Die besten Tipps für die Renovierung eines Altbau-Badezimmers

Von Statik bis Abdichtung: Auf diese Fallstricke müssen Sie achten, wenn Sie ein Badezimmer im Altbau modernisieren

Durchschnittlich gönnen wir unseren Bädern nur alle 20 Jahre eine Verjüngungskur – keine Überraschung also, dass man als Badplaner nicht selten vor der Aufgabe steht, ein nigelnagelneues Bad in einen Altbau zu integrieren. Leider verhält es sich mit Altbau-Badezimmern aber wie mit unseren Großeltern: Nicht jeder aktuelle Trend ist kompatibel mit der schon in die Jahre gekommenen Substanz. Was geht also und was geht nicht, wenn man ein Altbau-Bad sanieren will?

 

Von MINTSTAGING e.K.

Schallschutz im Altbau-Bad

Um den Schallschutz an Fallleitungen zu optimieren, empfiehlt sich die Ummantelung der neu verlegten Rohre mit mineralischen Dämmstoffen. Abwasserleitungen werden in schallentkoppelten Schellen an Wänden befestigt, da sie sonst sogenannte Schallbrücken zum Rohbau erzeugen. So wird die Wahrnehmbarkeit von Abflussgeräuschen in Nebenräumen minimiert und gewährleistet, dass ein nächtlicher Toilettenbesuch nicht jemand anderen unsanft aufweckt.

 

Von BCO Architekten

Sanitärinstallationen im Altbau-Bad modernisieren

Häufig ist die Sanitärtechnik, die man in Altbauten vorfindet, unzureichend für die Installation eines modernen, neuen Bades. Das Alter und Material der Abwasserleitungen, ihre Verlegweise sowie Rohrdimensionen könnten nicht mehr zulässig sein und müssen unbedingt sorgfältig vom Fachmann geprüft werden.Weiter beeinflusst die Platzierung bereits vorhandener Leitungen und Fallstränge alle Planungsansätze für ein neues Bad: Es gilt also, die Lage der Bestandsinstallation genauestens unter die Lupe zu nehmen, da sie unter Berücksichtigung des benötigten Gefälles genaue Auskunft darüber gibt, wo welches Sanitärobjekt platziert werden kann – und wo eben nicht. Die Arbeit mit Vorsatzschalen, also aufgedoppelten Wänden, erleichtert die Neuplatzierung von Objekten dabei immens. (Sowieso empfiehlt es sich, bei der Verlegung neuer Leitungen im Altbau aus Schall- und Dämmschutz- sowie statischen Gründen komplett auf das Schlitzen in Wände zu verzichten.) Auch Trinkwasserleitungen können durch langen Gebrauch in Mitleidenschaft gezogen worden sein, weshalb auch sie bei der Modernisierung Ihres Altbaubadezimmers erneuert werden sollten. Weiter ist es inzwischen Vorschrift, dass Trinkwasser- und Zirkulationsleitungen wärmegedämmt werden, was im Zuge der Sanierung nachgeholt werden muss.

 

Von BESPOKE Interior Design & Production

Elektroinstallation im Altbau-Bad sanieren

Bei eigentlich jeder Altbausanierung geht es auch der Elektroinstallation an den Kragen: Eine Elektroinstallation, die nicht mehr den heutigen Vorgaben und Standards entspricht und der es an Schutzleitern und Fehlerstrom-Schutzschaltern mangelt, ist schlicht unzulässig. Da ein Badezimmer inzwischen durch einen eigenen FI-Schalter abgesichert sein muss, ist mindestens dieser nachzurüsten.Ist die Kabelisolierung so stark gealtert, dass sie spröde oder brüchig wird, drohen Kurzschlüsse. In diesem Fall ist ebenfalls eine Neuverteilung ratsam – und natürlich auch, wenn schlicht zu wenig Schalter und Steckdosen für den modernen Bedarf vorhanden sind.

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Von BCO Architekten

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Fenster und Belüftung im Altbau-Bad sanieren

Alte Fenster sind aus heutiger Sicht oft nicht viel mehr als einfache Glasscheiben in einem undichten, verzogenen Holzrahmen. Von Schutz gegen Feuchtigkeit, Kälte oder Schall ist hier nichts zu spüren, weshalb im Zuge einer Altbausanierung oft die Fenster komplett ausgetauscht werden.Multiple Dichtungsebenen und mindestens zwei Scheiben in soliden Rahmen sorgen dafür, dass Kälte und Nässe nicht mehr ins Haus können. Leider wird der natürliche Luftaustausch dadurch ebenfalls erschwert, so dass Feuchtigkeit dank der meistens neu gedämmten Außenwände im Raum bleibt und an kälteren Innenwänden und Decken kondensiert. Dies kann bei unzureichender Prävention und Belüftung im Bad zu Schimmel führen, weshalb neben selbstständigem Stoßlüften auch Lüftungsschlitze in Türen notwendig sind, um eine stetige Luftzirkulation zu gewährleisten.

 

Von NEUMANN+KAFERT

Fußbodenaufbau im Altbau-Bad

In Altbauten haben wir es häufig mit sogenannten Holzbalkendecken zu tun, also Decken, die aus Balkenkonstruktionen bestehen, auf die als Belag schlicht Bretter genagelt worden sind. Die Zwischenräume sind nicht selten mit Heu oder Stroh gefüllt. Bei der Sanierung von Bädern sollten Sie diese Füllung ersetzen und durch dämmende Materialien ersetzen. Außerdem sollte die tragende Holzkonstruktion auf Feuchtigkeitsschäden oder Schädlingsbefall hin untersucht werden, bevor sie als Basis für den Aufbau des neuen Fußbodens dienen kann.Eine Ausgleichsschüttung, auf der unbedingt lastverteilende großflächigere Platten aufgebracht werden sollten, gleicht Unebenheiten des Bodens aus. Alternativ kann auch ein Trockenestrich verlegt werden. So oder so sollten Sie für fußbodendämmende und entkoppelnde Arbeiten unbedingt einen Experten engagieren, da es bei unsachgemäßer Ausführung passieren kann, dass durch im Fußboden erzeugte Schwingungen später dekorative Bodenbeläge wie zum Beispiel großformatige Fliesen und ihre Fugen reißen.Grundsätzlich ist es bei der Sanierung eines Altbaus sinnvoll, dort, wo alte Materialien auf neue treffen, flexible Übergänge zu schaffen, um mögliche Materialbewegungen abzufangen.

 

Von baqua

Bodengleiche Duschen im Altbau umsetzen

Bodengleiche Duschen sind in Altbauten leider häufig gar nicht oder nicht ohne erhöhten Aufwand realisierbar.Wegen der bereits besprochenen Holzbalkendecken können Wasserleitungen selten nach Gusto im Boden verlegt werden. Es gilt also, bereits vor Baubeginn den Fußboden zu öffnen, um die genaue Balkenlage und mögliche Wege von Abflussleitungen bestimmen zu können. Versperren die tragenden Balken die Wege für die Abflussverrohrung, hilft es, mit Podesten zu arbeiten oder gar das gesamte Fußbodenniveau im Badezimmer um die benötigten Zentimeter anzuheben.Alternativ ist es in einigen Fällen möglich, Leitungen an der Decke von Räumen entlangzuführen, die unter dem Badezimmer liegen. Diese Leitungen müssen dann besonders gut schallgedämmt und die Decken der betreffenden Räume abgehängt werden.

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Von Thomas Kampeter

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Abdichtung im Altbau-Bad erneuern

Mit der Abdichtung von Badezimmern hat man es in vergangenen Jahrzehnten nicht immer so genau genommen. Deshalb empfiehlt es sich besonders bei Altbaubadezimmern mit Holzbalkendecke, den Raum direkt nach der Entkernung mit Dichtungsbahnen auszulegen. Auf diese Dichtungsbahnen wird dann, wie zuvor beschrieben, der Fußboden aufgebaut. Betondecken können auch mit Spachtelmassen abgedichtet werden, auf die eine wassersperrende Schicht aufgebracht wird. Vor der Befliesung wird in der Regel noch eine Verbundabdichtung verwendet, da sie mit gängigen Materialien zum Fußbodenaufbau kompatibel ist. Inzwischen dichtet man insbesondere bei der Altbausanierung auch unter Badewannen und Duschtassen vollflächig ab. Die Fliesen werden dann direkt auf der Abdichtung verlegt.Weiter müssen sämtliche Randanschlüsse im Badezimmer mit Dichtbändern oder Dichtmanschetten speziell abgedichtet werden. Zuletzt werden alle Berührungspunkte von Einrichtungsgegenständen mit Wand oder Fußboden zusätzlich mit Silikon vor dem Eindringen von Feuchtigkeit (zum Beispiel in Bohrlöcher) geschützt.

 

Von KEMPF | ARCHITEKTEN

Dünne und schiefe Wände im Altbau-Bad sanieren

Klar, dass uns bei der Sanierung von Altbaubadezimmern auch die Wände Schwierigkeiten bereiten können: Nicht selten werden die ohnehin bereits dünnen und instabilen Wände beim Rückbau alter Fliesenbeläge stark in Mitleidenschaft gezogen. Da früher Wandfliesen noch im Mörtelbett angesetzt wurden, passiert es nicht selten, dass außer der alten Fliese vor allem Bestandteile der alten Wand mit runterkommen – neue Gucklöcher in die benachbarten Räume sind dabei keine Seltenheit.Auch in Waage oder im Lot ist bei Altbauwänden in der Regel überhaupt nichts: Komplett neue Wandaufbauten und zusätzlicher Aufbau, um Wände zu geraden und bearbeitbaren Flächen zu machen sind meistens notwendig, da sich sonst zum Beispiel hinter der Sanitärkeramik oder beim Anbringen von Möbeln unschöne Schattenfugen bilden, die selbst mit Unmengen von Silikon nicht mehr zu retuschieren sind.

 

Von Sascha Kregeler

Statik und neue Badewannen im Altbau-Bad

Sind im Vorfeld die tragenden Elemente auf ihre Stabilität überprüft und ist der neue Boden fachgerecht mit größeren, lastverteilenden Bodenplatten wieder aufgebaut worden, spricht erst einmal nichts gegen den Einbau einer Wanne im Altbaubadezimmer.Badewannen auf Füßen eignen sich allerdings nicht für Altbaubäder, da die Last der Wanne nur punktuell auf den Boden wirkt. Bei der Verwendung von Wannenträgern verteilt sich die Last auf eine größere Fläche und dadurch auch besser auf weniger tragfähige Decken.Wenn Sie sich eine freistehende Badewanne wünschen, sollten Sie im Vorfeld unbedingt ein Statiker zu Rate ziehen – hier ist es nämlich nicht nur die Wassermasse, die auf die alte Decke drückt, sondern das zusätzliche Gewicht der Badewanne selbst, die das gesamte Unterfangen im wahrsten Sinne des Wortes erschwert.

Experten für Badsanierung beauftragen

Alles in allem ist die Sanierung eines Altbaubadezimmers ein klarer Fall für den Badexperten. Nur das optimale Zusammenspiel zwischen vorausschauender Planung und fachlich kompetenter Umsetzung garantiert individuellen Altbaucharme auf modernstem Niveau – ohne böse Überraschungen.

Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht auf Houzz.