Beipackzettel verstehen: So deuten Sie die Packungsbeilage richtig
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Beipackzettel verstehen: So deuten Sie die Packungsbeilage richtig

Jedem Medikament liegt ein Beipackzettel bei, die sogenannte "Gebrauchsinformation". Diese enthält alle wichtigen Anweisungen für die richtige Einnahme des Medikaments und klärt über mögliche Neben- und Wechselwirkungen auf. Doch nicht immer ist die Packungsbeilage leicht zu deuten. So lesen Sie die Packungsbeilage richtig.

Beipackzettel nicht wegwerfen

Es ist nervig: Jedes Mal wenn man das Tablettenblister in die Arzneipackung zurückschieben möchte, ist der Beipackzettel im Weg. Auch wenn die Versuchung groß ist: Werfen Sie die Gebrauchsinformation Ihrer Medikamente nie weg. Es kann sein, dass Sie zu einem späteren Zeitpunkt nachlesen möchten, wie Sie das Medikament einnehmen müssen. Möchten Sie die Packungsbeilage nicht in der Medikamentenpackung haben, sammeln Sie diese in einem Ordner oder in einer Schublade im Bad. Wichtig ist, dass Sie den Zettel greifbar haben, wenn Sie ihn brauchen.

Sie möchten in der Packungsbeilage etwas nachschauen und finden diese nicht? Versuchen Sie es im Internet. Viele Hersteller haben die Packungsbeilagen Ihrer Medikamente online veröffentlicht.

Beipackzettel verstehen: der Einnahmezeitpunkt

Es ist möglich, dass eine Kombination Ihres Medikaments mit anderen Medikamenten oder mit bestimmten Lebensmitteln Wechselwirkungen hervorruft. Um diese unerwünschte Wirkung zu verhindern, lesen Sie die Packungsbeilage gründlich durch. Viele Wechselwirkungen lassen sich umgehen, wenn ausreichend Zeit zwischen der Einnahme von Medikamenten oder dem Genuss bestimmter Speisen liegt.

Eine wichtige Orientierung hierzu ist auch der Einnahmezeitpunkt des Medikaments. Das meint der Beipackzettel:

  • Einnahme auf nüchternen Magen: Das Medikament sollte 30 bis 60 Minuten vor der Mahlzeit oder frühestens zwei Stunden nach der Mahlzeit eingenommen werden.
  • Einnahme vor dem Essen: Das Medikament sollte 30 Minuten bis eine Stunde vor der Mahlzeit auf leeren Magen eingenommen werden.
  • Einnahme während des Essens: Die Einnahme kann zwischen zwei Bissen erfolgen oder innerhalb von fünf Minuten nach der Mahlzeit, damit sich das Medikament mit dem Speisebrei mischt.
  • Einnahme nach dem Essen: Zwischen Mahlzeit und Einnahme des Medikaments sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden liegen.
  • Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten: Die Einnahme sollte vor, zu oder nach der Mahlzeit oder zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen den Mahlzeiten erfolgen.

Medikament drei Mal am Tag einnehmen: Hier passieren oft Fehler

Bestimmte Medikament müssen unterschiedlich häufig eingenommen werden. Manchmal reicht eine Tablette pro Tag aus. Andere Kapseln müssen drei Mal am Tag eingenommen werden. Genau hier passiert häufig ein Fehler: Bei "drei Mal täglich" denken viele, sie müssten das Medikament jeweils zu den Hauptmahlzeiten einnehmen, also zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Doch das ist falsch. Drei Mal täglich bezieht sich auf einen Zeitraum von 24 Stunden. Das heißt: Das Medikament muss im 8-Stunden-Rhythmus eingenommen werden.

Beipackzettel verstehen:

  • Einmal pro Tag: Das Medikament muss alle 24 Stunden eingenommen werden. Ob Sie dies morgens, mittags oder abends machen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt. Wichtig ist, das Medikament, wenn möglich, immer zur gleichen Zeit einzunehmen und nicht mehr als zwei Stunden davon abzuweichen.
  • Zweimal pro Tag: Das Medikament muss alle zwölf Stunden eingenommen werden. Meistens wird dabei morgens und abends empfohlen. Auch hier sollten Sie einen Puffer von zwei Stunden nicht überschreiten.  
  • Dreimal pro Tag: Sie müssen das Medikament drei Mal am Tag mit einem Abstand von jeweils acht Stunden einnehmen. Halten Sie dabei die gleichen Uhrzeiten ein. Es kann passieren, dass es sich vom Einnahmerhythmus her so ergibt, dass Sie das Medikament nachts einnehmen müssten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, inwieweit Sie abweichen dürfen - oder ob Sie auch nachts den Wecker stellen müssen. Fragen Sie dann auch, wie Sie den Einnahmerhythmus am besten anpassen können.
Der Arzt als Ansprechpartner

Nehmen Sie mehrere Medikamente ein und sind Sie sich unsicher in Hinblick auf die unterschiedlichen Wechselwirkungen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt

Zu Risiken und Nebenwirkungen: Wie häufig ist „selten“?

Neben möglichen Wechselwirkungen finden Sie in der Packungsbeilage auch die Nebenwirkungen aufgelistet, die bei der Einnahme der Medikamente auftreten können. Diese sind nach ihrer Häufigkeit aufgelistet.

„Selten“ und „Häufig“ – das meint die Packungsbeilage:

  • "Sehr häufig": Die Nebenwirkung tritt voraussichtlich bei mindestens einem von zehn Patienten auf.
  • "Häufig": Bestenfalls sind von 100 Patienten 99 beschwerdefrei, mindestens aber 90.
  • "Gelegentlich": Die Nebenwirkungen treten bei bis zu 10 von 1000 Patienten auf.
  • "Selten": Von 10.000 Patienten sind maximal 10 von der Nebenwirkung betroffen.
  • "Sehr selten": Von 10.000 Patienten ist höchstens einer betroffen.
Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Gegenanzeigen: der Unterschied

Nebenwirkungen: Beschwerden, die zusätzlich zur Hauptwirkung des Medikaments auftreten können und unerwünscht sind.

 

Wechselwirkungen: Beeinflussung zweier Arzneimittel oder eines Medikaments mit bestimmten Nahrungsmitteln. Die Wirkung kann verstärkt, abgeschwächt oder aufgehoben werden.

 

Gegenanzeigen: Erkrankungen, Therapien, Beschwerden oder Lebensumstände, bei denen das Medikament nicht eingenommen werden darf, etwa eine Schwangerschaft.

Beipackzettel verstehen: Mit „reichlich“ Flüssigkeit einnehmen

Lesen Sie in der Packungsbeilage, dass Sie das Präparat mit „reichlich“ Flüssigkeit einnehmen sollen, meint das: ein Glas Wasser – also mindestens 200 Milliliter. Nur wenn Sie Tabletten, Kapseln und Pulver mit ausreichend Flüssigkeit schlucken, können sie sich gut lösen und die Wirkstoffe zeitnah aufgenommen werden. Außerdem verhindert eine ausreichende Wassermenge, dass die Arznei in der Speiseröhre stecken bleibt.

Unverträglichkeiten? Schauen Sie in die Packungsbeilage

Viele Menschen haben Unverträglichkeiten, etwa eine Laktoseintoleranz. Enthält das Medikament Milchzucker, kann das problematisch werden. Auch wenn Allergien gegen bestimmte Wirkstoffe bestehen, kann es gefährlich sein. In jedem Beipackzettel finden Sie daher die Bestandteile des Medikaments sowie Hinweise, wann Sie die Arznei nicht einnehmen dürfen. Sind Sie schwanger, können Sie ebenfalls in der Packungsbeilage nachlesen, ob das Präparat für Sie geeignet ist oder nicht.

Zucker in Medikamenten und Diabetes

Oftmals enthalten Medikamente Zucker. Das ist vor allem für Diabetiker wichtig zu wissen. Zucker ist im Beipackzettel unter „sonstigen Bestandteilen“ aufgeführt. Der Zuckeranteil wird in Broteinheiten (BE) angegeben. So können Diabetes-Patienten den Zuckeranteil berücksichtigen.

Darf ich Auto fahren oder Maschinen bedienen?

Ob Sie nach der Einnahme des Medikaments noch Auto fahren oder Maschinen bedienen dürfen, können Sie ebenfalls in der Packungsbeilage einsehen. Halten Sie sich immer streng an diese Empfehlungen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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