Antibiotika einnehmen: Diese 5 Fehler dürfen Sie nicht machen
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Antibiotika einnehmen: Diese 5 Fehler dürfen Sie nicht machen

Damit Antibiotika wirken können, kommt es auf die richtige Einnahme an. Wird das Medikament zu früh abgesetzt oder falsch angewendet, wirkt es nicht richtig und Resistenzen können sich bilden. Die Heilung ist erschwert. Fünf Antibiotika-Fehler, die Sie nicht machen dürfen.

Was sind eigentlich Antibiotika?

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden in Deutschland jährlich 250 bis 300 Tonnen Antibiotika an Patientinnen und Patienten verordnet. Damit gehören sie zu einer der verordnungs­stärksten Arznei­mittel­gruppen. Antibiotika sind Arzneimittel, die gegen Bakterien und andere Mikro­orga­nis­men wirksam sind. Sie greifen unter anderem die Zellwand und den Stoff­wechsel der Erreger an. Gegen Viren helfen Antibiotika nicht. Mediziner unterscheiden zwischen:

  • Schmal­spektrum-Antibiotika: Sind auf bestimmte Krankheits­erreger spezialisiert.
  • Breit­spektrum- oder Breitband-Antibiotika: Richten sich gegen eine Vielzahl Bakterien.
  • Reserve­­anti­bio­tika: Werden nur dann eingesetzt, wenn Antibiotika­resistenzen auftreten und sehr starke Infektionen vorliegen.

Antibiotika einnehmen: Wann helfen Antibiotika?

Antibiotika wirken gegen Bakterien und andere Mikroorganismen. Sie helfen daher oft bei Mandel­ent­zün­dungen, Lungen­entzün­dungen, Hirn­haut­entzündungen oder Blasenentzündungen. Viren hingegen sind oft der Auslöser von Erkrankungen wie Erkältung und Grippe. Hier helfen Antibiotika nicht.

Fehler 1: Antibiotika zu früh absetzen!

Müssen Sie Antibiotika einnehmen, verbessern sich Ihre Beschwerden in der Regel rasch. Machen Sie aber auf keinen Fall den Fehler, die Behandlung vorzeitig abzubrechen. Es können sich noch immer Erreger in Ihrem Körper befinden, die sich erneut vermehren. Sind die verbliebenen Bakterien gegen den Wirkstoff unempfindlich (resistent) geworden, erschwert das die Heilung erheblich. Dann muss der Arzt erst ein anderes Antibiotikum finden, das wirkt.

Je mehr Antibiotika eingenommen werden müssen, desto größer ist zudem die Belastung für den Körper. Denn Antibiotika zerstören auch gute Bakterien - unter anderem die im Darm. Das ist der Grund, warum Durchfall und Verdauungsstörungen eine Antibiotikaeinnahme so oft begleiten. Daher ist es wichtig, dass Patienten bei der Einnahme von Antibiotika besonders sorgfältig sind. Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, worauf Sie achten müssen.

"Inzwischen mehren sich Meldungen über Keime, gegen die die gängigen Antibiotika unwirksam sind. So sterben derzeit jährlich 20 Millionen Menschen weltweit an Infektionskrank­heiten, die durch den Einsatz von Antibiotika als besiegt galten. Das größte Problem ist die Resistenz­entwicklung, da die Mittel bei resistent gewordenen Erregern nicht mehr wirken."

— Männerportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Fehler 2: Antibiotika mit Milchprodukten einnehmen

Antibiotika und Milch vertragen sich nicht. Das gilt auch für Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse. Die Wirkstoffe des Medikaments werden durch das Kalzium gebunden und aus dem Körper geschleust. Milch und Milchprodukte hemmen somit die Wirkung von Antibiotika. Vorsicht geboten ist auch bei kalziumreichem Mineralwasser und bei Säften, denen Kalzium zugesetzt ist. Um sicher zu gehen, sollten Sie während der Antibiotika-Einnahme auf Milch und Milchprodukte verzichten – oder mindestens zwei Stunden Abstand zwischen der Medikamenteneinnahme und dem Verzehr von Milchprodukten einhalten. Nehmen Sie das Medikament mit einem großen Glas Leitungswasser ein.

"Eine fehlerhafte Anwendung von Antibiotika oder der vorzeitige Abbruch der Behandlung begünstigt die Entstehung resistenter Bakterien, da sie dadurch überleben und sich weitervermehren können. Besonders kritisch wird es dann, wenn Bakterien nicht nur gegen einen Wirkstoff, sondern gegen mehrere Antibiotika unempfindlich werden. Es entsteht eine sogenannte Multiresistenz. Keime der Gattungen Streptokokken und Staphylokokken zählen zu häufigen Vertretern der resistenten Keime. Dazu gehört auch der „Methicillin-resistente Staphylococcus aureus“, kurz MRSA."

— Infektionsschutz.de der BZgA

Fehler 3: Antibiotika mit Kaffee und Energy-Drinks kombinieren

Bei Kaffee ist Vorsicht geboten. Manche Antibiotika sorgen dafür, dass Koffein nicht abgebaut werden kann. Die aufputschende Wirkung des Stoffes hält dann länger an. Verzichten Sie besser auf koffeinhaltige Getränke, während Sie die Medikamente nehmen, sonst kann es passieren, dass Herzrasen, Schlafstörungen und Erregungszustände auftreten.

Verzichten Sie auch auf Alkohol, wenn Sie Antibiotika einnehmen: Antibiotika können die Funktion eines Enzyms einschränken, das den Alkohol in der Leber abbaut. So bleibt das giftige Abbauprodukt Acetaldehyd im Körper und führt zu Übelkeit bis zum Erbrechen, Kopfschmerzen und Herzrhythmusstörungen.

Fehler 4: Dem Arzt nichts von anderen Medikamenten erzählen

Müssen Sie ein Antibiotikum einnehmen, informieren Sie immer Ihren Arzt über weitere Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen. Andere Wirkstoffe können mit dem Antibiotikum Wechsel­wirkungen eingehen. Dann beeinflussen sich die Wirkstoffe gegenseitig. Die Medikamente wirken stärker, schwächer oder gar nicht mehr.

Wechselwirkungen treten zum Beispiel bei der gleichzeitigen Ein­nahm­e von Ant­i­biotika mit

  • der Pille,
  • blutverdünnenden Arz­nei­mit­teln,
  • Lipidsenkern,
  • Mitteln gegen Magensäure auf.

Teilen Sie Ihrem Arzt immer auch Allergien mit. Schwangere Frauen müssen ihre Schwangerschaft ebenfalls beim Arzt ansprechen.

Fehler 5: Antibiotika in die Toilette werfen

Normalerweise werden Antibiotika vollständig aufgebraucht. Sollten Sie, etwa aufgrund einer Unverträglichkeit, das Antibiotikum wechseln und eine angebrochene Packung zuhause haben, entsorgen Sie diese über den Hausmüll (Restmüll) oder geben Sie es in der Apotheke ab. Werfen Sie das Medikament auf keinen Fall in die Toilette. Kläranlagen können Medikamente nur schwer aus dem Abwasser filtern.

"Antibiotika-Resistenzen bei humanpathogenen Bakterien sind ein schwerwiegendes Problem des öffentlichen Gesundheitswesens. Auch in der Umwelt wurden bereits mehrfach multiresistente Mikroorganismen nachgewiesen: so zum Beispiel in Fließgewässern unterhalb von Kläranlagen-Abläufen, die oft besonders hohen Antibiotika-Konzentrationen ausgesetzt sind."

— Umweltbundesamt (UBA)

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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