Autismus: Ursachen der Entwicklungsstörung
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Autismus: Ursachen der Entwicklungsstörung

Die Ursachen für Autismus sind noch nicht vollständig erforscht. Das liegt daran, dass die einzelnen Formen und Ausprägungen der Autismus-Spektrum-Störungen so unterschiedlich und vielfältig sind. Einige Forschungsansätze gibt es jedoch, nach denen insbesondere genetische Faktoren eine Rolle für die Entwicklung von Autismus zu spielen scheinen.

Was ist Autismus?

Autismus ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Entwicklungsstörungen. Es werden grob drei Formen der Autismus-Spektrum-Störungen unterschieden, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein oder sich überschneiden können:

  • Frühkindlicher Autismus, auch Kanner-Syndrom genannt
  • Asperger-Syndrom
  • Atypischer Autismus

Der frühkindliche Autismus geht meist mit geistigen und sprachlichen Einschränkungen einher und lässt sich normalerweise schon bei Babys erkennen. Betroffene sind in der Regel ihr Leben lang auf Unterstützung angewiesen. Das Asperger-Syndrom ist üblicherweise nicht mit Einschränkungen bei der Intelligenz und Sprachkompetenz verbunden und wird oft erst im Kindergarten- oder Grundschulalter erkannt. Der atypische Autismus ähnelt in seiner Form dem frühkindlichen Autismus, tritt jedoch erst später in Erscheinung oder äußert sich in weniger starken Symptomen. Daneben gibt es noch das sogenannte Rett-Syndrom, das normalerweise nur Mädchen betrifft und mit schweren autistischen Symptomen einhergeht.

Typische Symptome für Autismus sind die folgenden Merkmale:

  • Gestörte soziale Fähigkeiten
  • Beeinträchtigungen bei Kommunikation und Sprache
  • Stereotypes, sich wiederholendes Verhalten und feste Rituale

Betroffenen fällt es meist schwer, eigene und fremde Gefühlsregungen zu verstehen und zu interpretieren. Dies führt zu Schwierigkeiten in Beziehungen zu ihren Mitmenschen und hat oft zur Ursache, dass soziale Kontakte gemieden werden.

Genetische Ursachen für Autismus

Um mögliche Autismus-Ursachen zu erforschen, wurden Zwillings- und Geschwisterstudien durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass 90 Prozent der autistischen eineiigen Zwillinge ein ebenfalls autistisches Geschwisterkind hatten. Bei zweieiigen Zwillingen betrug der Anteil der Geschwister, die beide autistische Symptome zeigten, 23 Prozent. Dies gibt Grund zur Annahme, dass Autismus seine Ursachen in genetischen Besonderheiten hat. Veränderungen im Erbgut und Gendefekte, die zum Beispiel das X-Chromosom betreffen, scheinen wesentlich für die die Entwicklungsstörung verantwortlich zu sein.

Autismus: Ursachen in der Gehirnentwicklung

Forscher nehmen an, dass die Ursachen von Autismus unter anderem auch in einer gestörten Gehirnentwicklung liegen. Wahrscheinlich entwickelt sich das Gehirn bereits im Mutterleib anders als bei gesunden Kindern. Es wurde beobachtet, dass autistische Kinder einen vergrößerten hinteren Hirnabschnitt besitzen und in den ersten Lebensjahren einen vergleichsweise großen Kopf gegenüber ihren Altersgenossen. Dadurch könnte die Vernetzung von Informationen im Gehirn von Autisten anders ablaufen als bei nicht autistischen Menschen. Allerdings ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob die Veränderungen wirklich durch den Autismus bedingt sind oder andere Ursachen haben und das gehäufte Auftreten dieses Phänomens bei Betroffenen Zufall ist.

Biochemische Prozesse bei Autisten

Darüber hinaus sind die Botenstoffe im Gehirn bei Autisten im Vergleich zu anderen Menschen verändert. Die Werte für die Hormone Serotonin und Dopamin sind erhöht, was dafür spricht, dass auch biochemische Prozesse an der Entstehung von Autismus beteiligt sind.

Wie wird die Diagnose für Autismus gestellt?

Autismus-Spektrum-Störungen sind nicht leicht zu diagnostizieren, da sie in sehr vielseitiger und unterschiedlicher Form auftreten können. Handelt es sich um eine leichte Form ohne geistige Einschränkungen, wird Autismus eventuell erst im Erwachsenenalter erkannt. Dabei ist es wichtig, möglichst früh die richtige Diagnose zu stellen, damit die Betroffenen schnell Hilfe bekommen und passend gefördert werden – dann erhöhen sich die Chancen, später ein weitestgehend selbstständiges und beschwerdefreies Leben zu führen.

Frühkindlicher Autismus fällt den Eltern oft bereits im Säuglingsalter auf. So weichen die Babys zum Beispiel den Blicken ihrer Mutter oder ihres Vaters aus. Säuglinge, die nicht autistisch sind, ahmen zudem schon früh das Lächeln ihrer Eltern nach – auch dies lässt sich bei betroffenen Babys nicht beobachten. Hinzu kommt, dass die Kinder sehr in sich gekehrt wirken und nicht auf Außenreize oder ihre Umgebung reagieren. Dies könnte allerdings auch daran liegen, dass das Baby blind oder taub ist, daher sollten Eltern mit ihrer Vermutung schnell zum Kinderarzt und ihren Säugling gründlich untersuchen lassen.

Der Arzt prüft die Augen und Ohren des Kindes und führt neurologische und laborchemische Tests sowie bildgebende Verfahren durch, um sicherzustellen, dass keine körperlichen Erkrankungen als Ursachen für die Symptome infrage kommen. Darüber hinaus misst er die Hirnströme des Babys, um ausschließen zu können, dass etwaige Gehirnschäden für das ungewöhnliche Verhalten verantwortlich sind. Erst danach, wenn keine andere Diagnose sich bestätigt hat, holt der Kinderarzt einen Kinder- und Jugendpsychiater dazu, der sich mit den Anzeichen für Autismus gut auskennt. Stellt sich der Verdacht als zutreffend heraus, kann von Anfang an mit der Förderung und Therapie begonnen werden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

CK
Autor/-in
Christopher Kiel
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