, dass der Impfschutz versagt. Keine Impfung kann sicher schützen. Aber: Erkrankt eine geimpfte Person an einer Grippe, ist der Krankheitsverlauf im Allgemeinen deutlich abgeschwächt – und das Risiko für schwere gesundheitliche Komplikationen somit geringer.“

Impfschutz vom Vorjahr ist nicht wirksam

Trotzdem verzichten viele auf den Impfschutz. Manche haben Angst vor den Nebenwirkungen, andere hoffen darauf, dass die Impfung vom letzten Jahr noch ausreichend schützt. „Auf den Impfschutz vom Vorjahr können Sie sich nicht verlassen“, sagt Dr. LangHeinrich. „Die Grippe-Viren haben ein hohes Mutationspotential. Der Körper wird jedes Jahr mit völlig anderen Virenformen konfrontiert. Der Impfstoff wird daher jede Saison neu an die drei bis vier häufigsten aktuell grasierenden Grippeviren angepasst.“ Laut Professorin Baum zeigen erste ausgewertete Daten für dieses Jahr eine gute Passung.

Nebenwirkungen der Grippe-Impfung „gut beherrschbar“

Und wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? Professorin Baum beruhigt: „Die Nebenwirkungen sind meist schwach und gehen schnell vorüber, wenn sie überhaupt auftreten.“ An häufigsten seien milde Lokalreaktionen wie Schwellung, Juckreiz oder leichte Schmerzen an der Impfstelle. Deutlich seltener treten ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Fieber für ein bis zwei Tage auf. Bei jungen Menschen könne es auch mal zu einem plötzlichen Blutdruckabfall vor oder unter der Impfung kommen. Alle anderen Reaktionen sind der Expertin zufolge extrem selten.

Dem stimmt auch Dr. LangHeinrich zu: „Die Nebenwirkungen der Impfung sind, verglichen mit den möglichen Folgen einer Erkrankung, gut beherrschbar und klingen rasch wieder ab.“ Dem Experten zufolge ist der Impfschutz für alle uneingeschränkt sinnvoll. Von besonderer Bedeutung sei die Impfung für Personen mit einem hohem Ansteckungsrisiko für sich oder ihre Umgebung und für Menschen mit erhöhtem Komplikationsrisiko. Dazu zählen ein beeinträchtigtes Immunsystem, Vorschädigungen des Herzens oder der Lunge, aber auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Schwangere sollen sich ebenfalls impfen lassen. 

 

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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Professorin Dr. med. Erika Baum

Professorin Dr. med. Erika Baum ist Hausärztin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM).

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Dr. Wolfgang Lang Heinrich

Dr. Wolfgang Lang Heinrich ist Vorstandsberater der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) und Ansprechpartner im Bereich Impfung.

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