Lebensmittelallergien •

Expertenrat: Kuhmilchallergie und Laktoseintoleranz - wo ist der Unterschied?

Nicht jeder verträgt Milch. Immer mehr Menschen haben mit Unverträglichkeiten zu kämpfen. Dabei kann nicht nur der Milchzucker (Laktose) die Verdauung aus dem Takt bringen. Auch eine Allergie gegenüber dem enthaltenen Milcheiweiß kann Beschwerden verursachen. Kristin Mayr, Vorstandsvorsitzende des Vereins für Lactoseintoleranz (VLI) e. V. weiß, wie sich eine Kuhmilchallergie und eine Laktoseintoleranz zeigen.

Gelbe Seiten: Warum vertragen so viele Menschen Milchprodukte nicht?

Kristin Mayr: 80 Prozent der Weltbevölkerung vertragen Milchprodukte nicht. In Deutschland leidet schätzungsweise jeder Siebte unter einer Laktoseintoleranz. Das hängt mit dem in der Milch enthaltenen Milchzucker zusammen, Laktose genannt. Normalerweise wird die Laktose im Dünndarm von dem Enzym Laktase gespalten und über die Darmschleimhaut aufgenommen. Fehlt das Enzym Laktase, gelangt die Laktose in den Dickdarm. Dort ist sie für die Darmbakterien ein gefundenes Fressen. Das Ergebnis des Zersetzungsprozesses im Dickdarm sind Gase und Abbauprodukte, die zu Übelkeit, Magenkrämpfen, Durchfall und Blähungen führen können. Es können auch unspezifische Symptome auftreten wie Kopfschmerzen, vermehrtes Schwitzen, Müdigkeit oder eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Gelbe Seiten: Was sind die häufigsten Auslöser einer Laktoseintoleranz?

Kristin Mayr: Eine Laktoseintoleranz kann in Folge von Magen-Darm-Erkrankungen entstehen, zum Beispiel bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Die Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten führt zu Entzündungen in Darm, die die Darmtätigkeit und somit die Laktaseproduktion stören. In selteneren Fällen besteht die Laktoseunverträglichkeit bereits von Geburt an. Viele Menschen verlieren im Laufe ihres Lebens schrittweise die Fähigkeit, Milchzucker im Dünndarm zu verarbeiten, weil sich das Enzym Laktase mit den Jahren zurückbildet.

Gelbe Seiten: Neben Milchzucker kann auch das Milcheiweiß zu Problemen führen, etwa zu einer Kuhmilchallergie. Was passiert dabei im Körper?

Kristin Mayr:Bei der Kuhmilchallergie reagiert das Immunsystem auf die in der Milch enthaltenen Eiweiße mit Abwehr. Es kommt zu einer allergischen Reaktion. Vor allem das Eiweiß Kasein spielt bei der Milchallergie eine große Rolle. Es macht etwa 80 Prozent der Gesamtproteinmenge in der Milch aus. Doch auch die Molkenproteine können Beschwerden verursachen. Zu den Symptomen einer Kuhmilchallergie gehören unter anderem Hautausschläge und Juckreiz sowie Schwellungen der Haut und der Schleimhäute. Zudem können ein Kloßgefühl im Hals, eine verstopfte Nase, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auftreten. In schweren Fällen drohen Atemnot, Kreislaufstörungen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch. Vermehrtes Schwitzen kann ebenfalls auf eine Milchallergie hindeuten.

Gelbe Seiten: Ist es möglich, dass beides zeitgleich auftritt, die Laktoseintoleranz und die Milchallergie?

Kristin Mayr: Seit Gründung unseres Vereins im Jahr 2006 haben wir das noch nicht erlebt. Gelegentlich lag gleichzeitig zur Laktoseintoleranz eine weitere Unverträglichkeit vor und zwar von Fruktose (Fruchtzucker).

Gelbe Seiten: Was können Betroffene tun?

Kristin Mayr: Wer feststellt, dass ihm Milch und Milchprodukte nicht gut bekommen, kann auf diese einige Wochen verzichten. Verbessern sich die Beschwerden, deutet das darauf hin, dass in irgendeiner Form die Milch der Auslöser ist. Unverträglichkeitstests beim Arzt beziehungsweise Allergologen geben Hinweise, welcher Milchbestandteil Beschwerden macht. Während bei einer Allergie meist geringe Mengen mit Beschwerden einhergehen, ist es bei der Laktoseintoleranz so, dass in den meisten Fällen bestimmte Milchzuckermengen noch gut vertragen werden. Hier gilt es, sich langsam an die eigene Toleranzgrenze heranzutasten. Eine Ernährungsberatung kann hierbei helfen – und sicherstellen, dass der Körper mit wichtigem Kalzium versorgt wird.

Gelbe Seiten: Vielen Dank für das Gespräch. 

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Kristin Mayr
Experte

Frau Kristin Mayr ist Diplom-Oecotrophologin und gründete 2006 den Verein für Lactoseintoleranz (VLI) e.V. Seither ist sie Vorstandsvorsitzende. Sie war an allen Ernährungsberatungen des VLI beteiligt, leitete VLI-Projekte und unterstützte Studierende bei ihren Forschungsarbeiten.

 

AL
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